Erkrankungen von Lidern und Tränenwegen
Die Augenlider sind eine wahre Hochleistungskonstruktion: hauchdünne Haut, ein feiner Muskelapparat, eine schützende Bindehaut auf der Innenseite, eine Reihe spezialisierter Drüsen, die den Tränenfilm fettreich abdichten, dazu eine doppelte Reihe Wimpern, die wie ein Staubschutz vor dem empfindlichen Augapfel sitzen. Sie schließen sich etwa zwölf bis fünfzehn Mal pro Minute, ohne dass wir es bewusst wahrnehmen, halten den Tränenfilm gleichmäßig in Bewegung und schützen die Hornhaut vor Austrocknung. Genauso wichtig sind die ableitenden Tränenwege, die dafür sorgen, dass die produzierte Tränenflüssigkeit kontinuierlich abfließen kann – vom inneren Augenwinkel über die Tränenpünktchen, die Tränenkanäle, den Tränensack bis hinab in die Nase. Sobald an dieser fein abgestimmten Mechanik etwas hakt, klagt der Patient typischerweise über brennende, gerötete, juckende oder tränende Augen, über verklebte Lidränder am Morgen, ein Fremdkörpergefühl oder über Schwellungen, die das Sehen behindern. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Erkrankungen der Lider und Tränenwege, von der harmlosen Lidrandentzündung bis zum bösartigen Lidtumor, und Hinweise dazu, wann der Augenarzt aufgesucht werden sollte.
Lidekzem – gereizte, juckende Lidhaut
Die Haut der Augenlider ist die dünnste des gesamten Körpers und besitzt kaum eine schützende Hornschicht. Entsprechend empfindlich reagiert sie auf Reize. Ein Lidekzem kann sich entweder als akute Reaktion auf einen bestimmten Auslöser zeigen – eine neue Augencreme, ein Kontaktlinsenreiniger, ein Lidschatten, Wimperntusche, Augentropfen mit Konservierungsmittel oder ein Metallallergen aus einer Brillenfassung – oder es entsteht chronisch im Rahmen einer atopischen Diathese (Neurodermitis) und einer trockenen, empfindlichen Konstitution. Typisch sind Rötung, feinschuppige Trockenheit, Spannungsgefühl, im akuten Stadium auch Schwellung, kleine Bläschen und ein quälender Juckreiz, der in der Versuchung zum Reiben mündet – was die Lage prompt verschlechtert, weil die Lidhaut so weiter mechanisch traumatisiert wird. Im chronisch-lichenifizierten Stadium wirkt die Haut verdickt, lederartig und fein gefurcht.
Therapeutisch steht das Meiden des Auslösers an erster Stelle. Sind Allergene unklar, bringt ein Epikutantest beim Hautarzt Klarheit; getestet werden typische Konservierungsmittel, Duftstoffe, Nickel und Kosmetikbestandteile. Akut beruhigen kalte, feuchte Schwarzteeauflagen (gerbstoffreich) oder kurzzeitig eingesetzte Kortisoncremes mit niedriger Konzentration (z. B. 0,5-prozentiges Hydrocortisonacetat) – aber bitte nie länger als wenige Tage und nie ohne Rücksprache, denn die Lidhaut neigt unter Kortison rasch zur Atrophie. Im chronischen Stadium haben sich Calcineurininhibitoren wie Tacrolimus- oder Pimecrolimus-Salben bewährt, da sie kortisonfrei wirken. Begleitend brauchen die Lider eine fettende, parfumfreie Basispflege.
