Blut, Krebs und Infektionen

Erkrankungen des Bluts

Das Blut ist eines der vielseitigsten Organe des menschlichen Körpers – obwohl es uns wegen seines flüssigen Charakters selten als „Organ“ in den Sinn kommt. Es transportiert Sauerstoff, Nährstoffe, Hormone und Stoffwechsel­abbau­produkte, es verteidigt uns gegen Krankheits­erreger und es dichtet Gefäß­verletzungen ab. Erkrankungen des Bluts und der blutbildenden Organe sind dem­entsprechend vielgestaltig: sie reichen von dem weit verbreiteten Eisenmangel bis zu seltenen Knochen­mark­erkrankungen wie der Myelofibrose. Auf dieser Seite geben wir Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Krankheits­bilder, die heute zur sogenannten Hämatologie gezählt werden – immer mit dem Anspruch, verständlich zu bleiben und dort, wo es ärztliche Diagnostik braucht, klar darauf hinzuweisen.

Anämien – Blutarmut in vielen Gesichtern

Unter einer Anämie versteht man eine Verminderung des roten Blut­farbstoffs Hämo­globin (Hb) unter den geschlechts­spezifischen Normwert – bei Frauen unter etwa 12 g/dl, bei Männern unter etwa 13 g/dl. Die Konsequenz ist eine reduzierte Sauerstoff­transport­kapazität, die sich klassisch durch Müdigkeit, blasse Schleim­häute, Herzklopfen bei Belastung, Kurzatmigkeit, Konzentrations­schwäche und in fortgeschrittenem Stadium durch Kollaps­neigung äußert. Die Ursachen einer Anämie sind so unterschiedlich wie ihre Behandlungs­wege, weshalb eine sorgfältige Differenzial­diagnose unerlässlich ist.

Mit großem Abstand die häufigste Form ist die Eisenmangel­anämie. Sie entsteht, wenn dem Knochen­mark zu wenig Eisen für die Hämo­globin­synthese zur Verfügung steht – sei es durch chronische Blut­verluste (starke Menstruation, Magen- oder Darmblutungen, häufiges Nasen­bluten), durch unzureichende Aufnahme (einseitige Ernährung, vegane Kost ohne Substitutions­planung) oder durch erhöhten Bedarf (Schwangerschaft, Stillzeit, Wachstum). Typisch sind brüchige Nägel, Mundwinkel­rhagaden, Haarausfall, Restless-Legs-Beschwerden und ein nicht zu erklärender Leistungs­abfall. Im Labor zeigen sich erniedrigtes Hb, mikro­zytäres und hypo­chromes Blutbild (MCV und MCH erniedrigt) sowie ein verminderter Ferritin­spiegel.

Daneben sind die Vitamin-B12- und Folsäure­mangel­anämien wichtige Vertreter der so­genannten makro­zytären Anämien. Ein B12-Mangel entsteht häufig durch eine Auto­immun­gastritis, bei der die Magen­schleim­haut den für die Resorption notwendigen Intrinsic-Faktor nicht mehr bildet – man spricht dann von der perniziösen Anämie. Auch eine streng vegane Ernährung, eine Resektion des terminalen Ileums oder eine langjährige Therapie mit Protonen­pumpen­hemmern bzw. Metformin kommen ursächlich infrage. Neben dem Blutbild zeigt sich oft eine schmerz­hafte, brennende Zunge (Hunter-Glossitis) und im fortgeschrittenen Stadium sogar eine funi­kuläre Myelose mit Gangstörungen und Sensibilitäts­ausfällen. Die Therapie besteht in einer Substitution mit Cyano­cobalamin oder Hydroxo­cobalamin, bei Resorptions­störung intramuskulär oder hochdosiert oral.

