Stoffwechsel

Erkrankungen des Stoffwechsels der Fette, Eiweiße, Salze und Mikronährstoffe

Der menschliche Stoffwechsel ist ein hochkomplexes Räderwerk aus Tausenden chemischen Reaktionen, die in jeder Sekunde in jeder einzelnen Körperzelle ablaufen. Damit dieses Räderwerk reibungslos funktioniert, müssen Fette, Eiweiße, Mineralien und Mikronährstoffe in einem feinen Gleichgewicht stehen. Schon kleine Verschiebungen können große Folgen haben – vom kaum bemerkbaren Müdigkeits­gefühl bis hin zu lebens­bedrohlichen Notfällen. In diesem Beitrag erklären wir Ihnen die wichtigsten Stoffwechsel­störungen jenseits von Diabetes und Schilddrüse: die Fettstoff­wechsel­störungen mit ihren Folgen für Herz und Gefäße, die Harnsäure­stoffwechsel­störung Gicht, die seltenen, aber bedeutsamen angeborenen Eiweiß­stoffwechsel­defekte, die Salz- und Elektrolyt­störungen sowie die häufigen Mikronährstoff- und Vitamin­mangel­zustände. Als Ihre Schwanen-Apotheke in 47051 Duisburg möchten wir Ihnen verständliches Wissen an die Hand geben, das Sie befähigt, mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt informiert zu sprechen und Ihre eigene Gesundheit aktiv mitzu­gestalten.

Hyperlipoproteinämien – wenn die Blutfette aus dem Ruder laufen

Unter einer Hyperlipoproteinämie versteht man eine krankhafte Erhöhung der Blutfette, also der Lipide, die im Blut nicht frei, sondern an Eiweiße gebunden als Lipoproteine zirkulieren. Die wichtigsten Vertreter sind das LDL-Cholesterin (engl. low-density lipoprotein), das HDL-Cholesterin (engl. high-density lipoprotein), die Triglyzeride sowie das in den letzten Jahren stark in den Vordergrund gerückte Lipoprotein (a). LDL gilt als das „schlechte“ Cholesterin, weil es Cholesterin von der Leber in die Gefäßwände transportiert und dort zur Bildung atherosklerotischer Plaques beiträgt – jener gefährlichen Ablagerungen, die im Laufe von Jahren und Jahrzehnten zu Herzinfarkt, Schlaganfall, peripherer arterieller Verschluss­krankheit und Nierenversagen führen können. HDL hingegen wird das „gute“ Cholesterin genannt, weil es Cholesterin aus der Peripherie zurück in die Leber bringt, wo es ausgeschieden werden kann. Die Triglyzeride sind die Speicherform der Nahrungsfette, und stark erhöhte Werte (oberhalb von 500 mg/dl) bergen das zusätzliche Risiko einer akuten Bauchspeichel­drüsen­entzündung. Lipoprotein (a) schließlich ist ein weitgehend genetisch festgelegter Risiko­faktor, der unabhängig vom LDL die Gefäße schädigen kann und der in der modernen Risiko­einschätzung immer wichtiger wird.

Ursachen einer Fettstoff­wechsel­störung sind vielfältig: ungünstige Ernährung mit zu vielen gesättigten Fettsäuren und transfetten, Bewegungs­mangel, Übergewicht und Adipositas, übermäßiger Alkoholkonsum, Diabetes mellitus, Schild­drüsen­unterfunktion, chronische Nieren­erkrankungen, bestimmte Medikamente (zum Beispiel Cortison, manche Diuretika, einige HIV-Medikamente) und nicht zuletzt eine genetische Veranlagung. Die Behandlung beginnt fast immer mit einer Lebensstil­änderung: mediterrane Kost mit Olivenöl, Fisch, Nüssen und Gemüse, regelmäßige aerobe Bewegung von mindestens 150 Minuten pro Woche, Gewichtsreduktion bei Übergewicht und der Verzicht auf Nikotin. Reicht das nicht aus oder besteht ein hohes kardiovaskuläres Risiko, kommen Medikamente zum Einsatz – allen voran die Statine.

