Magen und Darm

Erkrankungen der Speiseröhre

Die Speiseröhre (Ösophagus) ist ein etwa 25 Zentimeter langer, muskulärer Schlauch, der den Rachen mit dem Magen verbindet. Sie liegt im hinteren Mittelfellraum (Mediastinum), passiert das Zwerchfell durch den sogenannten Hiatus oesophageus und mündet in den Magen ein. Anders als viele andere Organe ist sie kein passives Rohr: aktiv-peristaltische Wellen schieben den Bissen innerhalb von etwa acht Sekunden nach unten, während der obere und der untere Ösophagussphinkter als Ventile dafür sorgen, dass weder Luft noch saurer Mageninhalt unkontrolliert in die falsche Richtung wandern. Erkrankungen der Speiseröhre äußern sich häufig durch Schluckbeschwerden (Dysphagie), Sodbrennen, retrosternale Schmerzen, Aufstoßen oder Regurgitation unverdauter Speisen. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die wichtigsten Krankheitsbilder vor — von der alltäglichen Refluxkrankheit bis zum lebensgefährlichen Ruptur-Syndrom — und geben einen Überblick über Diagnostik und Therapie.

Gastroösophageale Refluxkrankheit (GERD) und Refluxoesophagitis

Die gastroösophageale Refluxkrankheit (engl. gastroesophageal reflux disease, kurz GERD) ist die mit Abstand häufigste Erkrankung der Speiseröhre. In den westlichen Industrieländern leiden je nach Definition zwischen 10 und 20 Prozent der erwachsenen Bevölkerung an behandlungsbedürftigem Reflux. Im Kern ist GERD ein mechanisches Problem: der untere Ösophagussphinkter (UOS), normalerweise ein straffer Ringmuskel von 2 bis 4 Zentimeter Länge, öffnet sich häufiger und länger als physiologisch sinnvoll oder weist einen dauerhaft erniedrigten Ruhetonus auf. Die Folge ist ein Rückfluss sauren, manchmal auch galligen Mageninhalts in die ungeschützte Ösophagusschleimhaut. Diese reagiert auf den Kontakt mit Salzsäure (pH < 4) und mit Pepsin mit Entzündung, Ödem und im Verlauf mit Schleimhautdefekten.

Typische Symptome sind Sodbrennen (retrosternales Brennen, meist nach Mahlzeiten und im Liegen), saures Aufstoßen, Regurgitation, retrosternaler Schmerz und das Gefühl, dass die Speise „wieder hochkommt“. Daneben gibt es eine breite Palette extraösophagealer Beschwerden: chronischer Reizhusten, Heiserkeit, ein kloßartiges Gefühl im Hals (Globus), nicht-allergisches Asthma bronchiale, rezidivierende Sinusitiden, Zahnschmelz­erosionen oder ein nicht-kardialer Brustschmerz, der so heftig sein kann, dass die Patient:innen einen Herzinfarkt vermuten. Endoskopisch werden zwei große Formen unterschieden: die nicht-erosive Refluxkrankheit (NERD), bei der die Schleimhaut makroskopisch unauffällig bleibt, und die erosive Refluxoesophagitis (ERD), bei der sichtbare Schleimhautdefekte vorliegen. Etwa zwei Drittel der GERD-Patient:innen gehören in die NERD-Gruppe.

Die Schwere der Refluxoesophagitis wird endoskopisch nach der Los-Angeles-Klassifikation in vier Grade eingeteilt: Grad A — eine oder mehrere Schleimhautläsionen mit einer Länge unter 5 mm; Grad B — mindestens eine Läsion länger als 5 mm, jedoch nicht konfluierend über Schleimhautfalten hinweg; Grad C — konfluierende Läsionen über mehrere Falten, die jedoch weniger als 75 Prozent des Umfangs einnehmen; Grad D — zirkuläre Läsion, die mehr als 75 Prozent des Ösophagusumfangs erfasst. Die Schweregrade C und D erfordern eine intensivere und längere Therapie sowie engmaschige endoskopische Kontrollen. Risikofaktoren für GERD sind Übergewicht (insbesondere viszerale Adipositas), Schwangerschaft, Hiatushernie, Nikotin, Alkohol, fett- und kohlenhydratreiche Spätmahlzeiten sowie bestimmte Medikamente wie Kalziumantagonisten, Nitrate, Theophyllin und einige Anticholinergika.