Die hämolytischen Anämien fassen eine Gruppe seltener Erkrankungen zusammen, bei denen die roten Blut­körperchen verfrüht zerstört werden. Ursachen können angeboren sein (Sphäro­zytose, Sichelzellanämie, Thalassämien, Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel) oder erworben (auto­immun, medikamenten­induziert, mechanisch bei Kunstklappen, mikro­angio­pathisch). Typisch sind ein erhöhtes Bilirubin, eine LDH-Erhöhung, ein erniedrigtes Hapto­globin und Retikulo­zytose. Die renale Anämie schließlich ist eine Folge der chronischen Nieren­insuffizienz: die Niere produziert zu wenig Erythro­poetin, sodass die Erythropoese im Knochen­mark gedrosselt wird. Behandelt wird in der Regel mit rekombinantem Erythro­poetin (Epoetin alfa, Darbepoetin) plus konsequenter Eisen­substitution.

Leukozyten­störungen und Leukämien

Die weißen Blut­körperchen (Leukozyten) bilden gemeinsam mit dem Komplement­system unsere Abwehr gegen Bakterien, Viren, Pilze und Parasiten. Eine zu niedrige Anzahl (Leukopenie, definiert als weniger als 4 000 Leukozyten pro Mikroliter) kann auf eine Knochen­mark­schädigung hindeuten – etwa nach einer Chemo­therapie, durch bestimmte Medikamente (Clozapin, Methamizol, Sulfasalazin), durch Virus­infekte oder Auto­immun­erkrankungen. Besonders gefürchtet ist die Agranulozytose, eine fast vollständige Abwesenheit neutro­philer Granulozyten, die innerhalb weniger Tage zu einer lebens­gefährlichen Sepsis führen kann. Umgekehrt ist eine Leukozytose (mehr als 10 000 Leukozyten pro Mikroliter) in den meisten Fällen reaktiv: bei Infekten, Verbrennungen, nach Operationen oder unter Steroid­therapie. Anhaltend hohe Werte ohne erkennbare Ursache verlangen jedoch eine hämatologische Abklärung.

Die Leukämien sind bösartige Erkrankungen der blut­bildenden Zellen. Sie werden nach dem Verlauf in akute und chronische Formen und nach dem Ursprungs­zelltyp in myeloische und lymphatische Formen eingeteilt – daraus ergeben sich die vier klassischen Haupt­gruppen.

Die akute myeloische Leukämie (AML) tritt typischer­weise jenseits des 60. Lebens­jahrs auf, kann aber jede Alters­gruppe treffen. Sie führt innerhalb weniger Wochen zu einer schweren Verdrängung der normalen Hämato­poese mit Anämie, Throm­bo­zytopenie und ausgeprägter Infekt­anfälligkeit. Die Diagnose stützt sich auf eine Knochen­mark­punktion mit zyto­genetischer und mole­kular­genetischer Analyse, da die genaue Sub­typ­ein­ordnung über Therapie und Prognose entscheidet. Behandelt wird mit Induktions­chemo­therapie (klassischerweise 7+3-Schema mit Cytarabin und einem Anthrazyklin), gefolgt von Konsolidierung, gegebenen­falls ziel­gerichteter Therapie (Midostaurin, Venetoclax, Gilteritinib) und in vielen Fällen allogener Stamm­zell­transplantation.

Die akute lymphatische Leukämie (ALL) ist die häufigste maligne Erkrankung im Kindes­alter, kommt aber auch bei Erwachsenen vor. Die kindliche ALL hat heute Heilungs­raten von über 85 Prozent dank multimodaler Protokolle (Vincristin, Asparaginase, Anthrazykline, Methotrexat, Cortico­steroide) mit anschließender Erhaltungs­therapie über zwei bis drei Jahre. Bei Erwachsenen sind die Aussichten weniger gut, hier kommen zunehmend Antikörper­therapien (Rituximab, Inotuzumab, Blinatumomab) und CAR-T-Zell-Therapien zum Einsatz.