Statine, Ezetimib, PCSK9-Hemmer und Bempedoinsäure

Statine wie Simvastatin, Atorvastatin, Rosuvastatin oder Pravastatin hemmen die HMG-CoA-Reduktase, ein Schlüssel­enzym der körpereigenen Cholesterin­synthese in der Leber. In der Folge produziert die Leber weniger Cholesterin und holt es vermehrt über LDL-Rezeptoren aus dem Blut zurück, wodurch der LDL-Spiegel deutlich sinkt – je nach Dosis und Substanz um 30 bis über 50 Prozent. Statine sind die am besten untersuchte Wirkstoffklasse zur Senkung des kardiovaskulären Risikos und retten nachweislich Leben. Häufige Begleit­erscheinungen sind Muskel­beschwerden, die bei den meisten Patient­:innen mild ausfallen, aber in seltenen Fällen ernst werden können. Lassen Sie uns wissen, wenn Sie unter Statinen neue Muskel­schmerzen entwickeln – wir besprechen mit Ihnen, ob ein Substanz­wechsel, eine niedrigere Dosis, eine zusätzliche Coenzym-Q10-Gabe oder eine Kombination mit anderen Lipid­senkern sinnvoll sein könnte. Ezetimib hemmt die Cholesterin­aufnahme im Dünndarm und senkt LDL zusätzlich um etwa 20 Prozent. Bei sehr hohem Risiko oder familiärer Hypercholesterinämie kommen PCSK9-Hemmer wie Alirocumab und Evolocumab als subkutane Spritze alle zwei bis vier Wochen zum Einsatz, die LDL um weitere 50 bis 60 Prozent senken können. Eine neuere Option ist Bempedoinsäure, die wie Statine in die Cholesterin­synthese eingreift, aber muskel­schonender wirkt. Für die Triglyzerid­senkung stehen Fibrate (Fenofibrat), hochdosierte Omega-3-Fettsäuren (Icosapent-Ethyl) sowie wiederum Nikotinsäure­derivate zur Verfügung.

Familiäre Hypercholesterinämie – die genetische Form

Die familiäre Hyper­cholesterin­ämie (FH) ist eine erbliche Erkrankung, bei der durch Mutationen im LDL-Rezeptor-Gen, im Apolipoprotein-B-Gen oder im PCSK9-Gen das LDL bereits von Geburt an stark erhöht ist – oft auf Werte zwischen 200 und über 400 mg/dl. Die heterozygote Form (eine Mutation, geerbt von einem Elternteil) betrifft etwa einen von 250 Menschen in Deutschland und wird viel zu selten erkannt. Unbehandelt erleiden Männer mit FH häufig schon zwischen dem 40. und 55. Lebensjahr einen Herzinfarkt, Frauen etwa zehn Jahre später. Die seltenere homozygote Form (zwei Mutationen) ist noch dramatischer und kann bereits im Kindesalter zu schwerer Arterio­sklerose und Herzinfarkt führen. Hinweise auf eine FH sind ein LDL über 190 mg/dl, eine positive Familien­geschichte mit frühen Herz-Kreislauf-Erkrankungen, gelbliche Cholesterin­ablagerungen an den Augenlidern (Xanthelasmen) oder an den Sehnen (Xanthome), und ein grauer Ring um die Hornhaut (Arcus lipoides) bereits unter 45 Jahren. Wer einen solchen Verdacht hegt, sollte sich genetisch abklären lassen – die Diagnose hat Konsequenzen für die ganze Familie, denn auch Geschwister und Kinder müssen untersucht werden. Therapeutisch werden hochdosierte Statine eingesetzt, meist in Kombination mit Ezetimib, und bei unzureichendem Erfolg PCSK9-Hemmer oder bei der homozygoten Form sogar regelmäßige LDL-Apherese (ein der Dialyse ähnliches Verfahren).

Hyperurikämie und Gicht

Die Harnsäure ist das Endprodukt des Purin­stoffwechsels. Purine entstehen beim Abbau von Zellkernen, vor allem aus körpereigenen Zellen, aber auch aus der Nahrung – besonders aus Innereien, bestimmten Fischsorten wie Sardellen, Sardinen oder Heringen, sowie aus Bier. Wenn der Harnsäure­spiegel im Blut dauerhaft über 6,5 bis 7 mg/dl steigt, spricht man von einer Hyper­urikämie. Bei vielen Betroffenen bleibt sie lange folgenlos, doch oberhalb der Löslichkeits­grenze fällt die Harnsäure als Natrium­urat aus und bildet feine Kristalle, die sich bevorzugt in den Gelenken ablagern. Diese Kristalle lösen eine heftige Entzündungs­reaktion aus – den akuten Gichtanfall. Klassischer Schauplatz ist das Großzehen­grundgelenk (Podagra), aber auch Sprunggelenk, Knie oder Hand können betroffen sein. Das Gelenk schwillt innerhalb von Stunden an, wird heiß, rot und so schmerzhaft, dass schon das Gewicht einer Bettdecke unerträglich ist. Ein Anfall klingt nach Tagen bis Wochen wieder ab, doch ohne Behandlung kehrt er wieder, und über die Jahre entstehen chronische Gelenk­schäden, Nieren­steine aus Harnsäure und die unter der Haut tastbaren, schmerzlosen Knoten (Tophi).

