Augen

Sehfehler

Wenn das Bild der Außenwelt nicht punktgenau auf der Netzhaut abgebildet wird, sprechen Augenärztinnen und Augenärzte von einem Refraktions­fehler. Im Volksmund haben sich für die einzelnen Formen Begriffe wie Kurzsichtigkeit, Weitsichtigkeit, Stabsichtigkeit und Alterssichtigkeit eingebürgert. Refraktionsfehler sind keine Krankheit im engeren Sinne – sie beschreiben lediglich, dass die Brechkraft der Augenmedien (Hornhaut, Linse, Glaskörper) und die Länge des Augapfels nicht so zueinander passen, dass parallel einfallende Lichtstrahlen genau in der Netzhaut­mitte fokussiert werden. Trotzdem haben sie einen enormen Stellenwert: rund zwei Drittel der Bevölkerung in Deutschland trägt im Laufe ihres Lebens eine Sehhilfe, und ein nicht oder falsch korrigierter Refraktionsfehler ist weltweit eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare Sehminderung. Auf dieser Seite finden Sie einen Überblick über die wichtigsten Sehfehler, deren Diagnostik und die heutigen Korrektur­möglichkeiten von der Lese­brille über Kontakt­linsen bis hin zu refraktiver Hornhaut- und Linsen­chirurgie.

Myopie – die Kurzsichtigkeit

Bei der Myopie, der Kurzsichtigkeit, bündeln sich Lichtstrahlen aus der Ferne bereits vor der Netzhaut, sodass weit entfernte Gegenstände unscharf wahrgenommen werden, während die Nähe scharf bleibt. Optisch ausgedrückt ist die Brechkraft des Auges relativ zur Achsenlänge zu groß. Anatomisch unterscheidet man die axiale Myopie, bei der der Augapfel anatomisch zu lang ist (jeder zusätzliche Millimeter Achsenlänge entspricht etwa −3 Dioptrien), von der wesentlich selteneren Brechungs­myopie, bei der die Achsenlänge normal ist, aber die Brechkraft – meist durch eine zu stark gekrümmte Hornhaut oder eine in der Brechkraft veränderte Linse, etwa bei beginnender Kern­katarakt – zu hoch ausfällt. Die Mehrheit der Myopien in Mitteleuropa ist axial bedingt. Sie beginnt typischerweise im Schul- und Jugendalter und kann bis ins frühe Erwachsenen­alter zunehmen.

Die Myopie-Progression bei Kindern ist in den letzten zwei Jahrzehnten zu einem ernsten gesundheits­politischen Thema geworden – in einigen ost­asiatischen Ländern sind über 80 Prozent der Studierenden bereits kurzsichtig, und auch in Mitteleuropa nehmen die Zahlen zu. Als Risikofaktoren gelten genetische Veranlagung (kurzsichtige Eltern), wenig Aufenthalt im Freien (Tages­licht­menge unter zwei Stunden pro Tag), viel Naharbeit ohne Pausen und früher, intensiver Bildschirm­gebrauch. Eine hohe Myopie (mehr als −6 Dioptrien) ist nicht bloß ein optisches Problem, sondern ein medizinisches Risiko: das überlange Auge ist statisch belastet, die Netzhaut und die Lederhaut sind verdünnt, und das Risiko für Netzhaut­abhebung, Makula­degeneration, frühe Katarakt und Offenwinkel­glaukom steigt mit jedem zusätzlichen Dioptrienschritt deutlich an. Genau deshalb ist die Myopie-Kontrolle inzwischen ein eigenes augenärztliches Spezialgebiet.

Zur Verlangsamung der Myopie-Progression im Kindes- und Jugendalter haben sich in Studien mehrere Verfahren als wirksam erwiesen. Atropin-Augentropfen in niedriger Dosierung – meist 0,01 bis 0,05 Prozent, einmal abends ins Auge geträufelt – bremsen die Achsen­längen­zunahme nachweislich, ohne nennenswerte Akkommodations­einschränkung oder Lichtempfindlichkeit. Die Behandlung wird über mehrere Jahre durchgeführt und in Apotheken individuell als Rezeptur hergestellt. Das zweite etablierte Verfahren ist die Orthokeratologie (Ortho-K): formstabile Spezial­kontakt­linsen, die nur nachts während des Schlafs getragen werden und die Hornhaut über mehrere Stunden sanft umformen. Tagsüber ist das Auge dann brillen- und kontaktlinsenfrei scharf. Dritte Säule sind spezielle defokussierende Myopie-Kontroll-Brillengläser (D.I.M.S./H.A.L.T.) und weiche multifokale Tageslinsen, die der Netzhaut peripheren myopen Defokus präsentieren und so den Wachstums­reiz für das Auge reduzieren. Nicht zuletzt ist eine einfache, aber wirksame Maßnahme die Lichthygiene: mindestens zwei Stunden Tageslicht pro Tag (auch bei bedecktem Himmel), regelmäßige Pausen bei der Naharbeit und ausreichend Abstand zu Buch und Tablet.