Die chronische myeloische Leukämie (CML) ist seit der Einführung der Tyrosin­kinase-Hemmer (Imatinib, Nilotinib, Dasatinib, Bosutinib, Ponatinib) zu einer der größten Erfolgs­geschichten der ziel­gerichteten Krebs­therapie geworden: die meisten Betroffenen können heute mit normaler Lebens­erwartung rechnen, sofern sie ihre tägliche Tablette zuverlässig einnehmen. Charakteristisch ist die Philadelphia-Translokation t(9;22) mit dem BCR-ABL-Fusions­gen, das von den Wirkstoffen direkt blockiert wird. Die chronische lymphatische Leukämie (CLL) ist die häufigste Leukämie­form des Erwachsenen in Mittel­europa und verläuft oft jahrelang ohne Beschwerden – entdeckt wird sie meist als Zufalls­befund einer Lympho­zytose im Routine­blut­bild. Behandelt wird stadien­abhängig, in fortgeschrittenen Stadien mit BTK-Inhibitoren (Ibrutinib, Acalabrutinib), BCL2-Inhibitoren (Venetoclax) und Anti-CD20-Antikörpern.

Thrombozytopenien – zu wenig Blut­plättchen

Eine Thrombozytopenie liegt vor, wenn die Zahl der Blut­plättchen unter 150 000 pro Mikroliter fällt. Bis etwa 50 000/µl bleibt die Blut­stillung meist noch ausreichend; darunter steigt das Blutungs­risiko, ab Werten unter 20 000/µl drohen Spontan­blutungen aus Haut und Schleim­häuten. Klinisch zeigen sich punkt­förmige Haut­blutungen (Petechien), Zahn­fleisch­bluten, Nasen­bluten und bei Frauen verstärkte Menstruations­blutungen.

Die Immunthrombozytopenie (ITP), früher Morbus Werlhof genannt, ist eine erworbene Auto­immun­erkrankung, bei der körper­eigene Antikörper die Thrombo­zyten markieren und ihre Zerstörung in der Milz auslösen. Behandelt wird zunächst mit Cortico­steroiden, bei chronischem Verlauf mit Thrombo­poetin-Rezeptor-Agonisten (Romiplostim, Eltrombopag) oder – als zweite Linie – mit Rituximab oder Splen­ektomie. Eine seltene, aber lebens­bedrohliche Sonder­form ist die thrombotisch-thrombo­zytopenische Purpura (TTP), bei der ein Mangel an dem Enzym ADAMTS13 zur Bildung kleinster Throm­ben in der Mikro­zirkulation führt – mit der klassischen Pentade aus Thrombo­zytopenie, hämolytischer Anämie, neuro­logischen Symptomen, Nieren­funktions­störung und Fieber. Hier muss un­mittelbar eine Plasma­pherese erfolgen, ergänzt durch Cortico­steroide, Rituximab und neuerdings Caplacizumab.

Gerinnungs­störungen – wenn das Blut nicht richtig stockt

Die plasmatische Gerinnung beruht auf einer Kaskade von zwölf Faktoren, deren angeborener oder erworbener Ausfall zu charakteristischen Krankheits­bildern führt. Die bekannteste angeborene Form ist die Hämophilie A, der ein Mangel an Faktor VIII zugrunde liegt; die etwas seltenere Hämophilie B beruht auf einem Faktor-IX-Mangel. Beide Erkrankungen werden X-chromosomal-rezessiv vererbt, weshalb fast aus­schließlich Männer betroffen sind. Typisch sind spontane Gelenk­einblutungen (Hämarthros), Muskel­blutungen und verlängerte Nach­blutungen nach kleinen Eingriffen. Die moderne Substitutions­therapie mit rekombinanten Gerinnungs­faktoren oder dem bispezifischen Antikörper Emicizumab hat die Lebens­erwartung Betroffener inzwischen der allgemeinen Bevölkerung an­genähert. Gentherapeutische Ansätze sind in Zulassung und Anwendung.