Blepharitis – Lidrandentzündung anterior und posterior
Die Blepharitis ist eine der häufigsten chronischen Augenerkrankungen überhaupt – und gleichzeitig eine der am häufigsten unterschätzten. Man unterscheidet zwei Formen, die einzeln oder gemeinsam auftreten können: die anteriore Blepharitis betrifft den vorderen Lidrand mit den Wimpern und ist meist seborrhoisch (durch eine fettige Hautkonstitution) oder staphylogen (durch eine bakterielle Besiedlung mit Staphylococcus aureus) bedingt. Sichtbar sind Krusten, Schuppen und Beläge an den Wimpernbasen, gerötete Lidränder und manchmal ausfallende oder fehlwachsende Wimpern. Die posteriore Blepharitis betrifft die Meibom-Drüsen, die kleine ölartige Sekrettropfen an die hintere Lidkante abgeben und damit den fettigen Decklayer des Tränenfilms bilden. Sind diese Drüsen verstopft (Meibomdrüsendysfunktion), wird der Tränenfilm instabil, verdunstet zu schnell und die Augen werden trocken – das klassische Sicca-Syndrom geht häufig auf eine posteriore Blepharitis zurück. Betroffene klagen über Brennen, Fremdkörpergefühl, müde Augen am Abend, Lichtempfindlichkeit und verklebte Lider am Morgen.
Die Basis jeder Therapie ist die tägliche, am besten zweimalige Lidrandhygiene – das ist keine Modeerscheinung, sondern Standard nach den DOG-Empfehlungen. Sie besteht aus drei Schritten: erstens warme Kompressen (zehn Minuten bei rund 42 Grad), um das eingedickte Drüsensekret zu verflüssigen; zweitens eine sanfte Lidmassage von außen nach innen mit dem Finger, um die Meibom-Drüsen zu entleeren; drittens eine vorsichtige Reinigung der Lidkante mit einem speziellen Lidreinigungstuch, einer milden Lösung mit Tea-Tree-Öl-Extrakt oder verdünntem Babyshampoo. Diese Routine über mehrere Wochen konsequent durchgeführt, lindert die Beschwerden bei der überwiegenden Mehrheit der Patient:innen deutlich. Bei massiver bakterieller Komponente ergänzt der Arzt antibiotische Augensalben mit Erythromycin oder Bacitracin, in hartnäckigen Fällen niedrig dosiertes orales Doxycyclin, das nicht primär antibakteriell, sondern entzündungshemmend wirkt. Bei Demodex-Befall der Wimpernfollikel (eine kleine Haarmilbe) sind Lidshampoos mit Tea-Tree-Öl die Therapie der Wahl. Sicca-Beschwerden werden zusätzlich mit lipidhaltigen Tränenersatz-Tropfen ohne Konservierung behandelt.
Hordeolum – das Gerstenkorn
Ein Hordeolum, im Volksmund Gerstenkorn genannt, ist eine akute, hochrote, schmerzhafte und oft druckschmerzhafte Schwellung am Lidrand – meist ausgelöst durch eine bakterielle Infektion einer Talg- oder Schweißdrüse, in den allermeisten Fällen mit Staphylococcus aureus. Man unterscheidet ein Hordeolum externum, das an der Basis einer Wimper sitzt und an der Außenseite des Lids sichtbar wird, von einem Hordeolum internum mit Befall einer Meibom-Drüse, das innen liegt und das ganze Lid stärker anschwellen lässt. Typisch ist die rasche Entwicklung über ein bis zwei Tage, mit deutlich pochendem Schmerz und einem oder mehreren weißlich-gelben Eiterköpfchen. Häufig öffnet sich das Gerstenkorn nach drei bis vier Tagen spontan, entleert sich und heilt folgenlos ab. Patienten mit Diabetes mellitus, Immundefekten oder chronischer Blepharitis sind häufiger und oft rezidivierend betroffen.
Die Therapie ist meist konservativ: trockene Wärme (Rotlicht, warmes Kirschkernkissen) für jeweils zehn Minuten mehrfach täglich beschleunigt die Reifung und Entleerung; antiseptische oder antibiotische Augensalben (Bibrocathol, Erythromycin, Gentamicin) unterstützen die Abheilung. Ausdrücken oder Aufstechen ist strikt zu unterlassen – die Gefahr einer Keimverschleppung in tiefere Lidschichten oder gar über die Vena angularis ins Sinus-cavernosus-System (eine theoretisch tödliche Komplikation) ist real. Bei großem, sehr schmerzhaftem oder nicht aufbrechendem Hordeolum führt der Augenarzt eine vorsichtige Stichinzision durch. Bei Rezidiven sollte zugrundeliegende Lidrandentzündung oder ein bisher unentdeckter Diabetes konsequent abgeklärt werden.
