Magen und Darm

Erkrankungen von Bauchgefäßen, Bauchfell und Bauchwand

Wenn vom „Bauch“ die Rede ist, denken die meisten Menschen zuerst an Magen und Darm. Tatsächlich ist der Bauchraum aber ein viel komplexeres Gefüge: er wird von der Bauchwand begrenzt, von einer hauchdünnen, zweischichtigen Haut — dem Bauchfell (Peritoneum) — ausgekleidet, und durchzogen von einem dichten Netz aus Gefäßen, an dessen Spitze die Bauchaorta (Aorta abdominalis), der Truncus coeliacus, die Arteria mesenterica superior und inferior sowie die Pfortader (Vena portae) stehen. Diese Strukturen sind im Alltag stumm, können aber im Erkrankungsfall mit einer Heftigkeit zuschlagen, die einen Menschen binnen Stunden in akute Lebensgefahr bringt. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die wichtigsten Erkrankungen rund um Bauchgefäße, Peritoneum und Bauchwand vor. Wir erklären, woran man einen „akuten Bauch“ erkennt, welche Untersuchungen die Notaufnahme einleitet und welche Therapien zur Verfügung stehen — chirurgisch wie interventionell.

Bauchaortenaneurysma (BAA) — die tickende Aussackung

Die Bauchaorta ist mit einem normalen Durchmesser von etwa 2 cm das größte Gefäß des menschlichen Bauchraumes. Sie führt sauerstoffreiches Blut vom Zwerchfell bis zur Aufzweigung in die beiden Beckenarterien und versorgt über zahlreiche Seiten­äste Magen, Darm, Leber, Nieren und Bauchspeicheldrüse. Ein Bauchaortenaneurysma, kurz BAA, ist eine krankhafte Erweiterung dieses Gefäßabschnitts auf mehr als 3 cm Durchmesser. Ursache ist in der Regel eine fortgeschrittene Arteriosklerose, gefördert durch Rauchen, Bluthochdruck, hohes Cholesterin und genetische Bindegewebs­schwächen. Seltener stehen entzündliche Vorgänge oder die Folgen einer infektionösen Aortitis dahinter. Männer sind sechsmal häufiger betroffen als Frauen; ab dem 65. Lebensjahr steigt das Risiko deutlich an. Die Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG) empfiehlt deshalb für Männer ab 65 Jahren eine einmalige Ultraschall­vorsorge, die seit einigen Jahren auch von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet wird.

Tückisch ist, dass das BAA in 75 Prozent der Fälle vollständig asymptomatisch bleibt — es wächst stumm, oft über Jahre, ohne dass der Betroffene etwas davon merkt. Manche Patient:innen spüren ein dumpfes Pulsieren in der Bauch­mitte, einen Dauerschmerz im Rücken oder Druck im Mittel­bauch. Die wahre Tragweite zeigt sich erst, wenn das Aneurysma rupturiert: ein plötzlicher, vernichtender Bauch- und Rückenschmerz, Sturz in den Schock mit blasser Haut, kaltem Schweiß, schnellem Puls und niedrigem Blutdruck. Die innere Blutung kann binnen Minuten tödlich verlaufen; selbst bei rascher Operation überleben weniger als die Hälfte der Patient:innen mit rupturiertem BAA. Genau deshalb ist die Vorsorge so wichtig: ein BAA, das in der Ultraschall­reihen­untersuchung entdeckt wird, ist eine gut behandelbare Diagnose; ein rupturiertes BAA dagegen ein Wettlauf gegen die Uhr.

Therapeutisch entscheidet der Durchmesser. Bei weniger als 5,0 cm bei Frauen bzw. 5,5 cm bei Männern wird in der Regel zugewartet und engmaschig kontrolliert (Ultraschall alle 6 bis 12 Monate), parallel werden die kardiovaskulären Risikofaktoren konsequent behandelt: Statin, ASS 100 mg, optimal eingestellter Blutdruck, absoluter Nikotinverzicht. Ab den genannten Grenzwerten — oder bei rasch wachsendem Aneurysma mit mehr als 5 mm Zuwachs pro halbes Jahr — ist die elektive Ausschaltung indiziert. Sie erfolgt heute in den meisten Fällen endovaskulär (EVAR): über einen Zugang in der Leistenarterie wird eine kombinierte Stent-Gefäßprothese in das Aneurysma eingebracht und entfaltet, so dass das Blut nicht mehr gegen die geschwächte Wand strömt. Das Verfahren ist deutlich schonender als die offene Bauch­operation, erfordert aber lebenslange bildgebende Kontrollen. Bei ungünstiger Anatomie oder bei jungen, fitten Patient:innen kommt weiterhin der offene Aortenersatz mit Y-Prothese zum Einsatz.

