Männerkrankheiten

Hintergrundwissen Männerkrankheiten

Männergesundheit ist über Jahrzehnte hinweg eher zurückhaltend betrachtet worden – und damit ist nicht nur die gesellschaftliche, sondern auch die ärztliche und apothekerliche Auseinandersetzung mit den spezifischen Anliegen von Männern gemeint. Während sich die Frauen­heilkunde als eigenständiges Fach etabliert hat, ist die Andrologie, also die Lehre von den Funktionen und Funktions­störungen der männlichen Geschlechts­organe, lange Zeit als Randgebiet der Urologie gewachsen. In den vergangenen zwei bis drei Jahrzehnten hat sich das verändert: erektile Dysfunktion, Testosteron­mangel, Prostata­vorsorge, Kinderlosigkeit aus männlicher Ursache und psychosomatische Aspekte der Sexual­medizin sind heute fester Bestandteil der ärztlichen Praxis und auch in unserer Apotheke ein Thema, über das deutlich offener gesprochen wird als noch in den 1990er Jahren. Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen verständlichen Überblick über die anatomischen und physiologischen Grundlagen, die hormonelle Steuerung, die Lebensphasen von der Pubertät bis zur Andropause sowie über die wichtigsten Vorsorgeangebote, die Männer in jedem Lebensabschnitt kennen sollten.

Anatomie der männlichen Geschlechtsorgane

Die männlichen Geschlechts­organe gliedern sich in äußere und innere Anteile. Zu den äußeren Geschlechts­organen zählen der Penis und der Hodensack (Skrotum) mit den darin liegenden Hoden. Der Penis besteht aus zwei Schwellkörpern (Corpora cavernosa) auf der Oberseite und einem dritten, kleineren Schwell­körper (Corpus spongiosum), der die Harnröhre umschließt und an der Spitze die Eichel (Glans penis) bildet. Die Schwellkörper sind von einer derben Bindegewebs­hülle (Tunica albuginea) umgeben; ihre schwammartige Binnen­struktur kann sich mit Blut füllen und so die Versteifung beim Geschlechts­verkehr ermöglichen. Der Penis wird beim Mann in der Regel von einer Vorhaut (Präputium) bedeckt, die in den ersten Lebens­jahren noch mit der Eichel verklebt ist und sich erst im Laufe der Kindheit löst.

Das Skrotum ist mehr als eine bloße Hülle für die Hoden. Es ist eine fein konstruierte Tasche mit einer eigenen Muskel­schicht (Tunica dartos und Musculus cremaster), die die Position der Hoden in Abhängigkeit von der Außentemperatur reguliert. Bei Kälte zieht der Cremaster die Hoden näher an den Körper heran, bei Wärme entspannt er sich und lässt sie hängen. Diese Temperatur­regulation ist nicht kosmetisch, sondern biologisch notwendig: die Spermien­produktion (Spermatogenese) verläuft am besten bei einer Hodentemperatur, die um etwa zwei bis drei Grad unter der Körper­kern­temperatur liegt.

Im Inneren des Skrotums liegen die paarig angelegten Hoden (Testes). Sie sind etwa 4 bis 5 Zentimeter lang, 2,5 bis 3 Zentimeter breit und wiegen jeweils zwischen 15 und 25 Gramm. Aus funktioneller Sicht erfüllen die Hoden zwei zentrale Aufgaben: erstens die Produktion der Spermien in den Samen­kanälchen (Tubuli seminiferi), und zweitens die Produktion des männlichen Sexual­hormons Testosteron in den Leydig-Zwischen­zellen. Beide Funktionen sind voneinander abhängig, werden aber durch unterschiedliche Hormone gesteuert und können auch getrennt voneinander gestört sein. Dem Hoden direkt aufgelagert liegt der Nebenhoden (Epididymis), ein gewundenes Schlauchsystem von etwa fünf bis sechs Metern Gesamtlänge. Hier reifen die in den Hoden gebildeten Spermien innerhalb von zwölf bis vierzehn Tagen zur vollen Beweglichkeit heran und werden bis zum Samen­erguss gespeichert.