Chalazion – das Hagelkorn
Während das Gerstenkorn eine akute Eiterung ist, beschreibt der Begriff Chalazion – auf Deutsch Hagelkorn – eine chronische, granulomatöse Entzündung einer Meibom-Drüse mit lipidreichem Inhalt. Es handelt sich um einen knubbeligen, derben, deutlich tastbaren, aber meist schmerzlosen Knoten im Lid, der über Wochen bis Monate langsam wächst. Häufig geht ihm ein nicht ausreichend behandeltes Hordeolum internum oder eine chronische posteriore Blepharitis voraus. Die Haut über dem Chalazion ist meist nur leicht oder gar nicht gerötet; der Knoten lässt sich vom darunterliegenden Lid abgrenzen und ist gegen den Lidrand verschieblich. Kosmetisch stört das Chalazion oft, funktionell selten – nur bei großen Hagelkörnern kann es zu Druck auf die Hornhaut mit Astigmatismus und unscharfem Sehen kommen.
Die konservative Behandlung gleicht der bei posteriorer Blepharitis: konsequente warme Kompressen, Lidmassage, Lidrandhygiene, eventuell antibiotische Augensalbe abends in den Bindehautsack. In rund der Hälfte der Fälle bildet sich das Hagelkorn so innerhalb mehrerer Wochen zurück. Persistierende oder kosmetisch sehr störende Chalazien werden in örtlicher Betäubung vom Augenarzt eröffnet, der Inhalt mit einem Löffelchen ausgeräumt und das umgebende Granulationsgewebe entfernt; die Wunde heilt narbenfrei. Bei Patient:innen mit rezidivierenden Chalazien am gleichen Lid sollte histologisch ausgeschlossen werden, dass nicht in Wahrheit ein Talgdrüsenkarzinom dahinter steckt – das ist selten, aber wichtig.
Lidfehlstellungen – Ektropium und Entropium
Mit zunehmendem Alter erschlafft das Bindegewebe, und auch die feinen Liderhalter um den Augapfel geben nach. Daraus entstehen zwei spiegelbildliche Lidfehlstellungen, die typischerweise das Unterlid betreffen. Beim Ektropium kippt das Unterlid nach außen ab, der Lidrand und die rote Bindehaut werden sichtbar, das untere Tränenpünktchen verliert den Kontakt zum Augapfel. Die Folge: ständig laufende Tränen (Epiphora) trotz funktionierender Produktion, ein chronisch wundes, gerötetes Lid, vermehrte Bindehautentzündungen und Austrocknungskeratitis an der nicht mehr ausreichend benetzten Hornhaut. Ursachen sind altersbedingte Erschlaffung (involutionelles Ektropium), Narbenzug nach Verletzung oder Operation (Narbenektropium), eine periphere Fazialislähmung mit Verlust des Lidschlusstonus (paralytisches Ektropium) oder bei Säuglingen eine angeborene Form.
Das Entropium ist das Gegenteil: das Unterlid rollt sich nach innen ein, die Wimpernreihe scheuert dauerhaft an Hornhaut und Bindehaut. Die Folgen sind heftig – ständiges Fremdkörpergefühl, Tränenfluss, Bindehautrötung, Lichtempfindlichkeit und im chronischen Verlauf eine Erosion oder Ulcus corneae mit drohender Hornhauttrübung und Visusverlust. Auch hier ist die häufigste Ursache eine Bindegewebsschwäche im Alter (involutionelles Entropium), aber auch Narbenzüge nach trachomatöser Bindehautentzündung (in den Tropen häufig), nach Verätzungen oder nach Operationen kommen in Frage. Bei Säuglingen tritt manchmal ein angeborenes Epiblepharon auf, eine zusätzliche Hautfalte mit nach innen gedrehten Wimpern, das in den meisten Fällen mit dem Wachstum von selbst verschwindet.