Aortendissektion und akuter Aortenverschluss

Eine Aortendissektion ist eine andere, ebenfalls hochdramatische Komplikation der Hauptschlagader: hier reißt die innerste Schicht der Gefäßwand ein, Blut dringt zwischen die Wandschichten und schält sie auf einer langen Strecke auseinander. Auch wenn die Bauchaorta sekundär in eine Dissektion einbezogen wird, beginnt der Prozess fast immer im Brustabschnitt. Klassisch ist der vernichtende, in den Rücken oder zwischen die Schulterblätter ausstrahlende, „reissende“ Schmerz, oft begleitet von Pulsdifferenz zwischen beiden Armen, neuen Geringfunktionen einzelner Organe und Schockzeichen. Die akute Stanford-A-Dissektion (mit Beteiligung der aufsteigenden Aorta) ist eine herzchirurgische Notfall­indikation, die Typ B ohne Beteiligung der Aorta ascendens wird heute häufig zunächst konservativ mit aggressiver Blutdruck­senkung geführt, ggf. ergänzt um die endovaskuläre Implantation eines beschichteten Stentgrafts.

Der akute Aortenverschluss (Leriche-Syndrom in der chronischen Variante) ist die thrombotische oder embolische Verlegung der Aorta auf Höhe ihrer Aufzweigung in die Beckenarterien. Plotzlich kalte, blasse, schmerzhafte Beine, fehlende Leistenpulse, beginnende Sensibilitäts- und Motorik­störungen — das Krankheitsbild ist klinisch unverkennbar. Die Diagnostik erfolgt mittels CT-Angiographie, die Therapie ist eine notfällige Embolektomie oder Thrombektomie über die Leiste, in vielen Fällen kombiniert mit thrombolytischer Behandlung.

Akute Mesenterialischämie — der Mesenterialinfarkt

Der Darm wird über drei große Stammgefäße versorgt: den Truncus coeliacus, die Arteria mesenterica superior (AMS) und die Arteria mesenterica inferior (AMI). Eine plötzliche Verlegung eines dieser Gefäße — meist der AMS — durch einen embolisch eingeschwemmten Thrombus (typischerweise aus dem linken Vorhof bei Vorhof­flimmern) oder durch eine lokale Thrombose bei vorbestehender Arteriosklerose führt zum akuten Mesenterialinfarkt. Charakteristisch ist ein zweiphasiger Verlauf: zunächst plötzlich auftretende, vernichtende, kolikartige Bauchschmerzen ohne wesentlichen Druckschmerz (die berühmte Schmerz-Befund-Diskrepanz: der Patient leidet sichtbar, der Bauch ist aber bei der Untersuchung weich), gefolgt von einer scheinbaren Besserung über wenige Stunden — dem „faulen Frieden“ —, wenn die Schmerz­rezeptoren der absterbenden Darmwand ihre Funktion einstellen. Erst danach kommt es zum durchwandern­den Bild: starke Druckschmerzen, Abwehrspannung, Schock, septisches Krankheitsbild. Wer in dieser Phase erst zum Arzt geht, verliert in 60 bis 90 Prozent der Fälle den Kampf.

Diagnostisch ist die CT-Angiographie mit arterieller und venöser Phase die Methode der Wahl — sie kann den Gefäßverschluss direkt darstellen und die Vitalität der Darmwand abschätzen (verdickte Wand, freie Luft, Pneumatosis intestinalis, freie Flüssigkeit). Im Labor fällt vor allem ein massiv erhöhter Laktatwert auf, daneben oft erhöhte D-Dimere und eine metabolische Azidose. Die Therapie muss innerhalb weniger Stunden erfolgen: in geeigneten Fällen interventionell durch Aspirations­thrombektomie und Stent in der AMS, in fortgeschrittenen Fällen offen chirurgisch mit Embolektomie, ggf. Bypass und ausgedehnter Darmresektion. Wer einen kurzen Darm überlebt, ist anschließend oft lebenslang auf parenterale Ernährung angewiesen.