Barrett-Ösophagus — eine Präkanzerose

Eine besonders ernste Folge der langjährigen Refluxkrankheit ist der Barrett-Ösophagus. Hierbei wandelt sich das normale, mehrschichtige unverhornte Plattenepithel des distalen Ösophagus in eine intestinale Zylinderzellmetaplasie um — die Schleimhaut versucht, sich an die saure Belastung anzupassen, indem sie eine darmähnliche Auskleidung ausbildet. Endoskopisch ist die Barrett-Schleimhaut an ihrer lachsrosa Färbung erkennbar, die scharf gegen die weiß-graue Plattenepithelfarbe abgegrenzt ist. Die histologische Sicherung erfordert den Nachweis spezialisierter Becherzellen in den entnommenen Biopsien.

Die Bedeutung des Barrett-Ösophagus liegt im erhöhten Risiko eines Adenokarzinoms: pro Jahr entwickelt etwa einer von 300 bis 500 Patient:innen mit Barrett-Mukosa einen bösartigen Tumor — insgesamt also ein 30- bis 125-fach erhöhtes Risiko gegenüber der Allgemeinbevölkerung. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) empfiehlt deshalb in ihrer S3-Leitlinie regelmäßige endoskopisch-bioptische Kontrollen, deren Frequenz vom Vorhandensein einer Dysplasie und ihrer Schwere abhängt: bei reiner Metaplasie ohne Dysplasie alle 3 bis 5 Jahre, bei niedriggradiger intraepithelialer Neoplasie jährlich, bei hochgradiger Dysplasie unmittelbar eine endoskopische Resektion. Moderne Verfahren wie die endoskopische Mukosaresektion (EMR), die endoskopische Submukosadissektion (ESD) und die Radiofrequenzablation (RFA) ermöglichen es heute in vielen Fällen, ein frühes Barrett-Karzinom oder eine hochgradige Dysplasie kurativ minimal-invasiv zu behandeln — ohne Ösophagektomie.

Achalasie — wenn der untere Sphinkter nicht mehr öffnet

Die Achalasie ist eine seltene, aber für die Betroffenen sehr belastende Motilitätsstörung der Speiseröhre. Pathophysiologisch liegt eine fortschreitende Degeneration der inhibitorischen Neuronen im Plexus myentericus der Ösophaguswand zugrunde: der untere Ösophagussphinkter erschlafft beim Schluckakt nicht mehr ausreichend, gleichzeitig versiegt die geordnete peristaltische Welle im Ösophaguskorpus. Bissen sammeln sich oberhalb des verschlossenen Sphinkters, der Ösophagus weitet sich über Jahre zu einem megaesophagealen Schlauch auf.

Klinisch typisch sind eine langsam progrediente Dysphagie für feste und flüssige Speisen, Regurgitation unverdauter Mahlzeiten (auch nachts — mit Aspirationsgefahr und nachfolgenden bronchopulmonalen Infekten), Gewichtsverlust und retrosternale Schmerzen. Die Diagnose beruht auf drei Säulen: dem Breischluck (Ro­ntgenkontrastdarstellung mit dem typischen Bild eines Sektglas- oder Vogelschnabel-Phaenomens am gastroesophagealen Übergang), der oberen Endoskopie (zum Ausschluss eines stenosierenden Tumors als Differenzialdiagnose — die sogenannte Pseudo-Achalasie) und vor allem der hochauflösenden Ösophagusmanometrie. Letztere ist heute der Goldstandard und erlaubt die Einteilung in drei Subtypen nach der Chicago-Klassifikation, die unterschiedlich gut auf die einzelnen Therapieformen ansprechen.

Therapeutisch stehen mehrere Verfahren zur Verfügung: die pneumatische Dilatation mit einem stufenweise auf 30, 35 und 40 mm aufdehnbaren Ballon, die laparoskopische Heller-Myotomie (chirurgische Durchtrennung der Sphinkter­muskelfasern, häufig kombiniert mit einer partiellen Fundoplikatio nach Dor oder Toupet zur Refluxprophylaxe) und seit einigen Jahren die perorale endoskopische Myotomie (POEM) — ein elegantes endoskopisches Verfahren, bei dem über einen submukösen Tunnel die Sphinkter­muskulatur durchtrennt wird, ohne dass äußere Schnitte nötig sind. In ausgewählten Fällen (Operationsuntauglichkeit, palliative Situation) kommt die endoskopische Injektion von Botulinumtoxin in den UOS in Betracht, deren Wirkung allerdings nur einige Monate anhält. Medikamentöse Optionen wie Kalziumantagonisten oder Nitrate sind nur als Überbrückung sinnvoll.