Beide Fehlstellungen werden bei Beschwerden operativ korrigiert. Es gibt zahlreiche Operationsverfahren – horizontale Lidstraffung über laterale Tarsusstreifensuspension, vertikale Lidretraktorreffung bei Entropium, freie Hauttransplantate bei Narbenektropium und Goldlidimplantate bei paralytischem Lidschluss. Die Wahl trifft der Operateur nach Schweregrad, Lokalisation und Ursache. Vor dem Eingriff steht zur Linderung der akuten Beschwerden eine sorgfältige Pflege mit Tränenersatz, Pflegesalben und gegebenenfalls einem zugeklebten Pflaster über Nacht.
Ptosis – das hängende Oberlid
Eine Ptosis bezeichnet das einseitige oder beidseitige Herabhängen des Oberlids unterhalb der oberen Grenze der Pupille. Bei deutlicher Ausprägung verdeckt das Lid einen Teil des Sehfelds, die Betroffenen heben kompensatorisch die Augenbrauen an oder legen den Kopf in den Nacken, was zu Nackenverspannungen und Kopfschmerzen führen kann. Ursächlich werden mehrere Formen unterschieden: die angeborene kongenitale Ptosis beruht auf einer Fehlentwicklung des Lidhebermuskels (Musculus levator palpebrae superioris) und kann bei einseitigem Befall im Säuglings- und Kindesalter zur Amblyopie führen – eine zeitige operative Korrektur ist daher wichtig. Die häufigste Form im Erwachsenenalter ist die involutionelle (aponeurotische) Ptosis, bei der die Sehne des Lidhebers altersbedingt vom Tarsus abrutscht; oft sind langjährige Kontaktlinsenträger:innen betroffen. Die myogene Ptosis bei chronisch progredienter externer Ophthalmoplegie oder okulärer Form der Muskeldystrophie und besonders die fluktuierende Ptosis im Rahmen einer Myasthenia gravis sind seltener, aber wichtig zu erkennen; bei der Myasthenie schwankt die Lidstellung typischerweise im Tagesverlauf und nimmt bei Ermüdung zu – ein einfacher Eispackungstest oder der Tensilon-Test stützen die Diagnose. Eine plötzlich aufgetretene einseitige Ptosis mit weiter Pupille und Doppelbildern ist eine Okulomotoriusparese und gilt bis zum Beweis des Gegenteils als Notfall (Verdacht auf Aneurysma der hinteren Hirnschlagader). Eine Ptosis mit gleichzeitiger Pupillenenge spricht für ein Horner-Syndrom und sollte ebenfalls fachärztlich abgeklärt werden.
Die Therapie hängt vollständig von der Ursache ab. Die aponeurotische Ptosis wird operativ durch Reinsertion der Levatorsehne korrigiert – ein Routineeingriff in örtlicher Betäubung. Bei myogener Form sind eingeschränkte Indikation und gelegentlich Lidkrücken an der Brille zu erwägen. Die myasthene Ptosis bessert sich oft schon unter Pyridostigmin oder einer geeigneten Immuntherapie. Eine angeborene Ptosis wird bei Verdacht auf Sehbahnschädigung früh, ansonsten im Vorschulalter angegangen. Verwandt mit der Ptosis ist der Lagophthalmus, der unvollständige Lidschluss bei Fazialislähmung oder schwerer Exophthalmus: das Auge bleibt auch im Schlaf einen Spalt offen, die Hornhaut trocknet aus, es droht eine schwere Expositionskeratitis. Behandlung: häufige Tränenersatztropfen am Tag, fettreiche Salbe und ein Uhrglasverband zur Nacht, bei längerem Verlauf ein Goldlidimplantat oder eine laterale Tarsorrhaphie zur teilweisen Lidnaht.
Distichiasis und Trichiasis – Wimpern an der falschen Stelle
Bei der Distichiasis, einer meist angeborenen Anomalie, wachsen aus den Mündungen der Meibom-Drüsen zusätzliche, oft feinere Wimpern, die nach innen gegen die Hornhaut gerichtet sind. Bei der erworbenen Trichiasis sind die regulären Wimpern aufgrund einer Lidkantennarbung in eine falsche Wuchsrichtung geraten, etwa nach Verbrennungen, schweren Bindehautentzündungen oder einem chronischen Entropium. In beiden Fällen scheuern die Wimpern bei jedem Lidschlag auf die Hornhaut, mit denselben Risiken wie beim Entropium: Erosion, Hornhautulkus, Vernarbung. Therapeutisch werden die störenden Wimpern epiliert (häufig ein temporärer Behelf), elektrolytisch oder per Laser dauerhaft zerstört, in schweren Fällen wird ein Lidanteil mit Wimpernreihe operativ korrigiert.
