Erkrankungen der Venen
Während die Arterien das sauerstoffreiche Blut vom Herzen in die Körperperipherie befördern, übernehmen die Venen die mindestens ebenso anspruchsvolle Gegenrichtung: das verbrauchte, sauerstoffarme Blut aus den Beinen, dem Becken und den Armen wieder zurück zum rechten Herzen zu transportieren. Dieser Rücktransport ist eine erstaunliche Leistung der Schwerkraftbewältigung – pro Tag werden allein in den Beinvenen rund 7.000 Liter Blut von unten nach oben befördert. Möglich machen das ein Zusammenspiel aus der Muskelpumpe der Waden, den feinen Venenklappen, die wie Rückschlagventile wirken, und dem Sog, den Atmung und Herzschlag erzeugen. Versagt nur ein Teil dieses Systems, staut sich das Blut: die Beine werden schwer, die Knöchel schwellen an, am Abend zeichnen sich blauschimmernde Krampfadern ab, und in fortgeschrittenen Stadien droht das venöse Geschwür am Unterschenkel oder im Akutfall die Beinvenenthrombose mit der gefürchteten Komplikation der Lungenembolie. Auf dieser Seite stellen wir Ihnen die wichtigsten venösen Erkrankungen geordnet vor und zeigen, wann Sie zum Arzt gehören, wie heute behandelt wird und was Sie selbst dazu beitragen können.
Chronisch-venöse Insuffizienz (CVI) und die CEAP-Klassifikation
Die chronisch-venöse Insuffizienz, kurz CVI, ist der Sammelbegriff für alle Folgen einer dauerhaft mangelhaften Venenklappenfunktion an den Beinen. Sie entsteht, wenn das Blut wegen schließender Klappen in oberflächlichen oder tiefen Beinvenen nicht mehr restlos nach oben transportiert wird, sondern in Teilen zurücksackt und in den Beinvenen einen erhöhten Druck aufbaut. Dieser venöse Hypertonus presst Flüssigkeit ins umgebende Gewebe, später auch Eiweiße und Eisenpigmente; daraus entstehen Schwellungen, Hautverfärbungen und in schweren Fällen Geschwüre. Die international gebräuchliche Einteilung erfolgt nach der CEAP-Klassifikation (Clinical, Etiological, Anatomical, Pathophysiological): C0 – keine sichtbaren oder tastbaren Venenveränderungen, aber Beschwerden; C1 – Besenreiser und retikuläre Venen; C2 – Krampfadern; C3 – Beinödem; C4 – Hautveränderungen wie Stauungsdermatitis, Hyperpigmentierung oder Dermatosklerose; C5 – abgeheiltes venöses Ulcus; C6 – aktives offenes Bein. Diese sechsstufige Skala ist heute Standard in jeder phlebologischen Begutachtung und Voraussetzung für eine sinnvolle Therapieplanung.
Typische Beschwerden der CVI sind ein dumpfes Schweregefühl in den Beinen am Abend, Spannungsschmerz besonders bei warmem Wetter und langem Stehen, geschwollene Knöchel, die im Sockenbund einen Abdruck hinterlassen, und nächtliche Wadenkrämpfe. Charakteristisch ist die Linderung beim Hochlegen der Beine und nach kühler Dusche – ein wertvoller diagnostischer Hinweis, der eine venöse von einer arteriellen Ursache abgrenzt. Frauen sind etwa doppelt so häufig betroffen wie Männer; Schwangerschaften, hormonelle Verhütung, stehende Berufe (Friseure, Verkäufer, Pflegekräfte), Übergewicht und genetische Faktoren erhöhen das Risiko deutlich.
Varikose – primäre und sekundäre Krampfadern
Unter Varikose oder Krampfadern versteht man die sicht- und tastbar geschlängelten, erweiterten oberflächlichen Beinvenen. Sie sind weit mehr als ein kosmetisches Ärgernis: sie sind Zeichen einer Klappeninsuffizienz mit krankheitswertigem Hintergrund. Unterschieden werden mehrere Formen, die sich in Bedeutung und Therapie unterscheiden. Die Stammvarikose betrifft die beiden großen oberflächlichen Stammvenen, die Vena saphena magna an der Innenseite des Beins (vom Knöchel bis zur Leiste) und die Vena saphena parva in der Wade. Eine insuffiziente Stammvene ist hämodynamisch besonders relevant, weil über sie große Blutmengen retrograd strömen können. Die Seitenastvarikose betrifft die abzweigenden Nebenäste; retikuläre Varizen sind die feinen, netzartig sichtbaren bläulichen Venen unter der Haut; Besenreiser sind winzige, oberflächlich gelegene erweiterte Hautvenen, oft im Bereich der Oberschenkelaußenseite oder am Knöchel.