Die chronische Mesenterialischämie verläuft schleichend: typisch sind krampfartige Bauchschmerzen 15 bis 30 Minuten nach jeder Mahlzeit — die sogenannte Angina abdominalis — sowie unerklärter Gewichtsverlust, weil die Betroffenen aus Angst vor dem Essen nicht mehr richtig essen. Hier hilft eine elektive Stentimplantation oder ein gefäßchirurgischer Bypass.

Pfortaderthrombose

Die Pfortader (Vena portae) sammelt das venose Blut aus Magen, Dünndarm, Dickdarm, Milz und Pankreas und führt es in die Leber, wo es dort metabolisiert und entgiftet wird. Eine Pfortaderthrombose ist die teilweise oder vollständige Verlegung dieses Gefäßes durch ein Blutgerinnsel. Ursachen sind Leberzirrhose mit verlangsamtem Pfortaderfluss (mit Abstand häufigster Auslöser), entzündliche Prozesse im Bauchraum (Pankreatitis, Appendizitis, Cholezystitis), Tumorerkrankungen (insbesondere hepatozelluläres Karzinom mit Tumorthrombus), angeborene Thrombophilien (Faktor-V-Leiden, Antiphospholipid­syndrom, JAK2-Mutation bei myeloproliferativen Erkrankungen) und postoperative Zustände nach Splenektomie. Akut zeigen sich oft unspezifische Bauchschmerzen, mitunter Fieber und ein Aufflackern eines Aszites. Chronisch führt die Pfortaderthrombose zur portalen Hypertension mit den bekannten Komplikationen: Ösophagusvarizen, Aszites, Splenomegalie und Hypersplenismus.

Diagnostiziert wird die Pfortaderthrombose mit der farbcodierten Duplex­sonographie oder mit CT/MR-Angiographie. Die Therapie hängt vom Stadium ab: bei frischer, akuter Thrombose ohne Zirrhose ist die Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin und anschließend mit Vitamin-K-Antagonisten oder einem DOAK das Mittel der Wahl, bei sympto­matischer portaler Hypertension kann ein transjugulärer intrahepatischer portosystemischer Stentshunt (TIPS) angelegt werden, in seltenen Fällen ist eine lokale Lyse oder mechanische Rekanalisation indiziert.

Peritonitis — die Bauchfellentzündung

Das Peritoneum (Bauchfell) ist eine zweischichtige seroese Hülle, die mit etwa 2 Quadratmetern Fläche die Bauch­wand von innen (parietales Blatt) und die Bauchorgane von außen (viszerales Blatt) überzieht. Es produziert eine geringe Menge schmierender Flüssigkeit, ermöglicht das reibungsarme Gleiten von Dünndarm, Dickdarm und Magen gegeneinander und besitzt eine enorme Resorptions- und Immun­funktion. Wird es entzündet, spricht man von einer Peritonitis — einer der gefährlichsten Diagnosen, die ein Arzt am Krankenbett überhaupt stellen kann.

Man unterscheidet zwei grundsätzliche Formen. Die sekundäre Peritonitis ist mit Abstand häufiger und entsteht durch das Übertreten von Bakterien oder Darminhalt in die freie Bauchhöhle — meist nach einer Perforation eines Hohlorgans. Typische Auslöser sind die perforierte Appendizitis, das perforierte Magen- oder Duodenalulkus, die perforierte Sigmadivertikulitis, ischamische Darmwand­nekrosen, postoperative Anastomoseninsuffizienzen oder Verletzungen durch stumpfes oder spitzes Bauchtrauma. Klinisch entsteht das Vollbild des akuten Bauches: ein Patient, der reglos auf dem Rücken liegt, kein Bewegen erlaubt, mit brettharter Abwehrspannung, fehlenden Darmgeräuschen (Totenstille am Stethoskop), Fieber, Tachykardie und Schockzeichen.

Die primäre Peritonitis hingegen entsteht ohne über­tretenden Darminhalt — meist als spontan-bakterielle Peritonitis (SBP) bei Patient:innen mit Leberzirrhose und Aszites. Hier wandern Bakterien aus dem Darmlumen durch die intakte Darmwand in die aszitische Flüssigkeit ein und lösen dort eine Infektion aus. Die Symptome sind oft viel milder als bei der sekundären Peritonitis: leichter Bauchschmerz, Fieber, manchmal lediglich eine Verschlechterung der Enzephalopathie. Die Diagnose erfolgt durch diagnostische Aszitespunktion mit Bestimmung der polymorphkernigen Granulozyten — mehr als 250 PMN pro µl Aszites beweisen die SBP. Therapiert wird umgehend mit Cephalosporinen der dritten Generation und Albumin­substitution; eine antibiotische Sekundärprophylaxe ist nach durchgemachter SBP indiziert.