Tränenwegsstenose und Dakryozystitis
Eine Tränenwegsstenose bezeichnet eine Verengung oder einen Verschluss der ableitenden Tränenwege. Klinisches Leitsymptom ist die ständig laufende Tränenflüssigkeit (Epiphora), die im Wind, in der Kälte und bei Windexposition zunimmt. Man unterscheidet die angeborene (kongenitale) Tränenwegsstenose – meistens durch eine nicht zurückgebildete Hasner-Schleimhautfalte am unteren Ende des Tränen-Nasen-Gangs – und die erworbene Form, die nach Lebensjahrzehnten durch chronische Schleimhautentzündungen, nach Trauma, im Rahmen einer Sarkoidose oder nach Strahlentherapie auftreten kann. Bei Säuglingen tritt die Tränenwegsstenose schon in den ersten Lebenswochen mit eitrigem Tränen und verklebten Lidern in Erscheinung; in den meisten Fällen öffnet sich die Hasner-Falte mit Wachstum und einer einfachen Massage des Tränensacks (Crigler-Massage) bis zum ersten Geburtstag von selbst. Tut sie das nicht, ist die Tränenwegssondierung in Kurznarkose ein einfacher und in über 90 Prozent erfolgreicher Eingriff. Beim Erwachsenen erfolgt zunächst eine Tränenwegsspülung über das Tränenpünktchen, mit der die Durchlässigkeit geprüft und Schleimpfropfen herausgespült werden können. Ist die Stenose hartnäckig, kann eine endoskopische oder operative Dakryozystorhinostomie (DCR) durchgeführt werden, bei der eine neue Verbindung zwischen Tränensack und Nasenhaupthöhle geschaffen wird.
Wenn die abfließende Tränenflüssigkeit lange im Tränensack verbleibt, kommt es zur bakteriellen Besiedlung und damit zur Dakryozystitis, der Entzündung des Tränensacks. Akut bietet sich das eindrucksvolle Bild einer hochroten, schmerzhaften, prallelastischen Schwellung unterhalb des inneren Augenwinkels, oft mit Fieber und einem schmerzhaften Druckpunkt; auf Druck entleert sich gelbliches Sekret aus dem unteren Tränenpünktchen. Die akute Dakryozystitis ist ein Notfall der Augenheilkunde: sie wird sofort mit systemischen Antibiotika (z. B. Cefuroxim oder Amoxicillin/Clavulansäure), feuchten Umschlägen und Schmerzmitteln behandelt; eine Spülung oder Sondierung erfolgt erst nach Abklingen der akuten Entzündung, sonst droht eine Phlegmone der Augenhöhle. Bei rezidivierenden Verläufen wird die zugrundeliegende Stenose mit einer DCR endgültig behoben.
Lidtumoren und Basaliom
Die Lidhaut ist ungeschützt allen Umwelteinflüssen ausgesetzt, vor allem dem UV-Licht, und es verwundert nicht, dass an dieser Stelle sowohl gutartige als auch bösartige Tumoren entstehen. Häufig und harmlos sind Xanthelasmen (cremegelbe, weiche, flächige Cholesterineinlagerungen am inneren Lidwinkel, oft beidseits), Hidrozystome und Syringome kleiner Schweißdrüsen, gutartige Talgdrüsenadenome sowie pigmentierte und gestielte Nävi. Sie sind kosmetisch störend, aber medizinisch unbedenklich und werden bei Bedarf in Lokalanästhesie excidiert.