Die akute Therapie besteht aus entzündungs­hemmenden Medikamenten: nicht­steroidale Anti­rheumatika wie Naproxen oder Indometacin, Colchicin in niedriger Dosis oder kurzfristig Cortison. Wichtig: Allopurinol oder Febuxostat dürfen im akuten Anfall nicht neu angesetzt werden, weil sie ihn verschlimmern können – sie kommen erst nach Abklingen zum Einsatz, um den Harnsäure­spiegel langfristig unter 6 mg/dl zu senken. Bei der Lebensstil­beratung empfehlen wir, auf Bier und Spirituosen weitgehend zu verzichten, fructose­reiche Getränke zu reduzieren, das Körper­gewicht zu normalisieren und reichlich Wasser zu trinken. Milch­produkte und Kirschen scheinen einen leicht schützenden Effekt zu haben.

Phenylketonurie und andere angeborene Stoffwechselstörungen

Bei angeborenen Stoffwechsel­defekten fehlt aufgrund einer Genmutation ein Enzym ganz oder teilweise, sodass eine bestimmte chemische Reaktion nicht ablaufen kann. Das vielleicht bekannteste Beispiel ist die Phenyl­ketonurie (PKU), bei der das Enzym Phenylalanin­hydroxylase fehlt, das die Aminosäure Phenylalanin in Tyrosin umwandelt. Phenylalanin sammelt sich im Blut an und wirkt in hohen Konzentrationen toxisch auf das Gehirn – unbehandelt führt PKU zu schwerer geistiger Behinderung. Dank des Neugeborenen-Screenings (Guthrie-Test, Fersen­blut­tropfen am 3. Lebenstag) wird die Erkrankung in Deutschland praktisch immer rechtzeitig erkannt, und die betroffenen Kinder werden lebenslang phenylalanin­arm ernährt: eiweißreiche Lebensmittel wie Fleisch, Fisch, Eier, Milch­produkte, Nüsse und auch normales Brot müssen vermieden werden. Stattdessen kommen spezielle Aminosäure­mischungen ohne Phenylalanin sowie eiweißarme Spezial­lebensmittel zum Einsatz. Wichtig zu wissen: Der Süßstoff Aspartam enthält Phenylalanin und ist für PKU-Patient­:innen tabu – daher der Hinweis auf zucker­freien Kaugummis und Light-Getränken. Frauen mit PKU müssen vor und während einer Schwangerschaft besonders streng auf ihre Werte achten, um das ungeborene Kind nicht zu schädigen.

Neben der PKU gibt es zahlreiche weitere angeborene Stoffwechsel­störungen, die heute meist über das erweiterte Neugeborenen­screening erfasst werden: Galaktosämie, Ahornsirupkrankheit, mittelketten­igen Acyl-CoA-Dehydrogenase-Mangel (MCAD-Mangel), Biotinidase­mangel, Tyrosinämie, Glykogen­speicher­krankheiten und viele mehr. Die meisten dieser Erkrankungen sind selten, aber wenn sie früh erkannt und konsequent behandelt werden, können die Betroffenen ein weitgehend normales Leben führen. Die Therapie ist meist eine Kombination aus diätetischer Behandlung, gezielter Substitution fehlender Substanzen und in Einzelfällen Enzym­ersatztherapie oder sogar Gentherapie.

Elektrolytstörungen – aus dem Gleichgewicht

Elektrolyte sind elektrisch geladene Salze im Körperwasser. Sie steuern den Flüssigkeits­haushalt, den Säure-Basen-Status, die Erregbarkeit von Nerven und Muskeln und unzählige enzymatische Reaktionen. Die wichtigsten sind Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium und Chlorid. Schon kleinere Abweichungen können sich bemerkbar machen, größere sind potenziell lebens­bedrohlich.

Hypokaliämie (zu wenig Kalium): Ursachen sind oft Durchfälle, Erbrechen, eine Behandlung mit entwässernden Mitteln (Schleifen- und Thiazid­diuretika), Abführmittel­missbrauch oder eine Magnesium­armut. Symptome reichen von Muskel­schwäche, Wadenkrämpfen und Verstopfung bis zu gefährlichen Herz­rhythmus­störungen, gerade wenn gleichzeitig Digoxin eingenommen wird. Die Behandlung besteht aus Kaliumsalzen oral oder im Krankenhaus über die Vene.