Ätiologisch trennt man die primäre Varikose von der sekundären Varikose. Die primäre Form ist konstitutionell und genetisch geprägt: eine angeborene Bindegewebsschwäche begünstigt das frühzeitige Versagen der Venenklappen. Sekundäre Krampfadern entstehen als Folge einer anderen Erkrankung, am häufigsten als Spätfolge einer tiefen Beinvenenthrombose: wenn die tiefen Leitvenen verschlossen oder narbig verändert sind, wird das Blut über die oberflächlichen Venen umgeleitet, die dieser Überlastung dauerhaft nicht standhalten. Diese Unterscheidung ist mehr als akademisch: bei sekundärer Varikose im Rahmen eines postthrombotischen Syndroms darf man die oberflächlichen Venen nicht ohne Weiteres entfernen, weil sie als Umgehungskreislauf gebraucht werden.
Phlebitis – oberflächliche Thrombophlebitis
Die Phlebitis oder genauer die Thrombophlebitis bezeichnet die Entzündung einer oberflächlichen Vene mit gleichzeitiger Bildung eines kleinen Blutgerinnsels in deren Inneren. Sie zeigt sich typischerweise als roter, derber, druckschmerzhafter Strang unter der Haut, häufig im Verlauf einer Krampfader oder – in der klinischen Medizin sehr verbreitet – nach Anlage einer Venenverweilkanüle. Lange galt die oberflächliche Phlebitis als harmlos: man legte einen kühlen Umschlag auf und wartete ab. Heute weiß man, dass jede zweite ausgedehnte Thrombophlebitis am Bein mit einer gleichzeitigen tiefen Venenthrombose einhergeht, ohne dass dies klinisch erkennbar wäre. Aus diesem Grund empfiehlt die Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie heute bei jeder Phlebitis am Bein eine Ultraschalluntersuchung der tiefen Venen sowie – je nach Ausdehnung – eine zeitlich befristete prophylaktische Antikoagulation mit niedermolekularem Heparin oder dem oralen Faktor-Xa-Inhibitor Fondaparinux.
Tiefe Beinvenenthrombose (TVT) – Risikofaktoren, Wells-Score, D-Dimer
Die tiefe Beinvenenthrombose, abgekürzt TVT, ist die akute medizinische Hauptkomplikation des venösen Systems. Sie entsteht, wenn sich in einer tiefen Leitvene des Beins oder des Beckens ein Blutgerinnsel bildet und diese Vene ganz oder teilweise verschließt. Pathophysiologisch greifen drei Faktoren ineinander, die der Wiener Pathologe Rudolf Virchow bereits im 19. Jahrhundert beschrieben hat und die heute als Virchow-Trias jedem Medizinstudenten geläufig sind: eine Veränderung der Gefäßwand (zum Beispiel durch eine Verletzung, einen Katheter, eine Entzündung), eine Verlangsamung des Blutstroms (Bettlägerigkeit, langer Flug, Immobilisation nach Operationen) und eine Veränderung der Blutzusammensetzung (Thrombophilie, hormonelle Verhütung, Schwangerschaft, Tumorerkrankungen, Dehydratation).
Klinische Symptome sind oft erstaunlich unspezifisch: einseitige Schwellung des Unterschenkels oder des ganzen Beins, Spannungsgefühl, ziehender Schmerz in der Wade beim Auftreten oder beim Druck auf das Wadenmuskelfeld (das frühere Homans- und Payr-Zeichen), bläuliche Verfärbung, eine spürbare Überwärmung. Etwa die Hälfte aller TVT verläuft jedoch primär symptomlos und wird erst durch ihre erste Komplikation – meist die Lungenembolie – klinisch fassbar. Die klinische Wahrscheinlichkeit lässt sich mit dem Wells-Score für TVT abschätzen: Punkte werden vergeben für Tumorleiden, Lähmung, Bettruhe oder große Operation in den letzten Wochen, Druckschmerz im Venenverlauf, geschwollenes Bein, Wadenumfangsdifferenz über 3 cm im Vergleich zur Gegenseite, eindrückbares Ödem, sichtbare Kollateralvenen, frühere TVT, und ein Minuspunkt für eine ebenso wahrscheinliche andere Diagnose. Ab zwei Punkten gilt eine TVT als wahrscheinlich.