Aszites — die Bauchwasseransammlung

Als Aszites bezeichnet man die pathologische Ansammlung freier Flüssigkeit in der Bauch­höhle. Die mit Abstand häufigste Ursache ist die fortgeschrittene Leberzirrhose mit portaler Hypertension; weitere Ursachen sind Herz­insuffizienz, Hypalbuminämie (z.B. bei nephrotischem Syndrom), Tumorabsiedlungen am Peritoneum (Peritoneal­karzinose), Pankreatitis, Tuberkulose und sehr selten ein chyloser Aszites bei verletztem oder verlegtem Ductus thoracicus. Klinisch zeigt sich eine Zunahme des Bauchumfangs, eine vorgewölbte Flanke im Stehen, eine palpierbare Flüssigkeitswelle und ein dumpfer Klopfschall in den abhängigen Bauchpartien. Sonographisch lassen sich schon wenige hundert Milliliter freier Flüssigkeit zuverlässig nachweisen.

Die Therapie richtet sich nach der Ursache. Beim zirrhotischen Aszites stehen Natriumrestriktion auf 5 Gramm Kochsalz am Tag, Spironolacton und Furosemid in stufenweiser Dosissteigerung sowie eine vorsichtige Eiweiß-Substitution im Vordergrund. Bei refraktärem Aszites kommt die wiederholte großvolumige Parazentese mit Albuminersatz zum Einsatz, in geeigneten Fällen die TIPS-Anlage. Eine Lebertransplantation ist die einzige kausale Therapie bei dekompensierter Zirrhose. Wichtig: Jeder neu aufgetretene Aszites gehört einer fachgerechten Abklärung zugeführt — nie ist eine Bauchwasseransammlung „einfach Wasser, das wieder weggeht“.

Bauchwandhernien — eine Übersicht

Eine Hernie (auch Bruch genannt) bezeichnet das Hervortreten von Eingeweiden oder Bauchfell durch eine pathologische Lücke der Bauchwand — die Bruchpforte. Sie ist eine der häufigsten chirurgischen Erkrankungen überhaupt: Schätzungen zufolge entwickelt jeder vierte Mann im Lauf seines Lebens eine Leistenhernie. Die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) und die Deutsche Hernien­gesellschaft (DHG) haben mehrere S2k-Leitlinien zur Behandlung der einzelnen Hernienformen vorgelegt.

Die wichtigsten Formen sind:

  • Leistenhernie (Hernia inguinalis) — mit Abstand am häufigsten, bei Männern in etwa 90 Prozent der Fälle. Unterschieden werden indirekte (lateral der epigastrischen Gefäße durch den Leistenkanal) und direkte (medial durch die geschwächte Hinterwand) Leistenbrüche. Typisch ist eine bei Belastung sicht- und tastbare Vorwölbung in der Leiste, oft begleitet von Zug- oder Brenngefühl.
  • Schenkelhernie (Hernia femoralis) — deutlich seltener, vor allem bei älteren Frauen. Sie liegt unterhalb des Leistenbandes, ist klein, schwer tastbar und neigt überdurchschnittlich häufig zur Einklemmung — Indikation zur zügigen Operation.
  • Nabelhernie (Hernia umbilicalis) — entsteht durch den natürlichen Schwachpunkt am Nabel. Bei Säuglingen ist sie häufig und schließt sich spontan; bei Erwachsenen tritt sie meist bei Adipositas, Schwangerschaft oder Aszites auf und sollte operativ versorgt werden.
  • Epigastrische Hernie — eine Lücke in der Linea alba zwischen Nabel und Brustbein. Sie ist meist klein, kann aber dennoch Schmerzen verursachen, wenn präperitoneales Fett eingeklemmt wird.
  • Narbenhernie (Hernia cicatricalis) — entsteht an einer früheren OP-Narbe, weil die Faszie nicht stabil ausgeheilt ist. Risikofaktoren sind Adipositas, Wundinfektion, Steroide, Bauchpresse bei Husten oder schwere körperliche Arbeit früh nach Operationen. Sie ist häufig groß, kosmetisch entstellend und kann den Bauchinhalt teilweise auslagern (sogenannter loss of domain).
  • Innere Hernien (Treitz, Foramen Winslow) sind selten, aber gefürchtet, weil sie präoperativ klinisch kaum sicher diagnostizierbar sind und sich erst durch Ileus oder Inkarzeration zeigen.