Das von-Willebrand-Syndrom ist die häufigste angeborene Gerinnungs­störung – geschätzt sind bis zu 1 Prozent der Bevölkerung in unter­schiedlich aus­geprägter Form betroffen, meist mit milden Symptomen wie verstärktem Nasen­bluten, Hämatom­neigung und starken Menstruations­blutungen. Ursache ist ein quantitativer oder qualitativer Mangel an dem von-Willebrand-Faktor, der die Plättchen­adhäsion am verletzten Gefäß vermittelt. Therapeutisch wird je nach Subtyp Desmopressin (DDAVP) eingesetzt, das die Frei­setzung körper­eigenen vWF aus Endothel­speichern stimuliert, oder es werden vWF-haltige Faktor­konzentrate substituiert.

Eine in Mittel­europa weit verbreitete genetische Anomalie ist die Faktor-V-Leiden-Mutation, eine Punkt­mutation, die den Faktor V un­empfindlich gegen den körper­eigenen Hemmstoff aktiviertes Protein C macht. Heterozygot tragen etwa 5 Prozent der mittel­europäischen Bevölkerung diese Mutation; sie führt zu einer rund fünf­fach erhöhten Neigung zu venösen Throm­bosen, vor allem in Kombination mit Risiko­faktoren wie Immo­bilisation, Schwangerschaft oder oraler Kontrazeption. Eine Dauer­anti­koagulation ist meist erst nach einem ersten throm­botischen Ereignis indiziert; in Risiko­situationen (große Operationen, lange Flüge, Geburts­hilfe) wird vorüber­gehend prophylaktisch mit niedermolekularem Heparin behandelt.

Myelo­proliferative Erkrankungen

Bei den chronischen myelo­proliferativen Neoplasien (MPN) kommt es zu einer überschießenden Bildung einer oder mehrerer Blutreihen im Knochen­mark. Die Polycythaemia vera (PV) ist gekennzeichnet durch eine deutlich erhöhte Erythrozyten­produktion mit Hämatokrit­werten oft über 55 Prozent. Charakteristisch sind eine plethorische Gesichts­färbung, Juckreiz nach warmem Duschen (aqua­gener Pruritus), Kopf­schmerzen und ein erhöhtes Throm­bose­risiko. Bei über 95 Prozent der Betroffenen findet sich die JAK2-V617F-Mutation. Therapeutisch werden regelmäßige Ader­lässe (Phlebo­tomien) zur Senkung des Hämatokrits, niedrig­dosiertes ASS und je nach Risiko­profil zyto­reduktive Substanzen wie Hydroxyurea oder Inter­feron alfa eingesetzt; in der Zweit­linie der JAK-Inhibitor Ruxolitinib.

Bei der essentiellen Thrombo­zythämie (ET) steht eine isolierte Vermehrung der Blut­plättchen im Vorder­grund, häufig mit Werten von 600 000 bis weit über einer Million pro Mikroliter. Para­doxer­weise besteht hier sowohl ein Throm­bose- als auch ein Blutungs­risiko, weil die übermäßig pro­duzierten Plättchen funktionell oft min­der­wertig sind. Die primäre Myelo­fibrose schließlich führt zu einer schritt­weisen Verödung (Fibrosierung) des Knochen­marks, mit der Folge einer extra­medullären Blutbildung, vor allem in der Milz, die mit­unter monströse Aus­maße erreicht. Hier hat Ruxolitinib die Lebens­qualität deutlich verbessern können; bei jungen Patient:innen mit Hoch­risiko­profil ist die allogene Stamm­zell­transplantation kurativ einzuordnen.