In der weiteren Abklärung folgen zwei diagnostische Pfade: bei niedriger klinischer Wahrscheinlichkeit reicht ein negativer D-Dimer-Test im Blut, um eine TVT mit hoher Sicherheit auszuschließen – D-Dimere sind Abbauprodukte des Fibrins, sie sind bei einer aktiven Thrombose stets erhöht, allerdings auch bei vielen anderen Zuständen wie Entzündung, Operation, Tumor und in der Schwangerschaft. Ein erhöhter Wert beweist also nichts, ein normaler Wert in der richtigen klinischen Konstellation schließt aber sehr zuverlässig aus. Bei wahrscheinlicher klinischer Vortestwahrscheinlichkeit oder erhöhtem D-Dimer folgt die Kompressionssonographie: mit einer hochauflösenden Ultraschallsonde wird systematisch jede tiefe Beinvene angesehen und mit dem Schallkopf von außen komprimiert. Eine gesunde Vene lässt sich vollständig zudrücken; eine thrombosierte Vene ist mit Material gefüllt und nicht komprimierbar. Die Untersuchung ist nicht-invasiv, schmerzlos, beliebig wiederholbar und hat die früher gebräuchliche Röntgen-Phlebographie weitgehend abgelöst.
Antikoagulation – NOAK, Marcumar und niedermolekulares Heparin
Die Behandlung einer gesicherten tiefen Venenthrombose ist heute hochstandardisiert und folgt der aktuellen AWMF S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Angiologie und der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie. Die Akuttherapie beginnt umgehend mit einer parenteralen oder oralen Antikoagulation; die früher übliche Bettruhe ist abgeschafft, der Patient soll im Gegenteil rasch mobilisiert werden, denn frühe Bewegung beschleunigt die Erholung der venösen Strömung und beugt dem postthrombotischen Syndrom vor.
Mittel der ersten Wahl sind heute in der großen Mehrzahl der Fälle die nicht-Vitamin-K-abhängigen oralen Antikoagulanzien, kurz NOAK oder international DOAK (direkte orale Antikoagulanzien). Sie greifen entweder den Gerinnungsfaktor Xa direkt an – Rivaroxaban, Apixaban, Edoxaban – oder hemmen direkt das Thrombin – Dabigatran. Ihr Vorteil gegenüber dem klassischen Vitamin-K-Antagonisten Phenprocoumon (in Deutschland unter den Handelsnamen Marcumar und Falithrom geläufig) liegt in der festen Dosierung ohne routinemäßige Gerinnungskontrolle, im rascheren Wirkeintritt, in einer geringeren Rate an Hirnblutungen und in weniger Wechselwirkungen mit Lebensmitteln. Marcumar bleibt indiziert bei Patient:innen mit mechanischen Herzklappen, bei schwerer Niereninsuffizienz, bei bestimmten Thrombophilieformen wie dem Antiphospholipidsyndrom und überall dort, wo eine etablierte Marcumar-Therapie gut eingestellt ist und der Wechsel keinen Vorteil böte. Die Einstellung erfolgt anhand des INR-Wertes (Ziel meist 2,0 bis 3,0), regelmäßig kontrolliert beim Hausarzt oder im Selbstmanagement.
Niedermolekulare Heparine wie Enoxaparin, Dalteparin, Tinzaparin oder Nadroparin werden als Spritze unter die Haut verabreicht und kommen als Alternative bei Schwangeren (NOAK sind plazentagängig und nicht zugelassen), bei Tumorpatient:innen mit Thrombose (hier ist niedermolekulares Heparin oder Edoxaban der Standard) sowie als kurzzeitige Überbrückung zum Einsatz. Die Therapiedauer beträgt nach erster unprovozierter Beinvenenthrombose mindestens drei bis sechs Monate, bei rezidivierenden Thrombosen oder anhaltendem Risikofaktor ist eine zeitlich unbefristete Antikoagulation gerechtfertigt. Die Verlängerungsdosis kann bei einigen NOAK reduziert werden (Apixaban 2,5 mg zweimal täglich, Rivaroxaban 10 mg einmal täglich).