Aus dem Nebenhoden zieht beidseits der Samenleiter (Ductus deferens, Vas deferens) durch den Leistenkanal in das kleine Becken. Dort vereinigt er sich mit den Ausführungs­gängen der Samenblasen (Vesiculae seminales) zu den Spritz­kanälen (Ductus ejaculatorii), die schließlich in die Harnröhre einmünden. Die Samen­blasen sind paarige, etwa fünf Zentimeter lange Drüsen, die ein dickflüssiges, fructose­reiches Sekret beisteuern, das den Spermien als Energie­quelle dient. Sie liefern den größten Anteil des Ejakulat­volumens, etwa 60 bis 70 Prozent.

Direkt unterhalb der Harnblase liegt die Prostata (Vorsteher­drüse). Sie umschließt die Harnröhre kragenförmig und gibt ein dünnflüssiges, leicht saures Sekret in den Samen ab, das etwa 20 bis 30 Prozent des Ejakulats ausmacht. Das Prostata­sekret enthält unter anderem das prostata­spezifische Antigen (PSA), Zink und prostata­eigene Enzyme, die das Sperma verflüssigen und die Beweglichkeit der Spermien fördern. Die Prostata wächst lebenslang weiter; im jungen Erwachsenenalter wiegt sie etwa 20 Gramm, im siebten und achten Lebens­jahrzehnt kann sie eine Größe von 80 Gramm und mehr erreichen. Die Cowper-Drüsen (Glandulae bulbourethrales) als kleinste Anhangsdrüse sondern bei sexueller Erregung ein klares, gleitfähiges Sekret ab, das die Harnröhre für den nachfolgenden Samen­erguss vorbereitet.

Hormonregulation – die Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse

Die Steuerung der männlichen Fortpflanzungs­funktion erfolgt über eine fein abgestimmte hormonelle Regelschleife, die als Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse (auch Hypothalamus-Hypophysen-Hoden-Achse) bezeichnet wird. An ihrer Spitze steht der Hypothalamus, ein Areal im Zwischenhirn, das in pulsatiler Form das Gonadotropin-releasing Hormon (GnRH) ausschüttet. Dieser Puls­rhythmus ist entscheidend: würde GnRH kontinuierlich abgegeben, käme die nachgeschaltete Hormon­produktion zum Erliegen – ein Effekt, den man in der Krebs­therapie therapeutisch nutzt, wenn man die Testosteron­produktion durch Dauer­gabe eines GnRH-Analogons unterdrücken möchte.

GnRH wirkt auf die vorderen Anteile der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) und stimuliert dort die Ausschüttung der beiden Gonadotropine LH (luteinisierendes Hormon) und FSH (follikel­stimulierendes Hormon). Beide Hormone wirken an unterschiedlichen Zielzellen im Hoden. LH stimuliert die Leydig-Zwischen­zellen, die daraufhin Testosteron bilden und in den Blutkreislauf abgeben. FSH wirkt auf die Sertoli-Zellen in den Samen­kanälchen, die ihrerseits die Spermatogenese unterstützen und ein Eiweiß namens Inhibin produzieren, das die FSH-Ausschüttung in der Hypophyse bremst.

Testosteron selbst wirkt über eine negative Rückkopplung auf den Hypothalamus und auf die Hypophyse zurück: steigen die Testosteron­spiegel im Blut, sinkt die GnRH- und LH-Ausschüttung; fallen sie ab, steigen sie wieder an. Diese Regelung sorgt unter normalen Bedingungen für eine bemerkenswert stabile Testosteron­konzentration im Blut, die allerdings einer Tages­rhythmik unterliegt: die Werte sind in den frühen Morgen­stunden zwischen sechs und neun Uhr am höchsten und am späten Nachmittag und Abend deutlich niedriger. Diesen Umstand muss man bei der Blutabnahme zur Diagnostik eines möglichen Testosteron­mangels berücksichtigen – eine Bestimmung um die Mittagszeit oder am Nachmittag ist wenig aussagekräftig.

Testosteron entfaltet seine Wirkung an einer Vielzahl von Zielorganen: an den Haar­follikeln (Bartwuchs, Körper­behaarung, in genetisch veranlagten Köpfen auch der androgenetische Haarausfall), am Kehlkopf (Stimm­bruch in der Pubertät), an der Muskulatur (anaboler Effekt mit Aufbau von Muskelmasse), am Knochen (Stimulation des Knochen­aufbaus und Mineralisierung), am Fettstoffwechsel, an der blut­bildenden Knochen­mark­funktion (Stimulation der Erythropoese), an der Libido und an der Stimmung. Ein Teil dieser Wirkungen wird nicht durch Testosteron selbst, sondern durch das deutlich stärker wirksame Dihydrotestosteron (DHT) ausgelöst, das in vielen Zielgeweben durch das Enzym 5-Alpha-Reduktase aus Testosteron gebildet wird. Ein kleinerer Teil wird durch das Enzym Aromatase in Estradiol umgewandelt – auch der Mann benötigt physiologische Mengen Östrogen, etwa für die Knochengesundheit und für die Steuerung der Rückkopplung in der Hypothalamus-Hypophysen-Achse.