Myelo­dysplastische Syndrome und Multiples Myelom

Die myelo­dysplastischen Syndrome (MDS) sind klonale Erkrankungen der hämato­poietischen Stamm­zelle, bei denen es zu einer ineffektiven Hämato­poese mit Zyto­penien einer oder mehrerer Blutreihen kommt. Sie treten überwiegend jenseits des 60. Lebens­jahrs auf. Klinisch dominieren Anämie­symptome, infek­tions­bedingte Beschwerden bei Neutro­penie und Blutungen bei Thrombo­zytopenie. Die Prognose wird mittels des Revised International Prognostic Scoring System (IPSS-R) abgeschätzt – sie reicht von einer Lebens­erwartung von vielen Jahren in der Niedrig­risiko­gruppe bis zu wenigen Monaten in der Höchst­risiko­gruppe. Bei einem Anteil der Betroffenen geht das MDS in eine sekundäre AML über. Therapeutisch kommen unter­stützende Maßnahmen (Erythro­poetin, Trans­fusionen), hypo­methylierende Substanzen (Azacitidin, Decitabin), Lenalidomid bei spezifischen Deletionen und bei jüngeren Hoch­risiko­patient:innen die allogene Stamm­zell­transplantation in Betracht.

Das Multiple Myelom (früher Plasmozytom genannt) ist eine maligne Erkrankung der Plasma­zellen, also der antikörper­produzierenden Zellen des Knochen­marks. Die ent­arteten Klone bilden monoklonale Immun­globuline (sogenanntes Para­protein), die im Serum und/oder Urin nach­weis­bar sind, sie zerstören Knochen­substanz (Osteolysen, Spontan­frakturen, Hyper­calcämie), verdrängen die normale Blut­bildung (Anämie) und können die Niere schädigen. Klassisch ist die CRAB-Symptomatik (Calcium, Renal, Anemia, Bone). Die Therapie hat sich in den letzten zwei Jahrzehnten dramatisch verändert: Pro­teasom­inhibitoren (Bortezomib, Carfilzomib, Ixazomib), immun­modulatorische Substanzen (Lenalidomid, Pomalidomid), Anti-CD38-Antikörper (Daratumumab, Isatuximab) und bispezifische Antikörper haben die Lebens­erwartung deutlich verlängert. Bei geeigneten Patient:innen folgt nach Induktion eine Hochdosis­therapie mit autologer Stamm­zell­transplantation.

Diagnostik – was Ihr Arzt veranlassen wird

Am Anfang jeder hämato­logischen Abklärung steht das Differenzial­blutbild: Erythrozyten, Leukozyten mit prozentualer Aufschlüsselung der Subpopulationen (Neutro­phile, Lympho­zyten, Monozyten, Eosinophile, Basophile), Thrombo­zyten sowie Hämoglobin, Hämatokrit und die Erythrozyten­indizes MCV, MCH und MCHC. Bereits dieses Standard­labor liefert wertvolle Hinweise: ein mikrozytäres Bild lenkt den Verdacht auf Eisenmangel, ein makro­zytäres auf B12- oder Folsäure­mangel, eine Retiku­lozytose auf Hämo­lyse oder Blutungs­anämie, eine Blasten­ausschwemmung auf eine akute Leukämie.

Bei Verdacht auf Eisenmangel wird der Eisen­status bestimmt: Ferritin als Speicher­eisen­marker, Transferrin und Transferrin­sättigung als Trans­port­parameter, gegebenen­falls löslicher Trans­ferrin­rezeptor und Hepcidin in komplexen Konstellationen. Bei Verdacht auf eine Hämo­globin­opathie (Thalassämie, Sichelzellanämie) wird eine Hämo­globin-Elektro­phorese durch­geführt, die die ver­schiedenen Hb-Frak­tionen quantitativ auf­trennt. Die wichtigste invasive Untersuchung in der Hämato­logie ist die Knochen­mark­punktion: in lokaler Betäubung wird aus dem Becken­kamm oder dem Brust­bein Mark entnommen und morphologisch, immun­phäno­typisch (Durchfluss­zytometrie), zyto­genetisch (Chromosomen­analyse) sowie mole­kular­genetisch (PCR, Sequen­zierung) untersucht. Aus diesen Befunden ergibt sich die exakte Diagnose und damit die Wahl der Therapie.