Hyperopie – die Weitsichtigkeit

Die Hyperopie (Weitsichtigkeit, Übersichtigkeit) ist das spiegel­bildliche Gegenstück der Myopie: das Auge ist relativ zur Brechkraft zu kurz, oder die Brechkraft ist zu gering, sodass parallel einfallende Lichtstrahlen ohne aktive Akkommodation hinter der Netzhaut zusammenlaufen würden. Junge Hyperope können diesen Brechfehler bis zu einem gewissen Grad durch die Eigenleistung der Linse (Akkommodation) ausgleichen und sehen daher trotz Hyperopie zunächst scharf – sowohl in die Ferne als auch in die Nähe. Mit zunehmendem Alter lässt diese kompensatorische Leistung jedoch nach, und der Brechfehler tritt zutage. Aus diesem Grund unterscheidet die Augenheilkunde die latente Hyperopie, die durch die ständige Mehrarbeit der Linse verdeckt ist und nur mit Cyclopleg­ika (Pupillen erweiterende Tropfen, die die Akkommodation lähmen) sichtbar wird, von der manifesten Hyperopie, die ohne medikamentöse Hilfe in der Refraktion messbar ist. Die totale Hyperopie ist die Summe aus beiden Komponenten.

Subjektive Beschwerden der Hyperopie sind oft unspezifisch: Anstrengungs­kopf­schmerz, Augenbrennen, Augenrötung, verschwommenes Sehen am späten Nachmittag, Konzentrations­mangel bei langer Naharbeit, das sogenannte asthenope Beschwerdebild. Bei Kindern ist die Sache besonders heikel, weil eine starke Hyperopie zur Auslösung eines akkommodativen Strabismus – eines konvergenten Schielens – führen kann. Das Kind muss zur Scharfstellung in die Nähe massiv akkommodieren; mit der Akkommodation ist physiologisch eine Konvergenz beider Augen verknüpft, die bei normalsichtigen Kindern auf die Nähe abgestimmt ist, bei stark Hyperopen jedoch in einer Über­konvergenz mündet. Das Auge schielt nach innen, das Gehirn unterdrückt das Bild des schielenden Auges, und es droht eine Amblyopie. Aus diesem Grund müssen Kinder mit Verdacht auf akkommodatives Innen­schielen frühzeitig vom Augenarzt vollständig refraktioniert (mit Atropin oder Cyclopentolat) und die volle Hyperopie auskorrigiert werden – oft löst sich das Schielen mit der Brille innerhalb weniger Tage von selbst auf.

Astigmatismus – die Stabsichtigkeit

Beim Astigmatismus (Stabsichtigkeit, Hornhaut­verkrümmung) ist die brechende Fläche des Auges – meistens die Hornhaut, seltener die Linse – nicht kugel­symmetrisch, sondern in den Hauptmeridianen unterschiedlich stark gekrümmt. Statt eines Brennpunktes entstehen zwei Brennlinien, ein Punkt wird als kurzer Strich oder Stäbchen abgebildet – daher der Name. Klinisch unterscheidet man den regulären Astigmatismus, bei dem die beiden Hauptmeridiane senkrecht zueinander stehen und sich gut mit Zylindergläsern korrigieren lassen, vom irregulären Astigmatismus, bei dem die Geometrie der Hornhaut keiner einfachen Form mehr folgt und ein normales Brillenglas keine vollständige Schärfe mehr liefern kann. Letzterer entsteht typischerweise nach Hornhaut­verletzungen, Narben, Hornhaut­transplantationen oder im Rahmen eines Keratokonus, einer fortschreitenden kegelförmigen Vorwölbung der Hornhaut.