Hyperkaliämie (zu viel Kalium): Ursachen sind Nieren­insuffizienz, ACE-Hemmer, AT1-Antagonisten, kaliumsparende Diuretika (Spironolacton, Eplerenon), bestimmte Schmerzmittel, hämolytische Erkrankungen oder eine massive Gewebe­zerstörung. Akut können lebens­bedrohliche Herz­rhythmus­störungen bis zum Herzstillstand auftreten. Therapeutisch werden Calcium­gluconat (zur Stabilisierung der Herzmuskel­zellen), Insulin mit Glucose (verschiebt Kalium nach intra­zellulär) und Kationen­austauscher­harze oder neuere Substanzen wie Patiromer und Natrium-Zirconium-Cyclosilicat eingesetzt.

Hyponatriämie (zu wenig Natrium): Häufige Ursachen sind das SIADH (Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion), Herzinsuffizienz, Leber­zirrhose, Thiazid­diuretika, übermäßige Wasser­zufuhr (sogenannte „Wasser­intoxikation“ bei Marathon­läufern) und manche Antidepressiva (SSRI). Symptome sind Übelkeit, Kopfschmerzen, Verwirrtheit, Krampf­anfälle und in schweren Fällen ein Hirnödem. Die Korrektur muss langsam erfolgen, weil ein zu rascher Ausgleich zu einer gefährlichen zentralen pontinen Myelinolyse führen kann.

Hypernatriämie (zu viel Natrium): Sie entsteht meist durch Wassermangel – bei älteren Menschen, bei Säuglingen mit Durchfall, beim Diabetes insipidus oder bei fehlendem Durstgefühl. Symptome sind Durst, trockene Schleimhäute, Apathie, im Extremfall Bewusstseins­trübung. Behandelt wird mit langsamer Flüssigkeits­zufuhr.

Hypocalciämie (zu wenig Calcium): Ursachen sind Vitamin-D-Mangel, Neben­schilddrüsen­unterfunktion (zum Beispiel nach Schilddrüsen-Operation), schwere Magnesium­armut, akute Pankreatitis oder fortgeschrittene Nieren­erkrankung. Typische Zeichen sind das Kribbeln um den Mund und in den Fingern, Muskel­krämpfe, das positive Chvostek- und Trousseau-Zeichen sowie ein verlängertes QT-Intervall im EKG. Therapie: orale Calcium­präparate, Vitamin D und bei Bedarf intravenöse Calcium­gabe.

Hypomagnesiämie (zu wenig Magnesium): Sie wird oft übersehen, ist aber häufig – vor allem bei chronischem Alkohol­konsum, Diabetes, langer Therapie mit Protonen­pumpen­hemmern, Durchfällen oder bei der Einnahme bestimmter Antibiotika und Krebs­medikamente. Symptome sind Wadenkrämpfe, Muskel­zucken, Reizbarkeit, Herz­rhythmus­störungen und sie kann eine begleitende Hypokaliämie und Hypocalciämie erst aufrecht­erhalten. Die Substitution erfolgt oral mit Magnesium­citrat, -carbonat oder -oxid, in schweren Fällen intravenös.

Mikronährstoffmangel – Eisen, Zink, Selen, Jod

Eisenmangel ist der weltweit häufigste Mikronährstoff­mangel und betrifft in Deutschland insbesondere Frauen im gebär­fähigen Alter, Schwangere, Kinder im Wachstum, vegetarisch oder vegan lebende Menschen sowie Patient­:innen mit chronischen Darm­erkrankungen oder Magen-Operationen. Eisen ist Bestandteil des roten Blutfarbstoffs Hämoglobin und vieler Enzyme. Bei Mangel sinkt zunächst der Speicher (Ferritin), dann das Transport­protein (Transferrin­sättigung), schließlich entsteht eine mikrozytäre, hypochrome Anämie. Symptome sind Müdigkeit, Konzentrations­schwäche, Kopfschmerzen, brüchige Nägel, Haarausfall, Mundwinkel­einrisse und das Restless-Legs-Syndrom. Behandelt wird oral mit zweiwertigen Eisensalzen (Eisensulfat, Eisenglucinat, Eisenglycinsulfat), die am besten nüchtern und ohne Kaffee, Tee oder Milch eingenommen werden – ein gleichzeitiges Vitamin C verbessert die Aufnahme. Bei Unverträglichkeit oder schwerem Mangel kommen Eisen­infusionen zum Einsatz.