Hiatushernie — der Zwerchfellbruch

Bei einer Hiatushernie verlagert sich ein Teil des Magens durch den natürlichen Zwerchfellschlitz, durch den die Speiseröhre den Brustkorb verlässt, nach oben in den Brustraum. Man unterscheidet vier Hauptformen: die axiale Gleithernie (Typ I), bei der die gastroesophageale Junction nach oben gleitet — mit Abstand die häufigste Form und häufig mit GERD assoziiert; die paraesophageale Hernie (Typ II), bei der Magenanteile neben dem ortständigen Ösophagus nach oben treten; die gemischte Hernie (Typ III); und die seltene Form mit weiteren Bauchorganen im Bruchsack (Typ IV). Symptome reichen von Refluxbeschwerden über retrosternalen Druck und Atemnot nach großen Mahlzeiten bis hin zu Herzrhythmusstörungen, wenn das Herz in seiner Lage beeinträchtigt wird.

Eine asymptomatische Gleithernie bedarf keiner spezifischen Therapie — behandelt wird nur die begleitende Refluxkrankheit. Bei symptomatischen paraesophagealen Hernien, drohender Einklemmung von Magenanteilen oder gastraler Volvulus-Gefahr ist die laparoskopische Hiatoplastik mit Naht des erweiterten Zwerchfellschlitzes und Fundoplikatio die Therapie der Wahl.

Zenker-Divertikel

Das Zenker-Divertikel ist ein Pulsionsdivertikel am pharyngo-ösophagealen Übergang, das sich an einer muskelschwachen Stelle — dem Killian-Dreieck oberhalb des oberen Ösophagussphinkters — durch erhöhten intraluminalen Druck nach außen stülpt. Es handelt sich streng genommen um ein Pseudodivertikel, da nicht alle Wandschichten der Speiseröhre beteiligt sind. Typisch sind ältere Patient:innen jenseits des 60. Lebensjahres, die über Regurgitation unverdauter Speisen Stunden nach der Mahlzeit, Mundgeruch, ein gurgelndes Geräusch beim Schlucken und gelegentlich eine sicht- oder tastbare Vorwölbung am Hals klagen. Die Aspirationsgefahr ist erhöht und kann zu rezidivierenden Pneumonien führen.

Diagnostisch führt der Breischluck in seitlicher Projektion zur Diagnose — die endoskopische Untersuchung sollte mit Bedacht erfolgen, da das Endoskop versehentlich in den Divertikelsack gleiten und perforieren kann. Therapeutisch ist die flexible endoskopische oder starre endoskopische Septumdurchtrennung (Divertikulostomie) das heute bevorzugte Verfahren; offen-chirurgisch wird die Divertikulopexie oder -resektion mit Krikopharyngeotomie nur noch in Ausnahmefällen durchgeführt.

Mallory-Weiss-Syndrom

Das Mallory-Weiss-Syndrom bezeichnet längs verlaufende Schleimhauteinrisse am gastroösophagealen Übergang, die durch heftiges Erbrechen oder Würgen entstehen und meist mit einer akuten oberen gastrointestinalen Blutung einhergehen. Klassischer anamnestischer Zusammenhang: Alkoholexzess oder schwere Gastroenteritis, dann initial nicht-blutiges Erbrechen, später Hämatemesis (Bluterbrechen) oder Meläna (Teerstuhl). Risikofaktoren sind chronischer Alkoholabusus, axiale Hiatushernie, Hypertensus oder Schwangerschaft.

Die Diagnose stellt die obere Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD), die zugleich therapeutische Optionen bietet: endoskopische Unterspritzung mit verdünntem Adrenalin, Clip-Applikation, Argon-Plasma-Koagulation oder Hemospray. In den meisten Fällen sistiert die Blutung spontan oder unter endoskopischer Therapie — die Prognose ist günstig. Eine begleitende Säuresuppression mit Protonenpumpenhemmern fördert die Abheilung.