Subjektiv klagen Betroffene über verzerrtes Sehen, unscharfe Konturen, Doppel­konturen an Buchstaben, Mühe beim Lesen und schnelle Ermüdung. Ein geringer Astigmatismus (bis etwa 0,5 Dioptrien) ist physiologisch und braucht meist keine Korrektur; ab etwa 0,75 bis 1,0 Dioptrien bringt eine zylindrische Korrektur deutliche Erleichterung. Zur Diagnostik dient neben der Refraktion die Hornhaut­topographie: ein computer­gestütztes Verfahren, das mittels reflektierter Lichtringe (Placido-Scheibe) oder eines Scheimpflug-Schnittes ein farbiges Höhenrelief der Hornhautoberfläche erstellt. Damit lassen sich regulärer und irregulärer Astigmatismus, früher Keratokonus, postoperative Veränderungen und versteckte Asymmetrien zuverlässig erkennen. Vor jeder Laser­operation und vor der Implantation einer torischen Kunstlinse ist die Hornhaut­topographie obligatorisch – sie deckt verborgene Hornhaut­schwächen auf, die einen Eingriff verbieten würden. Bei Verdacht auf Keratokonus wird die Topographie regelmäßig wiederholt und bei nachgewiesener Progression eine Cornea-Cross-Linking-Behandlung mit Riboflavin und UV-A-Licht zur Stabilisierung der Hornhaut durchgeführt.

Presbyopie – die Alterssichtigkeit

Die Presbyopie oder Alters­sichtigkeit ist kein Refraktionsfehler im klassischen Sinne, sondern eine physiologische Erscheinung: mit zunehmendem Alter verliert die Augenlinse an Elastizität und kann sich nicht mehr ausreichend wölben, um in der Nähe scharfzustellen. Während eine zwanzig­jährige Linse bequem zehn bis zwölf Dioptrien Akkommodations­reserve aufbringt, sind es mit vierzig nur noch rund vier bis fünf, mit sechzig nahezu keine. Die Presbyopie beginnt typischerweise jenseits des vierzigsten Lebensjahres mit dem Bedürfnis, die Zeitung beim Lesen weiter weg zu halten, mit Schwierigkeiten in dunkler Umgebung (im Restaurant die Speisekarte zu entziffern), mit Augenbrennen und Kopfschmerz am Abend nach langer Bildschirm­arbeit. Die Korrektur erfolgt klassisch durch eine Lesebrille, bei Bedarf durch Bifokal- oder elegantere Gleitsicht­gläser, alternativ durch Multifokal­kontakt­linsen, refraktive Laserverfahren mit Mikromonovision oder durch eine refraktive Linsenchirurgie mit multifokalen Kunstlinsen. Jede dieser Optionen hat Vor- und Nachteile, die individuell in einer ausführlichen Beratung mit dem Augenarzt und dem Optiker besprochen werden sollten.

Anisometropie und Aniseikonie

Wenn beide Augen unterschiedliche Brech­werte aufweisen, spricht man von Anisometropie. Geringe Seitenunterschiede sind die Regel und vom Gehirn problemlos zu fusionieren; sobald jedoch die Differenz mehr als rund zwei Dioptrien beträgt, beginnen die Augen, unterschiedlich große Netzhautbilder zu liefern – man nennt das Aniseikonie. Das Gehirn hat zunehmend Mühe, die beiden Bilder zu einem stereoskopischen Eindruck zu fusionieren, es kommt zu Kopfschmerz, Schwindel, Doppelbild­ähnlichen Empfindungen, eingeschränkter Tiefenwahrnehmung und bei Kindern wiederum zur Gefahr einer Amblyopie. Korrektur­möglichkeiten sind asymmetrische Brillengläser mit ausgleichendem Index, vor allem aber Kontaktlinsen, die nahe am Auge sitzen und kaum eine Bildgrößen­differenz erzeugen. In ausgeprägten Fällen, etwa nach einseitiger Katarakt­operation mit fehlender Möglichkeit zur Implantation einer Kunstlinse, kann eine sekundäre Linsen­implantation oder ein refraktiver Eingriff angezeigt sein.