Lungenembolie – die gefürchtete Komplikation
Die Lungenembolie (LAE) ist die unmittelbar lebensbedrohliche Komplikation jeder tiefen Beinvenenthrombose. Löst sich ein Teil des Thrombus aus einer Bein- oder Beckenvene, wandert er mit dem Blutstrom über die untere Hohlvene, durch das rechte Herz und in die Lungenarterien, wo er sich verkeilt und den Blutfluss einer oder mehrerer Lungenabschnitte abrupt unterbricht. Die Symptome reichen von plötzlich einsetzender Atemnot, stechendem Brustschmerz und Husten mit blutigem Auswurf bei der mittelgroßen Embolie bis zum akuten Kreislaufschock mit Bewusstlosigkeit oder Herzstillstand bei der fulminanten Form. Eine begleitende Beinvenenthrombose ist klinisch nur in der Hälfte der Fälle erkennbar. Die Diagnose stützt sich auf D-Dimere, EKG (Rechtsbelastungszeichen, S1-Q3-Typ), Echokardiographie (Rechtsherzbelastung) und die CT-Angiographie der Lungenarterien als bildgebenden Goldstandard. Therapeutisch kommt bei hämodynamisch stabilen Patient:innen die gleiche Antikoagulation wie bei der TVT zum Einsatz; bei massiver Lungenembolie mit Schock ist eine systemische Lysetherapie mit rt-PA oder eine kathetergestützte Thrombusentfernung gefordert. Jeder Verdacht auf Lungenembolie ist ein Notfall mit der Notrufnummer 112.
Ulcus cruris venosum, Stauungsdermatitis und postthrombotisches Syndrom
Im fortgeschrittenen Stadium der CVI – CEAP C4 bis C6 – oder als Spätfolge einer abgelaufenen tiefen Beinvenenthrombose entstehen die schwersten Hautkomplikationen. Die Stauungsdermatitis zeigt sich als juckende, schuppende, oft bräunlich oder rötlich verfärbte Haut am Unterschenkel, besonders im Bereich oberhalb des Innenknöchels. Ursache ist die chronische Eiweiß- und Eisenablagerung im Gewebe durch das stehende, druckbelastete venöse Blut. Die Eisenpigmente bleiben dauerhaft sichtbar und sind die Grundlage der typischen Purpura jaune d'ocre. Weitere Stadien sind die Dermatosklerose mit derber Verhärtung des Unterhautgewebes („Stiefelbein“) und die Atrophie blanche mit elfenbeinweißen, eingezogenen Hautarealen.
Höhepunkt und schwerste Manifestation ist das Ulcus cruris venosum, das offene, schlecht heilende Beingeschwür am Innenknöchel oder Unterschenkel. Es ist verantwortlich für rund 80 Prozent aller chronischen Beinwunden in Deutschland und stellt sowohl medizinisch als auch volkswirtschaftlich eine erhebliche Belastung dar. Die Therapie ist ein langwieriger Prozess: konsequente Kompressionstherapie, moderne phasengerechte Wundversorgung (Reinigungsphase, Granulationsphase, Epithelisierungsphase) mit feuchten Wundauflagen, in spezialisierten Kliniken Vakuumtherapie oder Hauttransplantation, und immer parallel die Sanierung der zugrunde liegenden Veneninsuffizienz. Ohne diese ursächliche Korrektur heilt ein Ulcus zwar, kehrt aber innerhalb weniger Monate zurück.
Das postthrombotische Syndrom (PTS) ist die langfristige Spätfolge einer durchgemachten tiefen Beinvenenthrombose. Es entsteht, wenn nach der Thrombose die Venenklappen vernarben und die Vene zwar wieder durchgängig wird, aber der ungehinderte Rückstrom des Blutes nun unmöglich ist. Etwa 20 bis 50 Prozent aller TVT-Patient:innen entwickeln innerhalb von zwei Jahren ein PTS, ein Drittel davon mit schwerem Verlauf. Klinisch sieht es aus wie eine besonders schwere CVI mit Schwellung, Schmerz, Hautveränderungen und im schlimmsten Fall einem Ulcus cruris. Die wichtigste Prophylaxe ist die konsequente Kompressionstherapie ab dem ersten Tag der TVT-Behandlung über mindestens zwei Jahre.