Boerhaave-Syndrom — die spontane Ösophagusruptur

Das Boerhaave-Syndrom ist eine extrem seltene, aber lebensgefährliche Komplikation heftigsten Erbrechens: durch den schlagartigen Druckanstieg reißt die Ösophaguswand auf ganzer Wandstärke ein, typischerweise links-dorsolateral im distalen Drittel. Es kommt zum Übertritt von Mageninhalt, Speise und Speichel ins Mediastinum und in die Pleurahöhle, was binnen Stunden in eine schwere, septisch verlaufende Mediastinitis mündet. Klassisch ist die Mackler-Trias aus Erbrechen, retrosternalem Schmerz und Hautemphysem am Hals, dazu rasch fortschreitender Schock, Atemnot und ein vital bedrohter, oft alkoholisierter Patient.

Die Diagnose erfolgt mittels Computertomographie mit oraler Kontrastmittelgabe (wasserlösliches Gastrografin), die das Wandleck und die freie Luft im Mediastinum eindrucksvoll darstellt. Therapeutisch entscheidet das Zeitfenster: innerhalb von 24 Stunden ist die operative oder endoskopische Versorgung mit Naht, Stent und ausgiebiger Drainage die Therapie der Wahl, später ist die Letalität trotz aller Bemühungen extrem hoch. Das Boerhaave-Syndrom ist ein Notfall — bei der Trias Erbrechen plus retrosternaler Schmerz plus Hautemphysem gehört jeder Patient sofort in die Klinik.

Soor-Ösophagitis — Pilzbefall der Speiseröhre

Bei abwehrgeschwächten Patient:innen — HIV-Infektion mit niedriger CD4-Zellzahl, Chemotherapie, hochdosierte Glukokortikoide, Diabetes mellitus, langfristige Antibiose, fortgeschrittenes Lebensalter, inhalative Kortikoide ohne Mundspülung — kann sich der Hefepilz Candida albicans aus der Mundhöhle in die Speiseröhre ausbreiten und eine Soor-Ösophagitis verursachen. Typische Symptome sind Odynophagie (schmerzhaftes Schlucken), retrosternales Brennen und gelegentlich Dysphagie. Bei vielen Patient:innen sind gleichzeitig weiße, abstreifbare Beläge im Mund (Mundsoor) erkennbar — ihr Fehlen schließt die Ösophagusbeteiligung aber nicht aus.

Die Diagnose erfolgt endoskopisch: typisch sind multiple, längsgerichtete weiß-gelbliche Plättchen und Beläge, die fest auf der Schleimhaut haften. Im Zweifel sichert ein Biopsie- oder Bürstenabstrich die Diagnose mikroskopisch. Therapiert wird mit oralem Fluconazol 100 bis 200 mg täglich über 14 bis 21 Tage. Bei schweren oder refraktären Verläufen kommen Voriconazol, Caspofungin oder Amphotericin B in Betracht. Neben der spezifischen Therapie ist die Behandlung der zugrundeliegenden Immunschwäche entscheidend.

Ösophaguskarzinom

Das Ösophaguskarzinom macht weltweit etwa 4 Prozent aller Krebserkrankungen aus, mit deutlichen regionalen Unterschieden. Histologisch unterscheidet man zwei große Tumorentitäten: das Plattenepithelkarzinom und das Adenokarzinom. Beide haben sehr verschiedene Risikoprofile, Lokalisationen und Therapie-Optionen.

Das Plattenepithelkarzinom entsteht aus dem normalen, mehrschichtigen Plattenepithel der oberen und mittleren Speiseröhre. Hauptrisikofaktoren sind chronischer Alkoholkonsum (insbesondere hochprozentiger Spirituosen), Rauchen (mit dosisabhängiger Risikoerhöhung), heisser Tee- und Mate-Konsum, frühere Verletzungen durch Veroezurae oder Strahlenbehandlungen, Plummer-Vinson-Syndrom (Eisenmangel mit Ösophagusringen) und langjährige Achalasie. Die Kombination Alkohol plus Tabak potenziert das Risiko multiplikativ.

Das Adenokarzinom entwickelt sich fast immer auf dem Boden eines Barrett-Ösophagus im distalen Drittel der Speiseröhre — entsprechend sind die Hauptrisikofaktoren langjährige Refluxkrankheit, Adipositas, Alter über 50 Jahre, männliches Geschlecht und Rauchen. Während das Plattenepithelkarzinom in vielen Ländern dank Rückgang des Alkohol- und Nikotinkonsums in der Häufigkeit sinkt, nimmt das Adenokarzinom parallel zur weltweiten Adipositas- und GERD-Welle stetig zu.