Amblyopie – die Schwachsichtigkeit

Die Amblyopie (Schwach­sichtigkeit) ist eine Sehminderung, die nicht durch eine organische Schädigung von Auge oder Sehbahn erklärbar ist, sondern Folge einer mangelhaften Sehent­wicklung in der frühen Kindheit. Die kritische Phase der Seh­reifung erstreckt sich vom ersten Lebensjahr bis etwa zum siebten oder achten Lebensjahr. In dieser Zeit lernt das kindliche Gehirn, klare Bilder aus beiden Augen miteinander zu verschmelzen. Bekommt eines der Augen aus irgendeinem Grund einen dauerhaft unschärferen oder verschobenen Reiz – etwa wegen einer hochgradigen einseitigen Hyperopie, einer Anisometropie, eines angeborenen Katarakts, einer Ptosis, die das Sehen verdeckt, oder eines Schielens, das ein Doppelbild verursacht – unterdrückt das Gehirn das schlechtere Bild aktiv. Das Auge selbst ist anatomisch in Ordnung, aber die zentrale Verarbeitung lernt nie, dieses Auge richtig zu benutzen. Nach Abschluss der kritischen Phase ist die Schwachsichtigkeit nur noch in begrenztem Umfang reversibel; deshalb sind frühzeitige Erkennung im Rahmen der Kinder­vorsorge (U-Untersuchungen) und ein orthoptischer Sehtest unverzichtbar.

Therapeutisch steht die Okklusions­therapie im Vordergrund: das gesunde, sehende Auge wird mit einem Augenpflaster (Pflasterokklusion) oder mit penalisierenden Augentropfen (Atropin) stunden­weise oder ganztags abgedeckt, sodass das Kind gezwungen ist, mit dem schwächeren Auge zu sehen und dessen Sehleistung zu trainieren. Die Behandlung ist über Monate, manchmal Jahre konsequent durchzuführen und bedarf hoher Mitarbeit der Eltern und des Kindes. Gleichzeitig wird die zugrundeliegende Ursache – Refraktionsfehler durch Brille, Schielen durch Sehschule und ggf. Schiel­operation, Katarakt durch frühe Operation, Ptosis durch chirurgische Korrektur – behoben. Je früher die Therapie beginnt, desto besser sind die Erfolgs­aussichten. Eltern, die bei ihrem Kind ein ständig schielendes Auge, ein zugekniffenes Auge beim Erkennen oder ein deutliches Vorlehnen beim Lesen bemerken, sollten zeitnah einen orthoptisch ausgebildeten Augen­arzt aufsuchen – nicht erst nach Einschulung.

Brillenkorrektur – Einstärken, Bifokal, Gleitsicht

Die Brille ist nach wie vor die häufigste und bei weitem unkomplizierteste Form der Refraktions­korrektur. Sie ist nicht invasiv, jederzeit anpassbar, in der Stärke veränderbar und auch bei trockenem Auge oder anderen Kontraindikationen für Kontaktlinsen oder Operationen problemlos einsetzbar. Eine Einstärken­brille korrigiert genau eine Entfernung – meist die Ferne, bei Bedarf auch die Lese­distanz. Mit Beginn der Presbyopie reichen Einstärken­gläser nicht mehr aus; hier kommen Bifokal­gläser (mit einem deutlich sichtbaren Lese­teil im unteren Bereich des Glases) oder die heute meist bevorzugten Gleitsicht­gläser (mit kontinuierlich progressiver Stärken­zunahme von oben nach unten) zum Einsatz. Gleitsicht­gläser bieten ein zonen­reiches Sehen für Ferne, Zwischen­distanz und Nähe; sie verlangen eine kurze Eingewöhnungs­phase und eine sorgfältige Anpassung durch einen geschulten Augen­optiker. Moderne Gleitsicht­gläser sind mit verbreiterten Sehzonen, individualisierten Designs und freiform­gefräster Innenfläche erhältlich, die das früher bekannte „Schwimmen“ an den Glasrändern weitgehend eliminieren. Ergänzend gibt es Bildschirm- oder Arbeitsplatz­brillen mit erweitertem Zwischen­distanz­bereich für Office-Tätigkeiten.