Vena-cava-Filter – eine Reservelösung
In besonderen Situationen, in denen eine Antikoagulation absolut kontraindiziert ist (zum Beispiel bei aktiver schwerer Blutung, perioperativ bei dringender Operation, bei rezidivierenden Lungenembolien trotz suffizienter Antikoagulation), bietet die interventionelle Radiologie die Möglichkeit, einen Vena-cava-Filter einzusetzen. Über einen Katheter durch die V. femoralis oder V. jugularis wird ein schirmartiges Sieb in der unteren Hohlvene unterhalb der Nierenvenen verankert, das eventuell abgelöste Thromben aus den Bein- und Beckenvenen auffangen soll, bevor sie zur Lungenembolie führen. Heute werden nahezu ausschließlich temporäre, wieder entfernbare Filter eingesetzt, weil dauerhaft implantierte Filter selbst Komplikationen verursachen können (Filterthrombose, Wandungsperforation, Filtermigration). Sobald die Antikoagulation wieder möglich ist, sollte der Filter entfernt werden.
Diagnostik nach DEGUM – der Stellenwert des Ultraschalls
Die Grunddiagnostik aller Venenerkrankungen ist heute der Ultraschall, in der Hand der Phlebolog:in eine außergewöhnlich aussagekräftige Methode. Die Deutsche Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin (DEGUM) zertifiziert die Qualifikation und Geräteausstattung in mehreren Stufen. Verwendet werden zwei Modalitäten: die Kompressionssonographie im B-Bild für die Frage nach einer tiefen Venenthrombose und die farbkodierte Duplexsonographie für die Beurteilung der Klappenfunktion und der Strömungsverhältnisse bei Varikose und CVI. Eine vollständige Untersuchung der Beinvenen dauert etwa 20 bis 30 Minuten, ist schmerzlos und beliebig oft wiederholbar. Frühere invasive Verfahren wie die Phlebographie mit Kontrastmittel oder die Plethysmographie sind heute nur noch sehr speziellen Fragestellungen vorbehalten.
Kompressionstherapie – KKL I bis IV
Die medizinische Kompressionstherapie ist seit Jahrzehnten der unverzichtbare Eckpfeiler jeder Behandlung venöser Erkrankungen – und doch wird sie häufig unterdosiert oder nicht konsequent angewendet. Ihr Wirkprinzip ist physikalisch einleuchtend: ein definierter äußerer Druck am Bein verkleinert den Durchmesser der oberflächlichen und tiefen Venen, presst die insuffizienten Venenklappen wieder aneinander, beschleunigt den venösen Rückstrom, reduziert das Ödem und fördert den Lymphabfluss. Unterschieden werden vier Kompressionsklassen (KKL) entsprechend der RAL-Norm: KKL I (18–21 mmHg am Knöchel) für leichte funktionelle Beschwerden, prophylaktisch in der Schwangerschaft oder auf langen Reisen; KKL II (23–32 mmHg) als Standard bei manifester Varikose, nach Verödung oder Stripping, in der Akutphase und Folgetherapie der TVT; KKL III (34–46 mmHg) bei ausgeprägter CVI und beim postthrombotischen Syndrom; KKL IV (über 49 mmHg) nur noch selten, vor allem bei schweren Lymphödemen.
Wichtig ist die exakte Anpassung. Wir messen Ihnen in der Schwanen-Apotheke nach Terminvergabe die individuellen Beinmaße – idealerweise morgens, solange das Bein noch nicht angeschwollen ist – und versorgen Sie mit Wadenstrumpf, Schenkelstrumpf oder Strumpfhose. Bei stark deformierten Beinen oder ausgeprägten Schwellungen kommen maßgefertigte Strümpfe nach individueller Vermessung zum Einsatz. Anziehhilfen wie ein Gleitstrumpf oder ein Kompressionsstrumpfanzieher machen das morgendliche Strumpfanziehen für ältere oder bewegungseingeschränkte Patient:innen überhaupt erst praktikabel – sprechen Sie uns darauf an. Die Krankenkassen übernehmen pro Jahr zwei Paar bei verordneter Indikation.