Klinisch sind Ösophaguskarzinome leider Spätdiagnosen: erst wenn die Tumormasse das Lumen so weit eingeengt hat, dass feste Speisen nicht mehr passieren, entsteht die typische progrediente Dysphagie — zuerst für Fleisch und Brot, dann auch für weiche Speisen, schließlich auch für Flüssigkeiten. Begleitend treten Gewichtsverlust, Regurgitation, retrosternale Schmerzen, Heiserkeit (durch Tumorinvasion des Nervus laryngeus recurrens) und im weit fortgeschrittenen Stadium die tracheoösophageale Fistel mit Hustenreiz beim Trinken auf. Die Diagnose stellt die obere Endoskopie mit Biopsieentnahme; das Staging erfolgt mittels Endosonographie, CT von Hals, Thorax und Abdomen, PET-CT und bei Verdacht auf Tracheobronchialinvasion mit Bronchoskopie.

Die Therapie ist multimodal: in frühen Stadien (T1a, ggf. T1b) ist die endoskopische Resektion (ESD) heilend, in lokal fortgeschrittenen Stadien kommt eine neoadjuvante Radiochemotherapie nach dem CROSS-Protokoll mit anschließender Ösophagektomie (z.B. transthorakale Ivor-Lewis-Resektion mit Magenhochzug) zum Einsatz. Für das Plattenepithelkarzinom bietet sich auch die definitive Radiochemotherapie als alleinige Therapie an. In palliativer Situation lindert die endoskopische Einlage eines selbstexpandierenden Metallstents die Dysphagie und ermöglicht den Betroffenen eine zumindest flüssig-breiige Ernährung. Die Prognose bleibt mit einer 5-Jahres-Gesamtüberlebensrate von rund 20 bis 25 Prozent ungegünstig — in den frühen Stadien jedoch deutlich besser.

Weitere ösophageale Motilitätsstörungen

Neben der Achalasie gibt es eine Reihe weiterer ösophagealer Motilitätsstörungen, die mit Hilfe der hochauflösenden Manometrie diagnostiziert und in der Chicago-Klassifikation Version 4.0 abgebildet werden. Dazu zählen der diffuse Ösophagusspasmus mit krampfartigen, ungerichteten Kontraktionen, der hyperkontraktile Ösophagus (sogenannter Jackhammer-Ösophagus) mit extrem kräftigen Druckwellen, die ineffektive Ösophagusmotilität mit zu schwachen Kontraktionen, und seltenere Mischbilder. Klinisch äußern sich diese Störungen mit Dysphagie, krampfartigen retrosternalen Schmerzen und gelegentlich Globusgefühl. Therapeutisch reichen die Optionen von Kalziumantagonisten, Nitraten und trizyklischen Antidepressiva in niedriger Dosis (zur viszeralen Schmerzmodulation) über Botulinumtoxin-Injektionen bis hin zur POEM in ausgewählten Fällen.

Eine zunehmend häufig diagnostizierte Erkrankung ist die eosinophile Ösophagitis — eine immunvermittelte, allergisch getriggerte Entzündung der Ösophagusschleimhaut, die meist jüngere Erwachsene und Kinder betrifft und sich klassisch durch Bolusimpaktion (steckengebliebenen Bissen, z.B. Steak) und chronische Dysphagie manifestiert. Endoskopisch zeigen sich Ringbildungen, Furchen und weißliche Exsudate, histologisch ein vermehrtes eosinophiles Infiltrat (>15 Eosinophile pro hochauflösendem Gesichtsfeld). Therapiert wird mit topischen Steroiden (geschluckte inhalative Budesonid- oder Fluticason-Präparate), Eliminationsdiäten und in refraktären Fällen mit Dupilumab.

Diagnostik — was die Gastroenterologie kann

Für die Abklärung von Speiseröhren­beschwerden steht der Gastroenterologie heute ein differenziertes diagnostisches Arsenal zur Verfügung. Das wichtigste Werkzeug ist die Ösophagogastroduodenoskopie (ÖGD): in der Regel ambulant in Sedierung mit Propofol durchgeführt, erlaubt sie die direkte Inspektion der Schleimhaut, die Entnahme von Biopsien zur histologischen Untersuchung, das Erkennen und Klassifizieren von Refluxoesophagitis und Barrett-Mukosa sowie die Detektion auch frühester Tumorläsionen. Ergänzende Techniken wie die Narrow-Band Imaging (NBI), die Chromoendoskopie mit Lugol-Lösung oder Methylenblau und die konfokale Lasermikroskopie verbessern die Erkennung von Dysplasie­arealen weiter.