Kontaktlinsen – weich, hart, multifokal

Eine Alternative zur Brille sind Kontaktlinsen. Sie bieten ein randloses, natürlich großes Bild ohne Verzerrungen am Rand, sind beim Sport ungestört, beschlagen nicht beim Wechsel zwischen warm und kalt und passen bei vielen Tätigkeiten besser zum Lifestyle. Man unterscheidet weiche Kontaktlinsen aus Hydrogel oder Silikon-Hydrogel mit hoher Tragetoleranz von Anfang an und formstabile (harte) Kontaktlinsen, die individuelle Geometrien ermöglichen, besser sauerstoff­durch­lässig sind und auch bei irregulärem Astigmatismus oder Keratokonus noch ein scharfes Bild liefern können. Weiche Linsen gibt es als Tages-, Wochen-, Monats- und seltene Jahreslinsen; je kürzer der Wechselrhythmus, desto geringer das Risiko für Ablagerungen und Infektionen. Für Presbyope sind multifokale Kontaktlinsen mit konzentrischen oder asphärischen Zonen erhältlich, alternativ Monovision mit Ferne auf dem dominanten und Nähe auf dem nicht­dominanten Auge.

Kontaktlinsen verlangen Disziplin: sorgfältige Hygiene, Verzicht auf das Schlafen mit Linsen (mit Ausnahme der explizit dafür zugelassenen verlängerten Tragelinsen und der Ortho-K-Linsen), regelmäßiger Wechsel der Linsen und der Aufbewahrungs­behälter, niemals Spülen mit Leitungs­wasser (Risiko einer Acanthamöben­keratitis) und Verzicht auf Linsen bei akuter Bindehaut­entzündung. Bei trockenem Auge sind tagsüber benetzende Tropfen, abends eine konsequente Lidhygiene und idealer­weise konservierungs­mittelfreie Pflege­produkte sinnvoll. In der Schwanen-Apotheke beraten wir Sie zu Pflegelösungen, Benetzungs­tropfen, Linsen­hygiene und alternativen Aufbewahrungs­systemen (Peroxid versus Kombi­lösung) und vermitteln bei unklaren Beschwerden den Kontakt zum Augen­arzt.

Refraktive Chirurgie – LASIK, Femto-LASIK, SMILE, PRK

Wer auf Brille und Kontaktlinsen verzichten möchte, kann ab dem Alter von etwa zwanzig Jahren bei stabiler Refraktion und gesundem Auge einen refraktiv­chirurgischen Eingriff in Erwägung ziehen. Die Verfahren laser-basierter Hornhaut­chirurgie haben in den letzten zwei Jahrzehnten eine enorme Entwicklung genommen. Bei der klassischen LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis) wird mit einem mechanischen Mikrokeratom oder mit dem Femtosekunden­laser ein dünner Hornhaut­deckel (Flap) angehoben und das darunter­liegende Hornhaut­gewebe (Stroma) mit dem Excimerlaser nach einem berechneten Ablations­profil abgetragen. Der Flap wird zurückgeklappt und saugt sich wieder fest. Bei der Femto-LASIK wird auch der Flap-Schnitt mit dem Femtosekunden­laser erstellt – das gilt heute als der präzisere Standard, weil die Flap-Dicke besser kontrollierbar ist.

Beim SMILE-Verfahren (Small-Incision Lenticule Extraction) entfällt der Flap; stattdessen schneidet der Femtosekunden­laser im Inneren der Hornhaut ein linsenförmiges Gewebestück (Lentikel) aus, das durch eine nur wenige Millimeter breite, randständige Inzision entnommen wird. Die Vorteile: kleinere Schnitt­fläche, weniger Beeinträchtigung der Hornhaut­biomechanik, weniger postoperatives trockenes Auge. Der Eingriff eignet sich besonders gut für Kurzsichtige bis etwa −10 Dioptrien. Die PRK (Photorefraktive Keratektomie) ist das älteste laser­chirurgische Verfahren und kommt heute vor allem bei sehr dünner Hornhaut, bei oberflächlichen Narben oder bei Patient:innen mit besonderem mechanischen Risiko (z. B. Kampfsport, Polizei, Militär) zum Einsatz. Hier wird das oberflächliche Epithel der Hornhaut entfernt, dann wird der Excimerlaser direkt auf das Stroma angewendet; das Epithel wächst innerhalb weniger Tage nach. Die ersten drei bis fünf Tage nach PRK sind unangenehm, das Endergebnis ist jedoch ebenso gut wie nach LASIK.