Sklerosierung und endovenöse Verfahren – Laser, Radiofrequenz
Über die konservative Therapie hinaus stehen heute verschiedene invasive und minimal-invasive Verfahren zur Behandlung der Varikose zur Verfügung. Die Sklerosierung oder Verödung ist ein altes, aber bei richtiger Indikation hervorragendes Verfahren: durch Injektion eines Verödungsmittels (heute meist Polidocanol als Flüssigkeit oder als Schaumsklerosierung) wird die Veneninnenwand kontrolliert geschädigt, sodass die Vene narbig verklebt und vom Blutstrom abgeschaltet wird. Sklerotherapie ist Methode der ersten Wahl für Besenreiser und retikuläre Varizen, sie wird auch erfolgreich bei Seitenastvarikose und in der Schaumvariante bei kleineren Stammvenen eingesetzt.
Die echten Stammvarizen, also Insuffizienzen der V. saphena magna und parva, werden heute überwiegend mit endovenösen thermischen Verfahren behandelt – der modernen Alternative zur klassischen Operation. Hierbei wird unter Ultraschallkontrolle ein Katheter in die kranke Stammvene eingeführt und das Gefäß entweder mit Laserlicht (endovenöse Laserablation, EVLA) oder mit Radiofrequenzwärme (Radiofrequenzablation, RFA) von innen verschlossen. Beide Verfahren werden in örtlicher Tumeszenzanästhesie ambulant durchgeführt, der Eingriff dauert etwa 30 bis 60 Minuten, der Patient ist sofort wieder mobil, kann am nächsten Tag arbeiten gehen, und das kosmetische Ergebnis ist hervorragend, weil außer der punktförmigen Einstichstelle keine Narben entstehen. Die klassische Methode – das Stripping nach Babcock, bei dem die kranke Vene über zwei kleine Inzisionen mit einer Sonde mechanisch herausgezogen wird – bleibt heute besonderen Konstellationen vorbehalten, etwa stark gewundenen Stammvenen oder ausgeprägten Rezidivvarizen. Daneben gibt es nicht-thermische Verfahren wie die mechanochemische Ablation (MOCA) und den Acrylatklebstoff (Cyanoacrylatverschluss), die ohne Tumeszenz auskommen.
Phytotherapie – Rotes Weinlaub, Rosskastanie und Co.
Pflanzliche Wirkstoffe haben in der Phlebologie eine lange Tradition, und einige Substanzen sind hinsichtlich Wirkung und Verträglichkeit gut untersucht. Sie ersetzen weder die Kompressionstherapie noch die Sanierung der Krampfadern, können aber die Beschwerden bei leichter CVI lindern und die Begleitbehandlung sinnvoll unterstützen. Der Wirkstoff der Rosskastanie (Aesculus hippocastanum), das Aescin, dichtet die feinen Blutgefäße ab, reduziert die Permeabilität der Kapillaren und wirkt antiödematös. Standardisierte Trockenextrakte werden in Dosen von 50 bis 75 mg Aescin täglich eingenommen; klinische Studien zeigen eine Reduktion des Wadenumfangs und der Schweregefühle vergleichbar mit einer leichten Kompressionsklasse. Rotes Weinlaub (Folia Vitis viniferae rubrae) enthält Flavonoide, die als Quercetin- und Isoquercetin-Glykoside an die Gefäßwand binden und die Mikrozirkulation verbessern. Studienbasierte Tagesdosen liegen bei 720 mg Extrakt.
Weitere phlebotropisch wirksame Pflanzen sind die Mäusedornwurzel (Ruscus aculeatus) mit ihren Ruscogeninen, das Buchweizenkraut (Fagopyrum esculentum) mit Rutosid, das kleinblütige Weidenröschen sowie der steinkleehaltige Extrakt mit Cumarin. Diese Substanzen werden in zahlreichen Fertigarzneimitteln und Tees angeboten. Beachten Sie, dass auch Phytopharmaka Wechselwirkungen haben können: Cumarinhaltige Pflanzen können die Wirkung oraler Antikoagulanzien verstärken, einige Flavonoide beeinflussen den Abbau anderer Arzneistoffe über das Cytochrom-Enzymsystem. Vor der dauerhaften Einnahme sollten Sie uns deshalb in der Apotheke ansprechen, damit wir Ihren Medikationsplan gegenchecken können.