Der mit Abstand häufigste bösartige Lidtumor ist das Basaliom (Basalzellkarzinom), das etwa 90 Prozent aller Lidmalignome ausmacht und überwiegend am Unterlid und im inneren Lidwinkel auftritt. Typisch ist ein langsam wachsender, fester, perlglänzender Knoten mit zarten Gefäßbäumchen an der Oberfläche, der im Zentrum zerfallen und ein nicht abheilendes Ulkus bilden kann (Ulcus rodens). Risikofaktoren sind kumulative UV-Belastung, helle Haut, fortgeschrittenes Alter. Das Basaliom metastasiert praktisch nie, wächst aber lokal infiltrativ und kann unbehandelt in die Augenhöhle, in die Tränenwege oder ins Gesicht hineinwuchern. Deshalb ist die frühzeitige, vollständige chirurgische Exzision mit histographischer Schnittrandkontrolle (sogenannte mikrographisch kontrollierte Chirurgie nach Mohs) der Therapiestandard. Selten kommen ein Plattenepithelkarzinom, ein Talgdrüsenkarzinom (häufiger am Oberlid, aggressiv, oft als rezidivierendes Chalazion fehlgedeutet) oder ein malignes Melanom des Lids in Betracht. Jeder neu aufgetretene, langsam wachsende, nicht heilende Knoten am Lid – vor allem bei älteren Personen mit jahrzehntelanger Sonnenexposition – sollte hautärztlich oder augenärztlich abgeklärt werden, auch wenn er klein und kosmetisch unauffällig ist.
Diagnostik – was der Augenarzt untersucht
Die Abklärung von Lid- und Tränenwegserkrankungen beginnt mit einer sorgfältigen Anamnese: Wie lange bestehen die Beschwerden? Tränen die Augen ständig oder nur bei Wind? Gibt es Verklebungen am Morgen, Brennen, Fremdkörpergefühl, Doppelbilder? Welche Vorerkrankungen liegen vor, welche Medikamente werden eingenommen? Anschließend folgt die Inspektion des Lids in Geradeausblick und im Auf-/Abblick; die Lidstellung, die Lidkante und die Wimpern werden beurteilt. An der Spaltlampe – dem zentralen Instrument der Augenheilkunde – werden Lidränder, Meibom-Drüsen, Tränenmeniskus, Bindehaut, Hornhaut und Tränenpünktchen mit zehn- bis fünfundzwanzigfacher Vergrößerung untersucht. Mit Fluorescein gefärbter Tränenfilm lässt Ulzerationen, Erosionen oder Tränenfilmabrissstellen sichtbar werden. Die Tränenwegssondierung und -spülung mit einer feinen Spülkanüle über das Tränenpünktchen prüft, ob und wo die ableitenden Wege durchgängig sind – die gespülte Kochsalzlösung sollte in den Rachen ablaufen. Bei unklarer Topographie hilft die Dakryozystographie mit Kontrastmittel, im Säuglingsalter und bei Tumorverdacht auch eine MRT. Verdächtige Lidknoten werden im Zweifel komplett excidiert und histologisch untersucht; eine reine Inspektionsdiagnose kann ein Basaliom nicht zuverlässig ausschließen.
Therapie – konservativ und chirurgisch
Die Therapieprinzipien der Lid- und Tränenwegserkrankungen lassen sich grob in vier Gruppen einteilen: erstens die konsequente Lidhygiene und Pflege als Basis bei nahezu allen entzündlichen Lidranderkrankungen; zweitens die medikamentöse Therapie mit antibiotischen Augensalben oder Tropfen, antiseptischen Tropfen, kurzfristigen Kortisonpräparaten, antiallergischen Tropfen, lipidhaltigen Tränenersatzmitteln und systemischen Antibiotika oder Tetracyclinen bei rezidivierenden Verläufen; drittens die minimal-invasive Manipulation wie Tränenwegssondierung, Tränenwegsspülung, das Einlegen eines Silikonschlauches als Stent über mehrere Monate oder Inzisionen kleinerer Lidabszesse; viertens die operative Korrektur von Lidstellungsanomalien, Ptosis, Hagelkörnern, Tumoren und nicht reversiblen Tränenwegsverschlüssen (DCR). Welche Therapiestufe sinnvoll ist, entscheidet der Augenarzt individuell – oft beginnt man konservativ und greift erst bei Therapieversagen zur Operation. Die meisten Lidoperationen sind ambulante Routineeingriffe in Lokalanästhesie, die Heilzeit liegt bei wenigen Wochen, kosmetisch verbleibende Narben sind meist minimal.