Die Ösophagusmanometrie — idealerweise als high-resolution manometry mit 36 Drucksensoren auf 30 cm Länge — ist Goldstandard für die Beurteilung der Motilität und unverzichtbar bei Verdacht auf Achalasie, Ösophagusspasmus oder präoperativ vor jeder Antirefluxoperation. Die 24-Stunden-pH-Metrie (mit oder ohne Impedanz­messung) quantifiziert objektiv die Refluxepisoden und ist hilfreich bei atypischer Refluxsymptomatik, fehlendem PPI-Ansprechen oder präoperativer Diagnostik. Der Breischluck — eine konventionelle Ro­ntgenuntersuchung mit Bariumkontrastmittel — spielt heute eine ergänzende Rolle und ist besonders nützlich bei Divertikeln, Achalasie (Vogelschnabel-Bild), großen Hiatushernien und postoperativer Anatomiekontrolle. Die Endosonographie ermöglicht die schichtweise Beurteilung der Ösophaguswand und ist zentral für das T-Staging von Ösophaguskarzinomen sowie für die Beurteilung paraesophagealer Lymphknoten.

Therapie der Refluxkrankheit — PPI und mehr

Die medikamentöse Behandlung der GERD stützt sich seit Mitte der 1990er Jahre auf die Protonenpumpenhemmer (PPI). Diese Wirkstoffgruppe — Omeprazol, Pantoprazol, Esomeprazol, Lansoprazol und Rabeprazol — blockiert irreversibel die H+/K+-ATPase der Belegzellen im Magen und vermindert die Säuresekretion um bis zu 90 Prozent. Die Standarddosis liegt bei 20 mg Omeprazol bzw. 40 mg Pantoprazol einmal täglich, eingenommen 30 Minuten vor dem Frühstück — nur dann werden die nächtlich neu gebildeten Protonenpumpen wirksam erfasst. Bei unzureichendem Ansprechen kann die Dosis verdoppelt oder auf zweimal täglich (morgens und abends) verteilt werden.

PPI gelten als nebenwirkungsarme Medikamente, sollten jedoch nicht unkritisch in Dauereinnahme gehalten werden. Bei Langzeitanwendung über Jahre werden eine erhöhte Rate an Vitamin-B12-Mangel, Magnesiummangel, osteoporotischen Frakturen, Clostridioides-difficile-Kolitiden, ambulant erworbenen Pneumonien und einer Niereninsuffizienz diskutiert. Die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie (DGVS) empfiehlt daher in ihrer S3-Leitlinie zur Refluxkrankheit, die PPI-Dosis nach Beschwerde­besserung schrittweise zu reduzieren (Step-Down) und im Erfolgsfall auf eine Bedarfstherapie umzustellen. Zusätzliche Optionen sind Antazida (Hydrotalcit, Magaldrat) zur schnellen Symptomlinderung, Alginate (z.B. Gaviscon) zur Bildung einer Schutzschicht auf dem Mageninhalt und H&sub2;-Rezeptor-Blocker wie Famotidin als Reserve oder zur nächtlichen Ergänzung. Prokinetika spielen heute nur noch eine untergeordnete Rolle.

Versagt die konsequente PPI-Therapie oder besteht ein anhaltend hoher Leidensdruck mit objektiv nachgewiesenem Reflux, kommt die chirurgische Antirefluxtherapie in Betracht. Standardverfahren ist die laparoskopische Fundoplikatio nach Nissen — eine 360-Grad-Manschette aus dem Magenfundus wird um den distalen Ösophagus gelegt und stabilisiert den unteren Sphinkter mechanisch. Variationen sind die partielle Fundoplikatio nach Toupet (270-Grad-Hinterwand­manschette) oder nach Dor (180-Grad-Vorderwand­manschette), die etwas seltener postoperative Dysphagie und Gas-bloat-Beschwerden hervorrufen. Als modernere Verfahren etablieren sich die magnetische Sphinkter­augmentation (LINX-System) und endoskopische Antireflux-Verfahren wie EsophyX (TIF). Vor jeder Antirefluxoperation sind Ösophagusmanometrie und pH-Metrie obligat.