Therapie­optionen im Überblick

So unterschiedlich die Erkrankungen sind, so unterschiedlich sind auch die Behandlungs­wege. Bei der Eisen­mangel­anämie genügt häufig eine orale Eisen­substitution über drei bis sechs Monate; in besonderen Situationen (Mal­assimilation, schlechte Verträglich­keit, drohende Operation) kommen intra­venöse Eisen­präparate wie Eisen-Carboxy­maltose oder Eisen-Derisomaltose zum Einsatz. Vitamin­mangel­anämien werden durch Sub­stitution (oral oder bei B12-Resorptions­störung intra­muskulär) ausgeglichen. Bei den Leukämien stützt sich die Behandlung auf Chemo­therapie, ziel­gerichtete Substanzen und bei Hoch­risiko­profilen auf die allogene Stamm­zell­transplantation. Bei myelo­proliferativen Erkrankungen kommen Ader­lass, Aspirin in niedriger Dosis, zyto­reduktive Substanzen und JAK-Inhibitoren zum Einsatz. Bei Gerinnungs­störungen ersetzt man fehlende Faktoren oder moduliert die Gerinnungs­kaskade pharma­ko­logisch.

Eine besondere Bedeutung hat in der Hämato­logie die supportive Therapie – also alles, was nicht direkt die Grund­erkrankung bekämpft, sondern die Folgen lindert und die Lebens­qualität sichert: Transfusionen von Erythrozyten- und Thrombozyten­konzentraten, Infektions­prophylaxe und früh­zeitige antibiotische Therapie bei Neutro­penie, Anti­emetika gegen Chemo­therapie-bedingte Übelkeit, Mund­pflege bei Mukositis, psycho­onko­logische Begleitung und nicht zuletzt eine konsequente Schmerz­therapie. Auch die Begleit­therapie chronischer Krankheiten (Bluthoch­druck, Diabetes, Osteoporose nach Cortison) gehört dazu.

Wir beraten Sie in der Schwanen-Apotheke

Erkrankungen des Bluts gehen oft mit komplexen, lebens­langen Therapie­schemata einher. Hier sehen wir uns in der Schwanen-Apotheke in einer ganz besonderen Verantwortung: wir helfen Ihnen, den Überblick über Ihre Tabletten, Spritzen, Tropfen und Salben zu behalten, wir prüfen Wechsel­wirkungen mit Ihrer Begleit­medikation, wir erklären, warum bestimmte Eisen­präparate nicht mit Milch oder Tee eingenommen werden sollten und warum manche Anti­koagulanzien einen festen Zeitplan brauchen. Wir besorgen Ihnen kurzfristig Spezial­präparate, kümmern uns um die Beschaffung von Zubehör für Heim­infusionen und beraten Sie verständlich zu Nebenwirkungen und deren Vorbeugung.

Sollten Sie unter einer chronischen häm­ato­logischen Erkrankung leiden und unsicher sein, ob ein neu verschriebenes Medikament zu Ihrer bisherigen Therapie passt, scheuen Sie sich nicht, uns zu fragen. Wir nehmen uns gerne Zeit für ein ausführliches Gespräch im diskreten Beratungs­bereich. Bei akuten Symptomen wie unerklär­licher Müdigkeit, blasser Haut, häufigen Infekten, blauen Flecken ohne erkenn­baren Anlass oder anhaltendem Nasen­bluten empfehlen wir Ihnen, zeit­nah die ärztliche Abklärung zu suchen – ein Differenzial­blutbild ist schnell gemacht und kann viel Klarheit schaffen. Weitere Informationen zu unserem Beratungs­angebot finden Sie unter Leistungen oder direkt im persönlichen Gespräch.

Ihr Team der Schwanen-Apotheke Duisburg
Quellen: Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie (DGHO) · Onkopedia-Leitlinien · Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) · Robert Koch-Institut (RKI)