Alle laser­chirurgischen Verfahren setzen eine sorgfältige Voruntersuchung voraus: vollständige Refraktion mit und ohne Cycloplegie, Hornhaut­topographie und Pachymetrie (Dickenmessung) zur sicheren Ausschluss eines beginnenden Keratokonus, Pupillometrie im Dunkeln, Augen­hintergrund­untersuchung mit weiter Pupille, Augen­druck­messung und Beurteilung des Tränenfilms. Kontraindikationen sind unter anderem eine instabile Refraktion (jährliche Änderung mehr als 0,5 Dioptrien), ein nachgewiesener Keratokonus, zu dünne Hornhaut, ausgeprägtes trockenes Auge, Schwangerschaft und Stillzeit, Auto­immun­erkrankungen mit Kollagen­beteiligung. Mit moderner Technik liegt die Erfolgs­rate für eine Korrektur auf ±0,5 Dioptrien bei über 95 Prozent. Häufige, aber meist vorübergehende Nebenwirkungen sind trockenes Auge, Halos und Blendungs­empfindlichkeit in der Nacht; ernsthafte Komplikationen wie infektiöse Keratitis oder iatrogene Ektasie sind selten.

Refraktive Linsenchirurgie – RLA und IOL

Bei höheren Brechfehlern, bei Patient:innen jenseits der Lebensmitte, bei beginnender Presbyopie oder bei Hornhaut­befunden, die eine Laserkorrektur verbieten, kann eine refraktive Linsen­chirurgie (RLA, Refractive Lens Exchange) die elegantere Lösung sein. Technisch entspricht der Eingriff einer modernen Katarakt­operation: die natürliche, klare Linse wird durch einen winzigen Schnitt am Rand der Hornhaut entfernt (Phakoemulsifikation mit Ultraschall) und durch eine maßgefertigte Kunstlinse, eine Intraokular­linse (IOL), ersetzt. Die IOL wird im Vorfeld biometrisch nach Achsenlänge, Hornhaut­radien und Vorderkammer­tiefe berechnet und entweder als Monofokal­linse (eine Fixdistanz, meist die Ferne, restliche Distanzen über Brille), als torische Linse (mit eingebauter Astigmatismus­korrektur), als multifokale IOL (mit mehreren Brennpunkten für Ferne und Nähe) oder als EDOF-Linse (Extended Depth of Focus, mit erweiterter Schärfentiefe) eingesetzt. Mit der richtigen Linsen­wahl kann eine weitgehende Brillen­unabhängigkeit erreicht werden.

Bei jüngeren Patient:innen mit sehr hoher Myopie oder Hyperopie und noch funktionsfähiger natürlicher Linse besteht die Möglichkeit einer phaken IOL: hier wird die eigene Linse belassen, eine zusätzliche Kunstlinse (z. B. eine ICL, Implantable Collamer Lens) wird vor oder hinter der Iris implantiert. Vorteil: die Akkommodation bleibt erhalten, das Verfahren ist umkehrbar. Voraussetzung sind eine ausreichende Vorderkammertiefe und ein gesundes Hornhaut­endothel. Alle linsen­chirurgischen Eingriffe sind ausgereifte ambulante Operationen, die in Lokal­anästhesie mit Augentropfen, gelegentlich in milder Sedierung durchgeführt werden; die Sehschärfe bessert sich meist binnen weniger Tage. Die ausführliche Aufklärung über die jeweils geeignete Linsenoption ist Aufgabe des Augenarztes und sollte mit ehrlicher Erwartungs­steuerung erfolgen – eine multifokale Linse liefert Brillen­unabhängigkeit, aber auf Kosten geringer Halos in der Nacht und einer leichten Kontrast­reduktion.