Selbsthilfe und Prophylaxe – bewegen Sie sich
Kaum eine Krankheitsgruppe ist so stark vom eigenen Verhalten zu beeinflussen wie die venösen Erkrankungen. Die Muskelpumpe der Wade ist das wichtigste Triebwerk des venösen Rückflusses – und sie funktioniert nur, wenn sie eingesetzt wird. Bewegen Sie sich täglich, das Stichwort lautet Lieber Laufen und Liegen als Sitzen und Stehen. Bewährt haben sich zügiges Gehen, Schwimmen, Radfahren, Wassergymnastik und Nordic Walking. Wer im Beruf viel sitzen oder stehen muss, sollte stündlich kurze Bewegungspausen einlegen, im Sitzen die Füße kreisen lassen und Zehen krallen, gelegentlich Wadenheber im Stehen einbauen. Auf langen Reisen – Flug, Bus, Auto – sind regelmäßige Aufstehen, Aufstützen der Beine und das Tragen eines Kompressionsstrumpfes KKL I bei Risikopatient:innen sinnvoll. Reichliches Trinken (1,5 bis 2 Liter) hält das Blut dünnflüssig.
Im Alltag helfen einige einfache Regeln: legen Sie die Beine abends 20 Minuten hoch (höher als das Herz); duschen Sie morgens die Beine kalt von unten nach oben ab (Wechselduschen aktivieren die Venenwand); meiden Sie heiße Vollbäder und überlange Saunagänge, weil Wärme die Venen weitet und das Ödem verstärkt; vermeiden Sie einschnürende Strümpfe und enge Hosen am Knie; reduzieren Sie Übergewicht (jedes Kilo entlastet das venöse System spürbar); essen Sie ballaststoffreich, denn chronische Verstopfung erhöht durch das Pressen den Druck im Bauchraum und damit in den Beinvenen. Frauen mit ausgeprägter familiärer Belastung sollten eine hormonelle Verhütung phlebologisch abklären lassen; bei langen Flügen empfehlen wir Risikopatient:innen die einmalige prophylaktische Gabe eines niedermolekularen Heparins. Sprechen Sie uns auf Reisethromboseprophylaxe und Strumpfempfehlungen vorab an.
Wir beraten Sie
In der Schwanen-Apotheke mitten in 47051 Duisburg verstehen wir die Behandlung venöser Erkrankungen als ein langedauerndes Begleitprojekt, in dem die Apotheke eine zentrale Rolle spielt. Wir messen Ihnen nach Terminvergabe Ihre Beinmaße fachgerecht aus, beraten zu Wadenstrumpf, Schenkelstrumpf oder Strumpfhose, zeigen Anziehhilfen, geben Tipps zur Pflege der teuren Kompressionsstrümpfe (Handwäsche oder Wollwaschgang, keine Weichspüler, keine Trockner) und kümmern uns um die ordnungsgemäße Rezeptabwicklung mit Ihrer Krankenkasse. Für die orale Antikoagulation prüfen wir alle Ihre Begleitmedikamente sorgfältig auf Wechselwirkungen mit NOAK und Marcumar und erklären Ihnen die richtige Einnahme (manche NOAK mit, andere ohne Mahlzeit; Marcumar abends zur gleichen Zeit, INR-Pass führen). Wir besorgen Ihnen INR-Selbstmessgeräte zum Heimmonitoring, schulen Sie in der Handhabung und passen die Versorgung mit Teststreifen an. Bei Wunsch nach pflanzlicher Begleittherapie mit Rosskastanie, rotem Weinlaub oder Mäusedorn führen wir hochwertige standardisierte Präparate und fertigen in unserem Rezepturlabor individuelle phlebotropisch wirksame Teemischungen oder Kapseln. Bei chronischen Wunden am Bein vermitteln wir den Kontakt zu spezialisierten Wundsprechstunden und führen moderne phasengerechte Verbandmaterialien. Schauen Sie bei uns vorbei, rufen Sie an oder schreiben Sie uns über das Kontaktformular. Mehr zu unseren Leistungen finden Sie auf der Seite Unsere Leistungen, ein Überblick über das ganze Spektrum unserer Apotheke wartet auf Sie unter Über uns.