Lebensstilmaßnahmen — was Sie selbst tun können

So wirksam Medikamente und Operationen sind — bei den meisten Erkrankungen der Speiseröhre ist der eigene Beitrag von großer Bedeutung. Bei der Refluxkrankheit lohnt sich eine konsequente Lebensstil­anpassung. Gewichtsreduktion ist bei Übergewicht die effektivste Einzelmaßnahme: schon ein Verlust von 5 Kilogramm reduziert die Refluxepisoden messbar. Spätmahlzeiten sollten vermieden werden — idealerweise liegt zwischen letzter Mahlzeit und Zubettgehen ein Abstand von drei bis vier Stunden. Wer nachts unter Sodbrennen leidet, schläft besser mit leicht erhöhtem Kopfteil (15 cm Klotz unter den Bettfüßen, nicht nur das Kopfkissen erhöhen). Bekannte Trigger sind fettreiche und gebratene Speisen, scharfe Gewürze, Tomatenprodukte, Zitrusfrüchte, Pfefferminze, Schokolade, koffeinhaltige Getränke, kohlensäurehaltige Limonaden und vor allem Alkohol — jeder beobachtet hier sein eigenes Profil. Nikotinverzicht ist nicht nur für die Refluxkrankheit, sondern auch für das Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre eine der wichtigsten Präventionsmaßnahmen überhaupt. Wer auf Alkohol nicht verzichten möchte, beschränkt sich auf moderate Mengen und meidet hochprozentige Spirituosen. Enge Kleidung und Gürtel, die den Bauch zusammenpressen, können die Symptome ebenfalls verschlimmern.

Für Patient:innen mit bekannter Achalasie oder Motilitätsstörung empfehlen wir, kleine Bissen zu nehmen, gründlich zu kauen, während des Essens nach Bedarf kühles Wasser zu trinken und nach der Mahlzeit nicht sofort flach zu liegen. Für Ösophaguskarzinom-Risiko­patient:innen ist die frühzeitige Vorstellung in der gastroenterologischen Sprechstunde bei neu aufgetretener Dysphagie unverzichtbar — Verzögerung kostet Lebenszeit.

Wir beraten Sie

Auch wenn die Diagnose und das endoskopische Management von Speiseröhrenerkrankungen in die Hand spezialisierter Gastroenterolog:innen gehören — in der Schwanen-Apotheke mitten in 47051 Duisburg sind wir Ihre erste Anlaufstelle für alle Fragen rund um die medikamentöse Therapie. Wir beraten Sie zur richtigen Einnahme Ihrer Protonenpumpenhemmer (nüchtern, 30 Minuten vor dem Frühstück), prüfen Wechselwirkungen mit Clopidogrel, Methotrexat, Levothyroxin oder Digitalis, erklären die Unterschiede zwischen Antazida, Alginaten und PPI und zeigen Ihnen, welche freiverkäuflichen Präparate bei sporadischem Sodbrennen sinnvoll sind. Wir versorgen Sie mit Nahrungsergänzungs­mitteln zur Prävention eines Vitamin-B12- oder Magnesiummangels bei PPI-Langzeittherapie, helfen bei der Auswahl geeigneter Trink- und Sondennahrung nach Tumoroperationen und stehen Ihnen für alle Fragen zur Nachsorge zur Verfügung.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden — chronischer Husten, Heiserkeit, kloßartiges Halsgefühl, Reizmagen, Brustschmerz — mit der Speiseröhre zu tun haben könnten, ordnen wir die Symptome ein und empfehlen Ihnen den nächsten sinnvollen Schritt: Selbsthilfe, Vorstellung in der Hausarztpraxis oder gastroenterologische Abklärung. Schauen Sie vorbei, rufen Sie uns an oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Mehr Hintergrundwissen zu Magen, Darm und Bauchorganen finden Sie unter Hintergrundwissen Magen und Darm, eine Übersicht zu allen weiteren Krankheitsbildern unter Krankheiten & Therapie.

Redaktion Schwanen-Apotheke Duisburg, Quellen: Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), AWMF S3-Leitlinie Gastroösophageale Refluxkrankheit, European Society of Gastrointestinal Endoscopy (ESGE) Dieser Text dient ausschließlich der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Untersuchung, Diagnose oder Behandlung. Bei akuten Beschwerden wie Bluterbrechen, Schwarzstuhl, plötzlichem heftigen Brustschmerz mit Hautemphysem am Hals oder unstillbarem Erbrechen wählen Sie sofort den Notruf 112.