Diagnostik – Visusprüfung, Refraktion, Skiaskopie, Autorefraktometer

Am Anfang jeder Refraktions­bestimmung steht die Visusprüfung: die Sehschärfe wird mit standardisierten Sehtafeln (Snellen-Tafel, ETDRS-Tafel, Landolt-Ringe) in einer definierten Prüfentfernung von vier oder fünf Metern an einer Tafel ohne Korrektur und mit Korrektur abgelesen. Der ermittelte Wert wird üblicherweise als Dezimalvisus (1,0 entspricht voller Sehschärfe) oder als Snellen-Bruch angegeben. Anschließend folgt die objektive Refraktion, bei der ohne Mithilfe des Patienten der Brechfehler bestimmt wird – klassischerweise mit der Skiaskopie (Streifenskiaskopie, Strichskiaskopie), bei der der Untersucher mit einem Spiegel ein Lichtbündel über die Pupille bewegt und aus der Bewegung des Pupillen­reflexes auf den Refraktionsfehler schließt; heute parallel oder ersetzt durch das Autorefraktometer, das automatisch durch infrarote Lichtmessung den Refraktionsfehler in wenigen Sekunden berechnet. Bei Kindern und stark Hyperopen wird die Refraktion zusätzlich in Cycloplegie mit Tropicamid, Cyclopentolat oder Atropin durchgeführt, um die Akkommodation auszuschalten und den vollen Brechfehler aufzudecken.

An die objektive Refraktion schließt sich die subjektive Refraktion an, bei der der Patient mit verschiedenen Korrektur­gläsern den Visus selbst bewertet und der Untersucher die Werte schrittweise verfeinert. Das ist die eigentliche „Brillen­bestimmung“ und braucht Geduld und Erfahrung. Ergänzend werden je nach Fragestellung durchgeführt: Hornhaut­topographie (vor refraktiver Chirurgie und bei Verdacht auf Keratokonus), Pupillometrie, Stereotest, Mess­methoden der Akkommodations­breite, Cover-Test zur Aufdeckung verdeckter Schielfehler, optische Biometrie (zur IOL-Berechnung), Aberrometrie (zur Erfassung der Wellenfront­abweichungen höherer Ordnung). Eine vollständige Refraktion ist also weit mehr als ein paar Gläser vor das Auge halten und nach „besser oder schlechter“ fragen – sie ist ein präzises diagnostisches Verfahren, das die Grundlage jeder optischen Korrektur und jeder Operation legt.

Wir beraten Sie

In der Schwanen-Apotheke mitten in 47051 Duisburg sind Refraktions­fehler ein häufiger Anlass für Fragen rund um Sehhilfen, Augen­gesundheit und Operations­möglichkeiten. Wir helfen Ihnen bei der Auswahl benetzender Augentropfen für Brillenträger:innen mit trockenem Auge und für Kontaktlinsen­träger:innen, beraten zu konservierungs­mittel­freien Tränen­ersatz­tropfen in Einzel­dosen, zu Lidpflege­tüchern und Wärmemasken bei Sicca-Symptomatik. Für Eltern, deren Kinder eine Atropin-Tropfen-Therapie zur Myopie-Kontrolle erhalten, fertigen wir die niedrig dosierten Augentropfen (0,01%, 0,025%, 0,05%) als individuelle Rezeptur in unserem hauseigenen Labor an – selbstverständlich in konservierungs­mittel­freier Einzel­dosen­form mit kurzer Verwendungsdauer. Wir besorgen Ihnen Pflegelösungen für weiche und harte Kontaktlinsen (Peroxid­systeme, Kombilösungen), Saug­helfer und Pinzetten, Linsen­behälter und Reise­sets. Bei akuter Sehverschlechterung, Doppelbild, plötzlichem Blitzen oder „Russ­regen“ im Gesichts­feld – alles mögliche Hinweise auf eine Netzhaut­abhebung, einen Verschluss oder eine Glaskörper­blutung – verweisen wir Sie unverzüglich an die augenärztliche Notfall­ambulanz; hier zählt jede Stunde. Im Rahmen unseres Medikations­managements prüfen wir auch Ihre laufenden Augentropfen auf Sinnhaftigkeit, Konservierungs­mittel und Wechsel­wirkungen mit Ihren anderen Medikamenten. Wir freuen uns über Ihren Besuch – rufen Sie an, schauen Sie vorbei oder schreiben Sie uns über das Kontakt­formular.

Ihr Team der Schwanen-Apotheke Duisburg Quellen: Deutsche Ophthalmologische Gesellschaft (DOG), Berufsverband der Augenärzte Deutschlands e. V. (BVA), Leitlinien der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), insbesondere die S1-Leitlinie „Refraktionsfehler“. Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei plötzlicher Sehverschlechterung, neu aufgetretenen Doppelbildern, Lichtblitzen, schwarzem Russregen oder anderen akuten Symptomen wenden Sie sich unverzüglich an Ihre Augenärztin, Ihren Augenarzt oder eine augenärztliche Notfallambulanz.