Pubertät und Tanner-Stadien

Die Pubertät ist die Lebens­phase, in der aus dem Jungen ein geschlechts­reifer junger Mann wird. Sie wird in Mitteleuropa heute durchschnittlich zwischen dem neunten und dem vierzehnten Lebensjahr eingeleitet und dauert etwa vier bis sechs Jahre. Ihr Beginn ist molekular gut verstanden: nach einer Phase der nächtlichen Ruhe in den Kindheits­jahren beginnen die GnRH-Pulse im Hypothalamus zunächst nachts wieder zu erscheinen, später dann auch tagsüber. Daraufhin steigen LH und FSH, das Hodenvolumen wächst, und es kommt zur Bildung der ersten Spermien. Auch die Wirkung der Neben­nieren­rinden­hormone (Adrenarche) trägt zur körperlichen Reifung bei, insbesondere zur Bildung der Scham- und Achselbehaarung.

Die körperliche Pubertäts­entwicklung wird seit den Arbeiten des britischen Kinderarztes James Tanner in den Tanner-Stadien beschrieben. Beim Jungen orientiert man sich an der Größe der Hoden, an der Penisentwicklung und an der Schambehaarung (Pubarche). Tanner-Stadium I ist das präpubertäre Stadium mit kindlichen Geschlechts­organen und ohne Schambehaarung. Stadium II ist der eigentliche Pubertäts­beginn: das Hodenvolumen steigt erstmals über 3 bis 4 Milliliter, die Skrotal­haut wird röter und gröber, einzelne lange Schamhaare erscheinen an der Penisbasis. In Stadium III wachsen Penis und Hoden weiter, die Schambehaarung wird dichter und gekräuselt; im Mittel fällt in diese Phase der Stimm­bruch und der pubertäre Wachstums­schub mit einer Wachstums­geschwindigkeit von acht bis zwölf Zentimetern pro Jahr. Stadium IV bringt einen weiter zunehmenden Penis­umfang, die Pigmentierung der Eichel, die Ausbildung des männlichen Schambehaarungs­musters (rhombisch zum Bauchnabel hin) und den Beginn der Bartbehaarung. Stadium V entspricht dem voll ausgereiften erwachsenen Geschlechts­apparat. Wann ein Junge welches Stadium erreicht, ist individuell sehr unterschiedlich; relevant sind in erster Linie ausgeprägte Abweichungen: bleibt ein Junge bis zum Ende des 14. Lebens­jahrs im Tanner-Stadium I (verspätete Pubertät), oder beginnt die Pubertät vor dem neunten Geburtstag (vorzeitige Pubertät), sollte das kinderärztlich abgeklärt werden.

Andropause – gibt es einen Wechseljahre des Mannes?

Der Begriff „Wechsel­jahre des Mannes“ oder „Andropause“ ist medizinisch nicht ganz treffend, hat sich aber in der Allgemein­sprache durchgesetzt. Anders als bei der Frau, deren Eierstock­funktion mit der Menopause relativ abrupt erlischt, sinkt das Testosteron beim Mann ab dem dritten bis vierten Lebens­jahrzehnt langsam und kontinuierlich um etwa ein bis zwei Prozent pro Jahr. Bei der Mehrheit der Männer bleibt das Testosteron auch im hohen Alter noch im physiologisch ausreichenden Bereich; bei einer Minderheit von etwa 10 bis 20 Prozent der über 60-Jährigen sinken die Spiegel jedoch unter den Normbereich, was zu klinisch relevanten Beschwerden führen kann. Für diesen klinisch und laborchemisch nachgewiesenen Mangel hat sich der Begriff später Hypogonadismus oder im englischen Sprachraum late-onset hypogonadism (LOH) etabliert. Die Begriffe Andropause oder „PADAM“ (partielles Androgendefizit des alternden Mannes) werden weniger streng verwendet.

Mögliche Symptome eines Testosteron­mangels umfassen einen Nachlassen der sexuellen Lust (Libido), erektile Dysfunktion, Antriebs­losigkeit, depressive Verstimmung, Schlaf­störungen, Abnahme der Muskelmasse mit gleichzeitiger Zunahme des Bauch­fettes, Abnahme der körperlichen Leistungs­fähigkeit, Hitzewallungen, abnehmende Knochen­dichte mit erhöhtem Osteoporose- und Fraktur­risiko und gelegentlich auch eine Anämie. Wichtig zu wissen: keines dieser Symptome ist für sich genommen spezifisch – Antriebslosigkeit, depressive Verstimmung und nachlassende Libido können tausend andere Ursachen haben, von Schilddrüsen­funktions­störungen über Schlafapnoe und Depressionen bis hin zu chronischen Erkrankungen, Übergewicht und Bewegungsmangel. Eine Testosteron­substitution sollte daher erst nach klarer klinischer Symptomatik und mindestens zweimaliger morgendlicher Blutabnahme mit eindeutig erniedrigten Werten erwogen werden – und auch dann erst, nachdem zugrunde liegende Ursachen wie Übergewicht oder Schlafapnoe behandelt wurden, die das Testosteron oft wieder anheben können.

Vor einer Testosteron­therapie müssen ein Prostata­karzinom und ein höhergradiges schweres Prostata­adenom ausgeschlossen werden, weil Testosteron das Wachstum dieser Erkrankungen beschleunigen kann. Auch ein erhöhter Hämatokrit (Erythrozytose), eine schwere Herz­insuffizienz und eine schwere unbehandelte obstruktive Schlafapnoe sind Kontraindikationen oder zumindest Anlässe für besondere Vorsicht. Eine Testosteron­substitution wird heute in Form von Hautgelen, lang wirkenden Injektionen alle drei Monate oder seltener als orales Präparat verordnet. Die Therapie­überwachung umfasst regelmäßige Kontrollen des Testosterons, des PSA, des Hämoglobins und Hämatokrits sowie des Lipid­profils.

Spermatogenese – wie Spermien entstehen

Die Spermatogenese ist ein faszinierender mehrstufiger Prozess, der in den Samen­kanälchen des Hodens stattfindet und vom Beginn der Pubertät an lebenslang weiterläuft. Aus diploiden Spermatogonien, die der Stamm­zell­population an der Wand der Tubuli angehören, entstehen über mehrere Teilungs- und Reifungs­schritte (primäre Spermatozyte, sekundäre Spermatozyte, Spermatide, schließlich Spermatozoon) die haploiden, befruchtungs­fähigen Spermien. Die ganze Entwicklung von der Stammzelle bis zum reifen Spermium dauert etwa 64 bis 74 Tage. Im Anschluss reifen die Spermien während ihres weiteren Wegs durch den Nebenhoden in weiteren zwölf bis vierzehn Tagen zur vollen Beweglichkeit nach.

Ein gesunder Mann produziert täglich etwa 50 bis 100 Millionen Spermien. Ein einzelnes Ejakulat enthält im Mittel zwischen 1,5 und 6 Milliliter Sperma und beherbergt mehrere zehn bis hundert Millionen Spermien. Die Beurteilung der Samen­qualität in einem Spermio­gramm orientiert sich an den Referenzwerten der Weltgesundheits­organisation (WHO): Volumen, Spermien­konzentration, Gesamt­spermien­zahl, Beweglichkeit (progressiv beweglich versus immotil), Morphologie (Anteil normal geformter Spermien), Vitalität (Anteil lebender Spermien) und einige weitere Parameter werden beurteilt. Eine reduzierte Konzentration heißt Oligo­zoospermie, eine reduzierte Beweglichkeit Astheno­zoospermie, vermehrt fehl­geformte Spermien Terato­zoospermie. Das vollständige Fehlen befruchtungs­fähiger Spermien im Ejakulat nennt man Azoospermie.

Die Spermatogenese reagiert empfindlich auf eine Vielzahl von Einflüssen: Hitze (auch Saunabesuche, Notebooks auf dem Schoß, enge Unterwäsche), Strahlung, eine Reihe von Medikamenten (etwa bestimmte Antibiotika, Sulfasalazin, Anabolika, einige Chemo­therapeutika), Schwermetalle, Rauchen, übermäßiger Alkohol­konsum, Drogen wie Cannabis und Anabolika, schwere Allgemein­erkrankungen und natürlich auch das Alter. Allerdings sind Männer im Gegensatz zu Frauen prinzipiell bis ins hohe Alter zeugungs­fähig – die Spermien­qualität nimmt aber jenseits des 40. Lebens­jahres allmählich ab, und das Risiko bestimmter spontaner Genveränderungen beim Nachwuchs steigt.

Männliche Sexualität und erektile Funktion

Die männliche Sexualität ist ein Zusammenspiel aus körperlichen, hormonellen, vaskulären, neurologischen und psychischen Komponenten. Im Vorder­grund steht die Fähigkeit zur Erektion, also die Versteifung des Penis durch eine vermehrte Blut­füllung der Schwell­körper. Sie wird durch sexuelle Reize ausgelöst, die entweder über die Augen, die Haut, die Vorstellungs­kraft oder direkt taktil eintreffen können. Die Steuerung erfolgt über parasympathische Nerven­fasern aus den Sakral­segmenten S2 bis S4 (Nervus pelvicus, Nervi cavernosi), die in den Schwell­körpern eine entscheidende biochemische Signal­kaskade auslösen.

Im Zentrum dieser Kaskade steht die NO-cGMP-Achse. Aus den Nerven­endigungen und aus dem Schwellkörper­endothel wird der gas­förmige Botenstoff Stickstoffmonoxid (NO) freigesetzt. NO aktiviert in den glatten Muskelzellen der Schwellkörper­arterien und -trabekel die Guanylylcyclase, die das energiereiche Molekül zyklisches Guanosinmonophosphat (cGMP) bildet. cGMP wiederum führt zu einem Calcium­auswärts­strom und damit zur Erschlaffung der glatten Muskelzellen. Die Schwellkörper­arterien weiten sich, das Blut strömt in die Schwellkörper­räume ein, die Schwell­körper dehnen sich aus und komprimieren dabei die Venen, die das Blut normalerweise abfließen lassen würden – der venöse Abstrom wird gedrosselt, der Druck im Schwellkörper steigt, die Erektion entsteht und bleibt stabil. Nach dem Höhepunkt wird das cGMP durch das Enzym Phosphodiesterase 5 (PDE5) wieder abgebaut, die Muskulatur kontrahiert, die Schwell­körper entleeren sich, die Erektion klingt ab. An genau diesem Enzym setzen die bekannten Medikamente Sildenafil, Tadalafil, Vardenafil und Avanafil an: sie hemmen die PDE5 und verlängern damit die Wirkung des körper­eigenen cGMP.

Eine erektile Dysfunktion liegt vor, wenn ein Mann über mindestens sechs Monate hinweg überwiegend nicht in der Lage ist, eine für den Geschlechts­verkehr ausreichende Erektion zu erzielen oder aufrecht zu erhalten. Die Ursachen sind in den meisten Fällen multifaktoriell. Vaskuläre Ursachen (Arterio­sklerose der Penis­arterien, oft Vorbote einer generalisierten Gefäß­erkrankung), neurogene Ursachen (Diabetes mellitus mit autonomer Neuropathie, Multiple Sklerose, Bandscheiben­vorfälle, Schäden nach Prostata- oder Becken­operationen), endokrine Ursachen (Testosteron­mangel, Schilddrüsen­funktions­störungen, Hyperprolaktinämie), Medikamenten­neben­wirkungen (insbesondere viele Antihypertonika wie Beta­blocker und Thiazide, einige Antidepressiva, manche Psycho­pharmaka, Finasterid), Lebensstil (Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel, übermäßiger Alkohol­konsum) und nicht zuletzt psychogene Faktoren wie Stress, Beziehungs­konflikte, Depression, Angst­störungen und Versagens­ängste spielen eine Rolle. Wichtig ist die Erkenntnis: eine neu auftretende erektile Dysfunktion bei einem Mann mittleren Alters ohne bekannte Vorerkrankung sollte als Warnsignal für eine möglicherweise zugrunde liegende Herz-Kreislauf-Erkrankung verstanden werden – nicht selten lässt sich Jahre vor einem Herzinfarkt eine zunehmende Erektions­schwäche nachweisen.

Vorsorge – PSA, Hodenselbstuntersuchung, kardiovaskuläres Screening

Männergesundheit ist zu einem großen Teil eine Frage der Prävention. Drei Vorsorge­bereiche stehen im Vordergrund: die Prostata, die Hoden und das Herz-Kreislauf-System.

Die Prostata­vorsorge wird in Deutschland ab dem 45. Lebensjahr als jährliche Untersuchung von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Im Mittelpunkt steht die digitale rektale Untersuchung durch den urologisch oder allgemein­medizinisch tätigen Arzt, bei der Größe, Konsistenz und Oberfläche der Prostata getastet werden. Ergänzend kann die Bestimmung des prostata­spezifischen Antigens (PSA) im Blut sinnvoll sein. Das PSA ist ein von der Prostata gebildetes Eiweiß; seine Konzentration im Blut steigt bei einer Prostata­vergrößerung, bei einer Prostata­entzündung und bei einem Prostata­karzinom. Die Bewertung des PSA ist allerdings differenziert: Werte unter 4 Nanogramm pro Milliliter werden meist als unauffällig betrachtet, Werte zwischen 4 und 10 als kontroll­bedürftig, höhere Werte als abklärungs­bedürftig. Die alleinige Höhe ist aber nicht entscheidend – auch der zeitliche Verlauf (PSA-Velocity), das Verhältnis von freiem zu gebundenem PSA sowie die Prostata­größe (PSA-Dichte) fließen in die Bewertung ein. Die Diskussion, ob eine PSA-Bestimmung als Screening allen Männern empfohlen werden soll, ist nicht abgeschlossen; verschiedene Fach­gesellschaften kommen zu unterschiedlichen Empfehlungen. Wir empfehlen, die Frage einer PSA-Bestimmung individuell mit der Urologin oder dem Urologen zu besprechen, insbesondere wenn in der Familie Prostata­karzinome aufgetreten sind oder andere Risikofaktoren vorliegen.

Die Hoden­selbst­untersuchung ist eine einfache und sehr wirksame Maßnahme zur Früherkennung des Hoden­karzinoms. Dieser Tumor ist mit etwa 10 Neuerkrankungen pro 100.000 Männer pro Jahr selten, betrifft aber häufig junge Männer zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr – eine Altersgruppe, die sonst kaum mit Krebs­erkrankungen rechnet. Die Heilungschancen sind bei früher Erkennung sehr gut. Die Selbstuntersuchung sollte jeder junge Mann einmal im Monat durchführen, am besten nach einer warmen Dusche, wenn die Skrotalhaut entspannt ist. Jeder Hoden wird zwischen Daumen und Zeigefinger sanft abgetastet; es wird auf Knoten, derbe Verhärtungen, Größen­unterschiede oder Druckschmerz geachtet. Auffälligkeiten sollten zügig urologisch abgeklärt werden – eine Tastauffälligkeit ist in vielen Fällen harmlos (etwa eine Spermatozele, ein Hydrozele oder eine Varikozele), aber jede Verzögerung bei einem echten Hoden­tumor kostet wertvolle Zeit.

Das kardiovaskuläre Screening wird in Deutschland im Rahmen des sogenannten Check-up 35 ab dem 35. Lebensjahr alle drei Jahre angeboten. Es umfasst eine ärztliche Anamnese, eine körperliche Untersuchung, die Bestimmung von Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin, eine Urin­untersuchung sowie eine Beratung zu individuellen Risikofaktoren. Männer profitieren ganz besonders davon, weil sie statistisch früher und häufiger an Herzinfarkten, Schlaganfällen und Gefäß­erkrankungen erkranken als Frauen vergleichbaren Alters. Wer hier rechtzeitig den Blut­druck einstellt, das Cholesterin senkt, mit dem Rauchen aufhört, das Körpergewicht reduziert und sich regelmäßig bewegt, kann sein Risiko für die häufigsten Männer­todesursachen drastisch senken – und nebenbei einer erektilen Dysfunktion vorbeugen, denn die kleinen Penis­arterien sind ein sehr empfindlicher Frühindikator einer beginnenden Arterio­sklerose.

Häufige urologische Beschwerden im Lebensverlauf

Im Laufe seines Lebens begegnet jeder Mann mit hoher Wahrscheinlichkeit dem einen oder anderen urologischen Beschwerde­bild. In der Kindheit sind es Hodenhochstand (Kryptorchismus), Phimose (Vorhautenge), Hodentorsion (akute Verdrehung des Hodens mit drohendem Gewebs­tod, ein urologischer Notfall) und gelegentlich Harnweg­sinfekte oder Bettnässen. Im jungen Erwachsenenalter sind sexuell übertragbare Erkrankungen ein Thema (Chlamydien, Gonorrhoe, Syphilis, HPV, HIV), ebenso die ersten Hoden­tumoren, die zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr ihren Häufigkeits­gipfel haben.

Im mittleren Lebensalter rücken Nieren­steine, Prostata­entzündungen (akute und chronische Prostatitis), die ersten Symptome einer benignen Prostata­hyperplasie sowie funktionelle Sexualstörungen in den Vordergrund. Ab dem sechsten Lebens­jahrzehnt sind Reizblase, abgeschwächter Harnstrahl, häufiges nächtliches Wasserlassen (Nykturie), Restharn­gefühl, Inkontinenz, gut- und bösartige Prostata­erkrankungen, Hoden­wasserbruch (Hydrozele) und die abnehmende sexuelle Funktion die häufigen Anliegen. Eine spezifische Bewertung der unteren Harnwegs­symptome (sogenannte LUTS – lower urinary tract symptoms) erfolgt häufig mit dem standardisierten Fragebogen IPSS (International Prostate Symptom Score), der sieben Fragen zur Miktion und eine Frage zur Lebens­qualität umfasst.

Vieles davon ist mit modernen Therapien sehr gut behandelbar – vorausgesetzt, Männer suchen rechtzeitig ärztliche oder apothekerliche Beratung. Genau hier liegt die Krux: eine wiederkehrende Erfahrung zeigt, dass Männer im Schnitt deutlich später eine medizinische Abklärung anstreben als Frauen vergleichbaren Alters. Eine offene Gesprächs­kultur in Familie, Partnerschaft, Apotheke und Hausarzt­praxis ist dabei ein wesentliches Instrument der Prävention.

Wir beraten Sie in der Schwanen-Apotheke

Männergesundheit ist in der Schwanen-Apotheke Duisburg ein wichtiges Beratungs­feld – auch wenn unsere Kundschaft diese Themen oft nicht von sich aus anspricht. Wir versuchen, in unseren Beratungen aktiv und zugleich diskret zuzuhören, einen freundlichen Zugang zu schaffen und auf Wunsch in unseren abgesetzten Beratungs­bereich umzuziehen, in dem niemand ungewollt mithören kann. Ob es um die Auswahl eines pflanzlichen Präparates bei Reizblase oder beginnenden Miktions­beschwerden geht, um die Beratung zu PDE5-Hemmern und ihren Wechsel­wirkungen, um Hilfen bei Inkontinenz, um die richtige Anwendung von Testosteron­gelen, um Beratung zu Nahrungs­ergänzungs­mitteln mit Selen, Zink oder Vitamin D, um Vorsorge­informationen, oder um die Begleitung nach einer Prostata­operation – wir nehmen uns Zeit für Sie und sprechen Klartext.

Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden urologisch oder allgemein­medizinisch abgeklärt werden sollten, helfen wir Ihnen, eine vernünftige Einschätzung zu treffen. Bei chronischen Erkrankungen mit Männer­bezug – Diabetes, Bluthochdruck, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlafapnoe – bieten wir Ihnen Medikations­analysen an, in denen wir gemeinsam Ihre Arzneimittel auf Wechsel­wirkungen, Doppel­verordnungen und Optimierungs­möglichkeiten durchgehen. Weitere Informationen zu den hier nur kurz angerissenen Themen finden Sie auf den Unterseiten Erkrankungen der Prostata und Erkrankungen von Hoden und Nebenhoden. Besuchen Sie uns gerne in der Apotheke oder kontaktieren Sie uns über unser Kontaktformular – wir freuen uns auf Ihren Besuch.

Redaktion Schwanen-Apotheke Duisburg, Quellen: Deutsche Gesellschaft für Urologie (DGU), European Association of Urology (EAU) Guidelines, AWMF S3-Leitlinien zu Hodentumoren, Prostatakarzinom, BPH und Erektile Dysfunktion, Pschyrembel Klinisches Wörterbuch, Stand 2026