Inkarzeration — der eingeklemmte Bruch

Die gefährlichste Komplikation jeder Hernie ist die Inkarzeration, also die Einklemmung von Darmschlingen oder Netz in der Bruchpforte. Klinisch entsteht eine plötzliche, harte, stark schmerzhafte und nicht mehr reponierbare (= nicht zurückdrückbare) Vorwölbung. Wenn sich auch noch die zuführenden Blutgefäße abgeklemmt sind, kommt es zur Strangulation mit Ischämie der eingeklemmten Darmschlinge. Innerhalb weniger Stunden droht eine Darmwandnekrose mit nachfolgender Perforation und Peritonitis. Klinische Warnzeichen sind heftiger Lokalschmerz, Verfarbung der Haut über der Bruchpforte (livide bis schwarz), Fieber, Erbrechen und das Vollbild des Ileus. Jede irreponible, schmerzhafte Hernie ist eine Notfallindikation — sofort in die nächste chirurgische Notaufnahme.

Operativ wird die eingeklemmte Schlinge zurückverlagert, ihre Vitalität beurteilt (rosige Farbe und peristaltische Aktivität als Zeichen guter Durchblutung) und gegebenenfalls reseziert. Anschließend erfolgt die Versorgung der Bruchpforte. Bei größeren oder rezidivierenden Hernien wird in der Regel ein Kunststoffnetz (Mesh) eingelegt, das die Faszienlücke verstärkt; die Rezidivrate sinkt damit deutlich. Für Leistenhernien sind heute laparoskopische Verfahren wie TAPP (transabdominelle präperitoneale Patchplastik) und TEP (total extraperitoneale Patchplastik) gängiger Standard, neben der klassischen offenen Lichtenstein-Technik. Welches Verfahren das richtige ist, hängt von Alter, Geschlecht, Hernientyp, Voroperationen und Körperbau ab.

Diagnostik beim akuten Bauch

Der akute Bauch — akut einsetzende, heftige Bauchschmerzen mit Schockzeichen, Abwehrspannung, Erbrechen oder ausbleibendem Stuhlgang — ist eine Leitsymptomatik, kein eigenes Krankheitsbild. Ursache können alle in diesem Artikel besprochenen Erkrankungen sein, dazu kommen Appendizitis, Cholezystitis, Pankreatitis, Ileus, gastrointestinale Blutung, Extrauteringravidität und vieles mehr. Die Notaufnahme arbeitet sich strukturiert vor:

Anamnese und körperliche Untersuchung. Wann begann der Schmerz? Wie hat er sich entwickelt? Wo liegt er? Strahlt er aus? Wann war der letzte Stuhlgang, das letzte Wasserlassen? Fieber? Bekannte Vorerkrankungen, Voroperationen, Medikamente? Die Inspektion sucht nach Vorwölbungen, Narben und Hautveränderungen, die Auskultation prüft Darmgeräusche (lebhaft? still? glucksend?), die Perkussion liefert Hinweise auf freie Luft (verlorene Leberdämpfung) oder Flüssigkeit, die Palpation ortet Schmerzpunkte, Resistenzen und Abwehrspannung.

Labor. Pflichtwerte sind Blutbild mit Differenzialblutbild, Entzündungsmarker (CRP, Procalcitonin), Elektrolyte, Nierenwerte, Leberwerte mit GOT, GPT, Bilirubin und gamma-GT, Pankreasenzyme (Lipase!), Gerinnung mit Quick/INR und PTT, Blutgase mit pH und Laktat sowie eine Blutgruppenbestimmung. Erhöhtes Laktat ist ein wichtiger Hinweis auf eine ischämische Darmschädigung; deutlich erhöhte Lipase deutet auf eine akute Pankreatitis; erhöhtes Bilirubin auf einen biliaren Stau.