Selbsthilfe und tägliche Lidhygiene
Niemand muss mit Brennen, Tränen und verklebten Lidern leben – vieles lässt sich mit einer einfachen, konsequent durchgeführten Pflege beherrschen. Bewährt hat sich folgendes Vorgehen, das Sie morgens und abends durchführen können: 1. Legen Sie für rund zehn Minuten eine warme, feuchte Kompresse auf die geschlossenen Augen – etwa ein in lauwarmem Wasser getränktes Wattepad oder ein spezielles, mikrowellengeeignetes Wärmekissen aus der Apotheke. Die Temperatur sollte angenehm warm, nicht heiß sein. 2. Massieren Sie anschließend die Lider mit dem sauberen Zeigefinger sanft von außen nach innen am Unterlid und von innen nach außen am Oberlid – jeweils etwa zehn Striche. Sie unterstützen damit das Abfließen des verdickten Meibom-Sekrets. 3. Reinigen Sie zum Abschluss die Lidkante mit einer in warmem Wasser angefeuchteten Watte oder besser mit einem getränkten Lidpflegetuch (in der Schwanen-Apotheke erhältlich) oder einer milden Reinigungslösung. Ziel ist das Entfernen von Schuppen, Krusten und überschüssigem Lidfett vom Wimpernansatz. Diese drei Schritte konsequent durchgeführt, lindern Beschwerden bei Blepharitis und Sicca-Syndrom in den meisten Fällen ohne weitere Medikamente. Verzichten Sie während akuter Entzündungen auf Augenmake-up, wechseln Sie Wimperntusche und Eyeliner spätestens alle drei Monate, und ersetzen Sie Augenkosmetik nach einer Lidrandinfektion unbedingt – sonst infizieren Sie sich aus der eigenen Mascara-Tube immer wieder neu. Bei trockenen Augen helfen Tränenersatztropfen, idealerweise konservierungsmittelfrei und in Einzeldosen. Ein Luftbefeuchter im Schlafzimmer oder im Büro, regelmäßige Lidschlagpausen vor dem Bildschirm (alle 20 Minuten 20 Sekunden in die Ferne schauen) und ausreichendes Trinken unterstützen den Tränenfilm.
Wir beraten Sie
In der Schwanen-Apotheke mitten in 47051 Duisburg sind Augenbeschwerden ein häufiger Anlass für eine ausführliche Beratung. Wir helfen Ihnen, die für Sie geeigneten Augentropfen, Augensalben, Lidpflegetücher, Lidhygienesets und Wärmekissen auszuwählen, und erklären, wie Sie sie richtig anwenden – gerade das richtige Eintropfen ist eine Kunst für sich. Wir achten auf konservierungsmittelfreie Präparate, wenn Sie über lange Zeit tropfen müssen oder zu Allergien neigen, und prüfen mögliche Wechselwirkungen mit Ihren anderen Medikamenten. Bei trockenen, brennenden Augen führen wir Sie durch die Vielfalt der Tränenersatzmittel (wässrig, gelartig, lipidhaltig, Hyaluronsäure-basiert) zur passenden Lösung. Für Säuglinge mit Tränengangsstenose zeigen wir die Crigler-Massage und stellen pH-neutrale Pflege bereit. Bei akuten, heftigen oder seit Tagen unveränderten Beschwerden – vor allem bei Schmerzen, Sehverschlechterung, Doppelbildern oder einer plötzlichen Ptosis – verweisen wir Sie konsequent an den Augenarzt oder bei Verdacht auf einen Notfall (akute Dakryozystitis mit Fieber, plötzliche Ptosis mit Doppelbild) an die nächste augenärztliche Notfallambulanz. Im Rahmen unseres Medikationsmanagements prüfen wir auf Wunsch Ihre gesamte Tropfmedikation auf Sinnhaftigkeit, Konservierungsmittel und Wechselwirkungen. Wir freuen uns über Ihren Besuch – rufen Sie an, schauen Sie vorbei oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular.