Menstruationszyklus und Wechseljahre
Der weibliche Zyklus begleitet die meisten Frauen rund vier Jahrzehnte ihres Lebens – von der ersten Regelblutung (Menarche), die in Deutschland im Mittel mit zwölf bis dreizehn Jahren einsetzt, bis zur letzten Regelblutung (Menopause), die durchschnittlich um das 51. Lebensjahr stattfindet. In dieser Zeit folgt der Körper einem fein abgestimmten hormonellen Rhythmus, der Eireifung und Eisprung, eine mögliche Schwangerschaft und, falls keine Befruchtung stattfindet, die monatliche Abstoßung der Gebärmutterschleimhaut steuert. Im Anschluss an die fruchtbare Lebensphase folgt mit dem Klimakterium eine mehrjährige Umstellungsphase, in der die Eierstöcke ihre Funktion nach und nach einstellen und der Körper sich an ein dauerhaft niedriges Hormonniveau gewöhnen muss. Auf dieser Seite erklären wir Ihnen leicht verständlich, wie der normale Zyklus funktioniert, welche Zyklusstörungen es gibt, was hinter dem prämenstruellen Syndrom steckt, welche Beschwerden in den Wechseljahren auftreten können, welche Therapien zur Verfügung stehen und was Sie selbst tun können, um sich in jeder Lebensphase wohl zu fühlen.
Der normale Zyklus – Follikel-, Ovulations- und Lutealphase
Ein durchschnittlicher Menstruationszyklus dauert 28 Tage, wobei Zyklen zwischen 21 und 35 Tagen als normal gelten. Die Zählung beginnt am ersten Tag der Regelblutung. Der Zyklus lässt sich in mehrere Phasen einteilen, die nahtlos ineinander übergehen und jeweils von unterschiedlichen Hormonen dominiert werden. In der Follikelphase reift unter dem Einfluss des follikelstimulierenden Hormons (FSH) aus der Hirnanhangsdrüse einer der zahlreichen Primordialfollikel im Eierstock zum sprungbereiten Graaf-Follikel heran. Dieser Follikel produziert in steigenden Mengen Östrogen, das gleichzeitig die Gebärmutterschleimhaut zum erneuten Aufbau anregt und im Hypothalamus eine empfindliche Rückkopplung steuert.
Etwa in der Zyklusmitte, im Mittel um den 14. Tag, kommt es zu einem sprunghaften Anstieg des luteinisierenden Hormons (LH) – dem sogenannten LH-Peak. Dieser Hormonausstoß löst innerhalb von 24 bis 36 Stunden den Eisprung (Ovulation) aus: der reife Follikel platzt, die Eizelle wird freigesetzt und vom Fimbrientrichter des Eileiters aufgefangen. Etwa zur gleichen Zeit verändert sich der Zervixschleim – er wird klar, fadenziehend und durchlässiger für Spermien. Auch die Körperkerntemperatur steigt jetzt um etwa 0,3 bis 0,5 Grad Celsius an, ein Phänomen, das Frauen mit Kinderwunsch für die Bestimmung ihrer fruchtbaren Tage nutzen können.
In der anschließenden Lutealphase wandelt sich der zurückgebliebene Follikel im Eierstock zum Gelbkörper (Corpus luteum) um. Dieser produziert in großen Mengen Progesteron, das die Schleimhaut sekretorisch umbaut und damit auf die mögliche Einnistung einer befruchteten Eizelle vorbereitet. Bleibt eine Befruchtung aus, geht der Gelbkörper nach etwa zwölf bis vierzehn Tagen zugrunde, die Östrogen- und Progesteronspiegel fallen ab, die Schleimhaut wird nicht mehr versorgt und stößt sich mit der nächsten Regelblutung ab. Damit beginnt ein neuer Zyklus. Die exakte Steuerung erfolgt über eine komplexe Rückkopplungsschleife zwischen Hypothalamus, Hypophyse und Eierstöcken, die als Hypothalamus-Hypophysen-Ovar-Achse bezeichnet wird.
Zyklusstörungen – wenn die Regel aus dem Takt gerät
Nicht jeder Zyklus läuft so regelmäßig ab wie im Lehrbuch beschrieben. Stress, Reisen, ein verändertes Körpergewicht, Leistungssport, hormonelle Verhütungsmittel oder gesundheitliche Probleme können den Rhythmus durcheinanderbringen. Halten sich solche Unregelmäßigkeiten über mehrere Zyklen oder treten sie immer wieder auf, spricht man von einer Zyklusstörung. Diese werden nach klaren Begriffen unterschieden. Eine Amenorrhoe bezeichnet das vollständige Ausbleiben der Regelblutung. Die primäre Amenorrhoe meint, dass die Menarche bis zum 16. Lebensjahr nicht eingesetzt hat – sie sollte gynäkologisch abgeklärt werden. Die sekundäre Amenorrhoe bezeichnet das Ausbleiben der Regel für mehr als drei Monate bei einer Frau, die zuvor regelmäßige Zyklen hatte. Häufige Ursachen sind eine Schwangerschaft, ein massiver Gewichtsverlust (zum Beispiel bei Anorexia nervosa oder bei Leistungssportlerinnen), Stress, ein Prolaktinüberschuss oder Schilddrüsenfunktionsstörungen.
Eine Oligomenorrhoe bezeichnet zu seltene Blutungen mit Zyklusabständen über 35 Tagen. Sie tritt häufig bei jungen Frauen in den ersten Jahren nach der Menarche auf und ist nicht selten Folge eines polyzystischen Ovarialsyndroms (PCOS), bei dem zahlreiche kleine Follikel im Eierstock heranreifen, ohne zum Eisprung zu kommen. Das Gegenteil – zu häufige Blutungen mit Zyklusabständen unter 25 Tagen – nennt sich Polymenorrhoe. Sie kann durch eine verkürzte Follikel- oder Lutealphase entstehen und in den Wechseljahren als Übergangsphänomen auftreten.
Die Hypermenorrhoe bezeichnet eine zu starke Regelblutung – in der Praxis spricht man davon, wenn pro Zyklus mehr als 80 Milliliter Blut verloren werden oder wenn die Frau alle ein bis zwei Stunden eine Binde oder einen Tampon wechseln muss. Häufige Ursachen sind Myome der Gebärmutter, Adenomyose, Endometriumpolypen, Hormonstörungen oder eine Gerinnungsstörung. Die Menorrhagie bezeichnet zu lang anhaltende Blutungen über sieben Tage hinaus. Eine Metrorrhagie sind Zwischenblutungen außerhalb des erwarteten Zyklus. Sie können harmlos sein, sollten aber immer ärztlich abgeklärt werden, weil sie auch Hinweis auf einen Polypen, ein Myom oder – in selteneren Fällen – auf eine bösartige Veränderung sein können.
Schmerzhafte Regelblutungen heißen Dysmenorrhoe. Sie sind ein sehr häufiges Problem – rund 50 bis 80 Prozent aller Frauen sind zumindest gelegentlich davon betroffen. Bei der primären Dysmenorrhoe liegt keine organische Ursache zugrunde; die Beschwerden entstehen durch eine vermehrte Bildung von Prostaglandinen in der Schleimhaut, die zu kräftigen Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur führen. Sie beginnt meist mit der Menarche und bessert sich nicht selten nach der ersten Geburt. Die sekundäre Dysmenorrhoe tritt erst Jahre nach der Menarche auf und ist Folge einer organischen Erkrankung, am häufigsten einer Endometriose, eines Myoms oder einer chronischen Adnexentzündung. Sie gehört in gynäkologische Hand. Bei der primären Form helfen oft entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen oder Naproxen, gelegentliche Anwendung von Wärme (Wärmflasche, warmes Bad), leichte Bewegung, Entspannungstechniken und gegebenenfalls hormonelle Verhütungsmittel.
Prämenstruelles Syndrom (PMS) und prämenstruelle dysphorische Störung (PMDS)
Viele Frauen kennen die körperlichen und seelischen Beschwerden, die in den Tagen vor der Regelblutung auftreten können: Spannungsgefühl in den Brüsten, Wassereinlagerungen, Blähungen, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, depressive Verstimmung, Heißhunger, Schlafstörungen oder Konzentrationsprobleme. Dieses Beschwerdebild fasst man unter dem Begriff prämenstruelles Syndrom (PMS) zusammen. Charakteristisch ist, dass die Beschwerden in der zweiten Zyklushälfte (Lutealphase) auftreten und mit Einsetzen der Regelblutung wieder verschwinden. Die Ursachen sind nicht vollständig geklärt; vermutet wird ein komplexes Zusammenspiel zwischen den fallenden Östrogen- und Progesteronspiegeln in der späten Lutealphase, dem Serotoninstoffwechsel im Gehirn und einer individuellen Empfindlichkeit gegenüber Hormonschwankungen.
Bei einer kleinen Untergruppe von Frauen sind die Beschwerden so ausgeprägt, dass sie das Berufs-, Familien- und Privatleben deutlich beeinträchtigen. In diesen Fällen spricht man von einer prämenstruellen dysphorischen Störung (PMDS). Die PMDS wurde inzwischen in das amerikanische Klassifikationssystem DSM-5 als eigenständiges Krankheitsbild aufgenommen. Im Vordergrund stehen ausgeprägte Stimmungsschwankungen, Reizbarkeit, Wut, ein Gefühl der inneren Anspannung oder eine depressive Verstimmung mit Hoffnungslosigkeit. Frauen, die solche Beschwerden bei sich beobachten, sollten zunächst über mindestens zwei Zyklen ein Symptomtagebuch führen, um den zyklischen Charakter der Beschwerden zu dokumentieren. Eine gynäkologisch-psychotherapeutische Begleitung ist oft hilfreich. An Medikamenten kommen je nach Beschwerdebild Mönchspfeffer-Extrakte, kontinuierlich eingenommene niedrig dosierte orale Kontrazeptiva oder, bei ausgeprägter PMDS, selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) in Betracht. Letztere wirken bei der PMDS deutlich schneller als bei einer klassischen Depression – eine Besserung kann sich bereits innerhalb weniger Tage einstellen.
Perimenopause und Klimakterium – typische Beschwerden
Mit dem Ende der vierten und Beginn der fünften Lebensdekade beginnt bei den meisten Frauen die Perimenopause – jene Übergangsphase, in der die Eierstöcke ihre Tätigkeit langsam einstellen. Die Zyklen werden unregelmäßiger, die Hormonspiegel schwanken stärker, einige Zyklen verlaufen ohne Eisprung. Die Menopause selbst bezeichnet die letzte spontane Regelblutung – sie kann nur rückblickend datiert werden, nachdem eine Frau zwölf Monate keine Blutung mehr hatte. In Deutschland tritt sie im Mittel mit 51 Jahren ein. Vor der Menopause spricht man von Prämenopause, nach der Menopause von Postmenopause. Der gesamte Zeitraum mit hormonellen Umstellungsphänomenen, der mehrere Jahre vor und mehrere Jahre nach der letzten Regel umfasst, wird als Klimakterium oder Wechseljahre bezeichnet.
Bekannt und für viele Frauen belastend sind die Hitzewallungen: plötzlich einschießendes Wärmegefühl mit Rötung und Schweißausbruch, das mehrere Sekunden bis Minuten andauern kann. Häufig treten sie auch nachts auf und führen zu Schweißausbrüchen mit nachfolgenden Schlafstörungen. Etwa zwei Drittel aller Frauen erleben Hitzewallungen, ein Teil davon nur leicht und vorübergehend, andere über mehrere Jahre und in einer Intensität, die die Lebensqualität spürbar einschränkt. Pathophysiologisch werden sie auf eine Verstellung des Wärmeregulationszentrums im Hypothalamus durch die fallenden Östrogenspiegel zurückgeführt.
Daneben beobachten viele Frauen Stimmungsschwankungen, eine erhöhte Reizbarkeit, depressive Verstimmungen, Antriebsschwäche oder ein verändertes Selbstbild. Manche dieser Beschwerden sind direkt hormonell bedingt, andere ergeben sich aus der Lebensphase – Kinder verlassen das Haus, die Eltern werden pflegebedürftig, der eigene Körper verändert sich sichtbar. Eine offene Auseinandersetzung mit dieser Lebensphase, ein wohlwollendes Verständnis der eigenen Veränderung und gegebenenfalls eine professionelle Begleitung können sehr hilfreich sein.
Ein häufiges, aber selten offen besprochenes Problem ist die zunehmende Scheidentrockenheit. Der Östrogenmangel führt zu einer Verdünnung der Schleimhaut von Scheide und Harnröhre, zu einem Verlust der natürlichen Befeuchtung und damit zu Beschwerden beim Geschlechtsverkehr, gelegentlich auch zu Brennen, Juckreiz oder einer Häufung von Blasenentzündungen. Diese Veränderungen werden unter dem Begriff urogenitales Menopausensyndrom zusammengefasst. Sie sind gut behandelbar und sollten kein Tabuthema bleiben – lokale Östrogenpräparate, befeuchtende Vaginalgele oder Hyaluronsäurepräparate können sehr wirksam helfen.
Eine langfristige, oft unterschätzte Folge des Östrogenmangels ist das erhöhte Osteoporose-Risiko. Östrogen hemmt den Knochenabbau und fördert den Knochenaufbau; fällt es weg, gerät der Knochenstoffwechsel aus dem Gleichgewicht, und die Knochendichte nimmt insbesondere in den ersten fünf bis zehn Jahren nach der Menopause beschleunigt ab. Auch das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt nach den Wechseljahren an, weil Östrogen einen schützenden Effekt auf die Gefäße hatte. Diese Spätfolgen rechtfertigen es, sich in der Lebensmitte gezielt mit Ernährung, Bewegung und gegebenenfalls einer Knochendichtemessung zu beschäftigen.
Hormonersatztherapie (HRT/MHT)
Wenn Wechseljahresbeschwerden die Lebensqualität deutlich beeinträchtigen, kann eine Hormonersatztherapie (HRT) – in der neueren Nomenklatur auch Menopausale Hormontherapie (MHT) genannt – eine sehr wirksame Behandlungsoption sein. Sie ersetzt die fehlenden Hormone und kann Hitzewallungen, Schlafstörungen, Stimmungsschwankungen und Schleimhautveränderungen oft eindrucksvoll bessern. Eingesetzt werden in erster Linie Östrogene, bei Frauen mit erhaltener Gebärmutter immer in Kombination mit einem Gestagen, weil eine alleinige Östrogengabe das Risiko für ein Endometriumkarzinom erhöhen würde. Die Anwendung kann oral (Tablette), transdermal (Pflaster, Gel, Spray) oder lokal (Vaginalcreme, Vaginaltablette, Vaginalring) erfolgen.
Indikationen für eine systemische HRT sind insbesondere belastende vasomotorische Beschwerden (Hitzewallungen, nächtliche Schweißausbrüche), ausgeprägte Schlafstörungen und eine vorzeitige Ovarialinsuffizienz vor dem 40. Lebensjahr. Auch die Prävention einer Osteoporose kann in bestimmten Konstellationen ein Mit-Argument für eine HRT sein. Die Therapie wird heute „so niedrig wie möglich, so lange wie nötig“ dosiert, mit dem Ziel, die Beschwerden zu lindern, ohne Risiken unnötig auszuweiten.
Die Risikoabwägung einer HRT muss individuell erfolgen. Aus großen Studien wie der Women's Health Initiative weiß man, dass eine längerfristige kombinierte HRT mit einer leichten Erhöhung des Brustkrebsrisikos sowie des Risikos für tiefe Beinvenenthrombosen, Lungenembolien und Schlaganfälle einhergehen kann. Andererseits senkt sie das Risiko für osteoporosebedingte Frakturen und für Darmkrebs. Bei Beginn innerhalb der ersten zehn Jahre nach der Menopause überwiegt für viele Frauen der Nutzen, später dagegen verschiebt sich das Verhältnis zuungunsten der Therapie (sogenanntes „window of opportunity“). Transdermale Anwendungen scheinen das Thromboserisiko weniger zu erhöhen als orale Präparate. Frauen mit einer Vorgeschichte von Brustkrebs, hormonabhängigen Tumoren, durchgemachten Thrombosen oder schwerer Lebererkrankung dürfen in der Regel keine systemische HRT erhalten.
Häufig wird in den Medien über bioidentische Hormone diskutiert. Damit sind Hormone gemeint, die in ihrer Struktur exakt den körpereigenen Steroidhormonen entsprechen – etwa 17-Beta-Estradiol oder mikronisiertes Progesteron. Sie sind sowohl als zugelassene Fertigarzneimittel als auch in Form individuell gemischter Rezepturen erhältlich. Wichtig ist: „bioidentisch“ ist kein Synonym für „risikofrei“. Auch bioidentische Präparate haben die typischen Wirkungen und Nebenwirkungen einer HRT. Wir empfehlen, sich an zugelassene Präparate zu halten, deren Dosisgenauigkeit und Reinheit gewährleistet ist. Die individuelle Rezeptur ist nur in begründeten Ausnahmefällen sinnvoll.
Eine besondere Stellung haben lokale Östrogene in Form von Vaginalcremes, -tabletten oder -ringen mit niedrig dosiertem Estriol oder Estradiol. Sie werden sehr gering systemisch resorbiert und kommen daher auch für viele Frauen in Betracht, denen eine systemische HRT nicht möglich ist. Sie sind hochwirksam bei urogenitalen Beschwerden, lindern Trockenheit, Schmerzen beim Geschlechtsverkehr und reduzieren die Häufigkeit wiederkehrender Harnwegsinfekte. In ausgewählten Fällen können sie sogar nach einer Brustkrebserkrankung in Absprache mit Onkologin oder Onkologe eingesetzt werden.
Pflanzliche Alternativen und Phytotherapie
Wenn eine HRT nicht gewünscht oder nicht möglich ist, oder wenn die Beschwerden leicht bis mittelschwer ausgeprägt sind, kommen pflanzliche Präparate in Frage. Sie haben in vielen Fällen ein gutes Wirksamkeits-Nebenwirkungs-Profil, sollten aber wie alle Arzneimittel mit Bedacht und unter Beratung eingenommen werden.
Die Traubensilberkerze (Cimicifuga racemosa, Black Cohosh) ist das am besten untersuchte pflanzliche Mittel gegen Wechseljahresbeschwerden. Standardisierte Extrakte können Hitzewallungen, Schlafstörungen und leichte depressive Verstimmungen messbar lindern. Die Wirkung beruht vermutlich auf einer Beeinflussung des Serotoninsystems und nicht, wie früher angenommen, auf einer östrogenartigen Wirkung. Die Verträglichkeit ist im Allgemeinen gut; sehr seltene Fälle von Leberwerterhöhungen sind beschrieben, weshalb bei längerer Einnahme eine gelegentliche Kontrolle der Leberwerte sinnvoll ist. Eine Wirkung tritt erst nach mehreren Wochen ein.
Der Mönchspfeffer (Vitex agnus-castus, Agnus castus) ist insbesondere bei zyklusabhängigen Beschwerden in der Prämenopause hilfreich. Er senkt die Prolaktinausschüttung in der Hirnanhangsdrüse und kann damit Brustspannen, Zwischenblutungen und prämenstruelle Beschwerden lindern. Auch bei PMS hat er in Studien gute Ergebnisse gezeigt. Mönchspfeffer ist nicht das richtige Mittel bei klassischen Wechseljahresbeschwerden wie Hitzewallungen, dafür eine gute Wahl in der Phase, in der Östrogen noch produziert wird, aber die hormonelle Balance schwankt.
Soja-Isoflavone wie Genistein und Daidzein gehören zu den Phytoöstrogenen. Sie binden mit deutlich schwächerer Affinität als körpereigenes Östrogen an Östrogenrezeptoren und können bei einem Teil der Frauen Hitzewallungen lindern. Die Studienlage ist nicht ganz einheitlich, ein Teil der Wirkung scheint von der individuellen Darmflora abzuhängen, die bestimmte Isoflavone erst in die wirksame Form Equol umwandeln muss. Vergleichbare Effekte hat das in der Rotkleeblüte enthaltene Formononetin. Bei Frauen mit hormonabhängigen Tumoren in der Vorgeschichte ist die Einnahme von hochdosierten Phytoöstrogenpräparaten zurückhaltend zu bewerten und sollte ärztlich abgesprochen werden.
Weitere Pflanzen, die in der Frauenheilkunde traditionell oder durch neuere Studien etabliert sind: Frauenmantel bei leichten Zyklusbeschwerden, Schafgarbe bei Krämpfen, Sibirischer Rhabarber (ERr 731) bei Hitzewallungen und Schlafstörungen mit guter Datenlage, Johanniskraut bei depressiver Verstimmung im Klimakterium – allerdings mit zahlreichen relevanten Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln, weshalb hier vor Einnahme unbedingt eine Beratung erforderlich ist.
Osteoporose-Prävention nach den Wechseljahren
Die ersten zehn Jahre nach der Menopause sind für die Knochengesundheit besonders kritisch – in dieser Zeit kann die Knochendichte um bis zu 20 Prozent abnehmen. Eine gezielte Prävention beginnt idealerweise bereits in der Perimenopause. Wichtig sind eine ausreichende Versorgung mit Calcium (etwa 1.000 Milligramm pro Tag, vorzugsweise über die Ernährung – Milchprodukte, Mineralwasser, grünes Blattgemüse, Tofu, Sesam) und mit Vitamin D (etwa 800 bis 1.000 internationale Einheiten täglich, in Deutschland aufgrund der geografischen Lage und der vorwiegend Indoor-Lebensweise oft ergänzungsbedürftig).
Ebenso wichtig ist regelmäßige körperliche Belastung: Knochen wachsen entlang der Linien der Beanspruchung, sie brauchen Zug und Druck, um sich aufzubauen. Spazierengehen ist gut, Wandern besser, Joggen und Krafttraining am besten. Auch Tanzen, Treppensteigen und gezielte Übungen mit dem eigenen Körpergewicht oder mit Hanteln tragen zur Knochendichte bei. Beim Verdacht auf eine Osteoporose oder bei mehreren Risikofaktoren sollte eine Knochendichtemessung (DXA) durchgeführt werden. Die medikamentöse Therapie umfasst Bisphosphonate, Denosumab, in ausgewählten Fällen Romosozumab oder Teriparatid sowie bei nicht ausreichend versorgten Frauen Calcium und Vitamin D in entsprechenden Dosierungen.
Sport, Ernährung und Lifestyle
Studien zeigen sehr klar, dass regelmäßige sportliche Bewegung in den Wechseljahren ein vielseitig wirksames „Medikament“ ist. Ausdauertraining drei- bis viermal pro Woche für jeweils 30 bis 45 Minuten (zügiges Gehen, Walking, Radfahren, Schwimmen, Nordic Walking) reduziert die Häufigkeit von Hitzewallungen, bessert Schlafqualität, stabilisiert das Körpergewicht, senkt den Blutdruck und schützt vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Krafttraining zwei- bis dreimal pro Woche erhält Muskelmasse, schützt die Knochen und unterstützt einen gesunden Stoffwechsel.
Die Ernährung spielt eine zentrale Rolle. Eine mediterran inspirierte Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Nüssen, Olivenöl, Fisch und in Maßen Milchprodukten hat sich bewährt. Rotes Fleisch und Wurst sollten reduziert werden, Zucker und stark verarbeitete Lebensmittel ebenfalls. Eine ausreichende Eiweißzufuhr von etwa 1,0 bis 1,2 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht hilft, dem altersbedingten Muskelabbau (Sarkopenie) vorzubeugen.
Weitere Lifestyle-Empfehlungen: Nikotinverzicht (Rauchen verschlechtert Hitzewallungen, beschleunigt die Menopause und erhöht das Osteoporose- und Herz-Kreislaufrisiko); moderater Alkoholgenuss (Alkohol kann Hitzewallungen verstärken und stört die Schlafarchitektur); Stressreduktion durch Entspannungstechniken wie Yoga, Tai Chi, autogenes Training oder progressive Muskelrelaxation; kühles Schlafzimmer, Baumwoll-Schlafkleidung und ein konsequenter Schlaf-Wach-Rhythmus zur Linderung nächtlicher Beschwerden.
Diagnostik in der Frauenarztpraxis
Die Diagnose von Zyklusstörungen und Wechseljahresbeschwerden beruht in erster Linie auf einer ausführlichen Anamnese, einem Zyklustagebuch und der gynäkologischen Untersuchung. Ergänzend kommen Hormonbestimmungen in Frage. Ein erhöhter FSH-Wert über etwa 25 internationale Einheiten pro Liter spricht für eine beginnende ovarielle Insuffizienz; allerdings schwanken die Werte in der Perimenopause stark, sodass eine einmalige Messung nur eingeschränkt aussagekräftig ist. Bei jüngeren Frauen mit Zyklusstörungen sind Prolaktin, TSH (Schilddrüse), LH/FSH-Quotient (PCOS) und Sexualhormone relevant. Bei vermuteten organischen Ursachen erfolgt eine vaginale Sonographie zur Beurteilung von Gebärmutter und Eierstöcken.
Wichtig zu wissen: In den Jahren der Perimenopause kann eine Schwangerschaft nach wie vor eintreten, solange die Zyklen nicht über zwölf aufeinanderfolgende Monate ausgeblieben sind. Verhütung sollte daher bis zur sicheren Postmenopause weitergeführt werden, bei Frauen unter 50 Jahren noch zwei Jahre, bei Frauen über 50 Jahren noch ein Jahr nach der letzten Regel.
Selbsthilfe und Erfahrungsaustausch
Viele Frauen empfinden den Austausch mit anderen Betroffenen als enorm hilfreich. In den letzten Jahren ist das Thema Wechseljahre aus der Tabuzone in die öffentliche Wahrnehmung gerückt; es gibt Bücher, Podcasts, Selbsthilfegruppen, Online-Foren und ärztlich moderierte Kurse. Hilfreich sind außerdem ein Hitzewallungs- und Symptomtagebuch (auch als App), das Erkennen individueller Trigger (scharfe Speisen, Alkohol, Koffein, Stress, enge Kleidung), das gezielte Lüften, kühlende Tücher oder ein Spray für die Handtasche. Bei Schlafstörungen helfen oft schon einfache Maßnahmen: kühles Schlafzimmer, leichte Decke, atmungsaktive Kleidung, Bildschirmabstinenz in der Stunde vor dem Schlafengehen und eine feste Aufstehzeit auch am Wochenende.
Das psychische Erleben der Wechseljahre sollte nicht unterschätzt werden. Die Lebensphase ist auch eine Lebenswende – berufliche Neuorientierung, Auszug der Kinder, Pflege der Eltern, manchmal das Ende einer Partnerschaft. Manche Frauen erleben diese Phase als befreiend, andere als belastend. Wenn Sie das Gefühl haben, dass eine depressive Verstimmung länger anhält, dass Sie keine Freude mehr empfinden oder dass Sie den Alltag nicht mehr bewältigen, scheuen Sie sich nicht, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen – bei der Hausärztin, beim Hausarzt, in einer psychotherapeutischen Praxis oder bei einer auf Frauengesundheit spezialisierten Beratungsstelle.
Wir beraten Sie in der Schwanen-Apotheke
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Bei sensiblen Themen können Sie unseren diskreten Beratungsbereich nutzen, in dem Sie ohne neugierige Ohren mit uns sprechen können. Auch ein Telefongespräch ist möglich, und auf Wunsch liefern wir bestellte Präparate diskret zu Ihnen nach Hause. Wenn Sie unsicher sind, ob Ihre Beschwerden noch zum Spektrum der normalen Wechseljahre gehören oder ob eine ärztliche Abklärung sinnvoll wäre, helfen wir Ihnen, eine vernünftige Einschätzung zu treffen. Besuchen Sie uns gerne in der Apotheke oder kontaktieren Sie uns über unser Kontaktformular. Weitere allgemeine Informationen zur Frauenheilkunde finden Sie unter Hintergrundwissen Frauenheilkunde.