Bildgebung. Die Abdomen-Sonographie ist nicht-invasiv, jederzeit verfügbar und liefert wertvolle Hinweise auf freie Flüssigkeit, Hydrops der Gallenblase, erweiterte Darmschlingen, Hydronephrose und einen aufgepoppten Bauchaortendurchmesser. Bei unklarer Diagnose oder akutem Bauch mit Verdacht auf Gefäßkomplikation ist die CT-Angiographie des Abdomens mit arterieller und venöser Phase das diagnostische Werkzeug der Wahl: sie zeigt Aneurysmen, Dissektionen, Mesenterialgefäßverschlüsse, freie Luft, Wandverdickungen, Abszesse und vieles mehr binnen Minuten. Die konventionelle Abdomen­übersichts­aufnahme im Stehen kann freie Luft unter dem Zwerchfell und Flüssigkeitsspiegel beim Ileus zeigen, hat aber im Computertomographie­zeitalter an Bedeutung verloren. Bei jungen Patientinnen mit unklarem Unterbauch­schmerz wird zusätzlich ein gynäkologisches Konsil und eine Schwangerschaftsdiagnostik veranlasst.

Therapie — chirurgisch, interventionell, konservativ

Die Therapie der hier besprochenen Krankheitsbilder ist überwiegend chirurgisch oder interventionell und gehört fast immer in die Hand spezialisierter Zentren. Die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) und ihre Tochter­gesellschaft DGAV haben für die meisten dieser Diagnosen detaillierte S2k- und S3-Leitlinien veröffentlicht (zu finden über die AWMF — die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften unter awmf.org). Sie definieren OP-Zeitpunkte, Verfahrensauswahl, perioperative Antibiotika­prophylaxe und das Vorgehen bei Komplikationen.

Vor jeder geplanten Operation wird das individuelle Risiko durch Internist:in und Anästhesist:in beurteilt, gerinnungsaktive Medikamente wie ASS, Clopidogrel, Marcumar oder DOAKs werden je nach Indikation pausiert oder überbrückt (Bridging mit niedermolekularem Heparin). Nach großen bauchchirurgischen Eingriffen ist eine postoperative Thromboseprophylaxe mit niedermolekularem Heparin Standard, ebenso eine konsequente Schmerztherapie und ein frühes Mobilisationsprogramm (Fast-Track-Konzept nach ERAS), das die Erholungszeit deutlich verkürzt.

In der ambulanten Nachsorge spielen wir Apotheker:innen eine wichtige Rolle: wir versorgen Sie mit den verordneten Heparinspritzen und zeigen Ihnen die korrekte Injektionstechnik, überprüfen die Wechselwirkungen Ihrer Wundheilungs­medikamente mit der Dauermedikation, beraten zu Verbandstoffen für die Narbenpflege, geben Tipps zur passenden Bauchbinde nach Hernien-OP und klären auf, ab wann Sie wieder Auto fahren, Sport treiben oder schwer heben dürfen. Bei Bedarf liefern wir auch nach Hause — gerade in den ersten Wochen nach einer abdominellen Operation, wenn der Weg in die Apotheke selbst noch beschwerlich ist.

Wir beraten Sie

Auch wenn die Diagnostik und Therapie der Bauchgefäß-, Bauchfell- und Bauchwand­erkrankungen in Klinik und Facharztpraxis stattfindet — in der Schwanen-Apotheke mitten in 47051 Duisburg sind wir Ihre erste Anlaufstelle, wenn Sie unsicher sind, ob ein Bauchsymptom wirklich harmlos ist. Wir hören Ihnen zu, ordnen Beschwerden ein, messen bei Verdacht auf ein Bauchaortenaneurysma orientierend Blutdruck und Puls, und schicken Sie im Zweifel zügig in den hausarztlichen Notdienst oder die nächste chirurgische Notaufnahme. Im Anschluss an eine operative Versorgung — sei es eine Leistenhernien­operation, ein Aortenstent oder die Nachsorge nach Mesenterialinfarkt — sind wir Ihr Begleiter für alle Fragen rund um die Wundpflege, die Gerinnungs­medikation, die Schmerztherapie und die Ernährung nach Darmresektion. Schauen Sie vorbei, rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Mehr Hintergrundwissen zu Magen, Darm und Bauchorganen finden Sie unter Hintergrundwissen Magen und Darm, eine Übersicht zu allen weiteren Krankheitsbildern unter Krankheiten & Therapie.

Redaktion Schwanen-Apotheke Duisburg, Quellen: Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV), AWMF S2k-Leitlinien, Deutsche Gesellschaft für Chirurgie (DGCH), Deutsche Gesellschaft für Gefäßchirurgie und Gefäßmedizin (DGG), Deutsche Hernien­gesellschaft (DHG) Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Bauchschmerzen mit Abwehrspannung, Schockzeichen oder unstillbarem Schmerz wählen Sie sofort den Notruf 112.