Zinkmangel äußert sich in Wundheilungs­störungen, Haarausfall, Geschmacks- und Geruchs­störungen, vermehrten Infekten und Hautproblemen. Ursachen sind einseitige Ernährung, chronischer Alkohol­konsum, chronische Durchfälle, Diuretika und manche Resorptions­störungen. Eine Substitution mit 15 bis 30 mg Zink täglich über mehrere Wochen reicht meist aus – zu hohe Dosen können allerdings einen Kupfermangel auslösen.

Selenmangel ist in Deutschland nicht selten, weil die heimischen Böden selen­arm sind. Selen ist wichtig für die Schilddrüse, das Immunsystem und den oxidativen Zellschutz. Bei nachgewiesenem Mangel kann eine Substitution mit 100 bis 200 µg täglich sinnvoll sein, gerade bei autoimmuner Schilddrüsen­entzündung (Hashimoto). Bitte nicht in Eigenregie über lange Zeit höher dosieren, eine Überdosierung kann toxisch wirken.

Jodmangel betrifft in Deutschland trotz Jodsalz noch immer einen relevanten Teil der Bevölkerung, vor allem Schwangere und Stillende. Jod wird für die Bildung der Schild­drüsen­hormone benötigt; ein Mangel führt zur Vergrößerung der Schilddrüse (Struma), bei Säuglingen im Mutterleib zu schweren Entwicklungs­störungen. Empfohlen werden 200 µg pro Tag in der Schwangerschaft, was über Jodsalz, Seefisch und gegebenenfalls Jodid­tabletten erreicht wird. Vor einer Substitution sollte die Schilddrüsen­funktion abgeklärt sein, weil bei autonomen Knoten oder Morbus Basedow Jod schaden kann.

Vitaminmangel – D, B12, Folsäure, K, A, C

Vitamin-D-Mangel ist in unseren Breiten weit verbreitet, weil Vitamin D in der Haut nur unter direkter Sonnen­einstrahlung gebildet wird, was zwischen Oktober und März in Duisburg kaum möglich ist. Vitamin D ist nicht nur für den Knochen­stoffwechsel (Calcium­aufnahme aus dem Darm, Einbau in den Knochen) entscheidend, sondern wirkt auch auf Muskeln, Immunsystem und Stimmung. Bei Mangel drohen Osteomalazie und Osteoporose bei Erwachsenen und Rachitis bei Kindern. Eine Substitution mit 800 bis 2000 I.E. (internationale Einheiten) täglich ist für die meisten Erwachsenen sinnvoll, eine Bestimmung des 25-OH-Vitamin-D-Spiegels gibt vor einer Hoch­dosis­therapie Sicherheit.

Vitamin-B12-Mangel entsteht durch ungenügende Aufnahme (rein vegane Ernährung), durch fehlenden Intrinsic Factor (perniziöse Anämie, nach Magen-Operationen), durch chronische Einnahme von Protonen­pumpen­hemmern oder Metformin und durch chronisch-entzündliche Darm­erkrankungen im terminalen Ileum. Folgen sind eine makrozytäre Anämie, Glossitis (rote, brennende Zunge) und vor allem neurologische Symptome wie Kribbeln in Händen und Füßen, Gangunsicherheit und Konzentrations­störungen, die irreversibel werden können, wenn der Mangel zu lange besteht. Substitution erfolgt mit Methyl­cobalamin oder Hydroxo­cobalamin oral in hoher Dosis oder als intramuskuläre Spritze.

Folsäuremangel tritt häufig zusammen mit B12-Mangel auf und führt ebenfalls zu makrozytärer Anämie. Folsäure ist außerdem in der frühen Schwangerschaft entscheidend für die Schließung des Neural­rohrs – Frauen mit Kinderwunsch sollten daher schon vor der Empfängnis und in den ersten zwölf Schwangerschafts­wochen 400 µg Folsäure täglich einnehmen, um das Risiko für Neural­rohr­defekte (Spina bifida) zu senken.

Vitamin-K-Mangel ist beim Erwachsenen mit normaler Ernährung selten, kann aber bei Neugeborenen, bei schweren Leber­erkrankungen oder unter langer Antibiotika­therapie auftreten und führt zu erhöhter Blutungs­neigung. Neugeborene erhalten in Deutschland routine­mäßig Vitamin K oral. Patient:innen unter Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon müssen ihre Vitamin-K-Zufuhr (vor allem Kohl, Brokkoli, Spinat) konstant halten, damit die INR-Werte stabil bleiben.

Vitamin-A-Mangel spielt in Deutschland kaum eine Rolle, weltweit aber ist er eine der häufigsten Ursachen für vermeidbare Erblindung. Bei uns kann ein Mangel bei chronischen Fettverdauungs­störungen, Cystischer Fibrose oder einseitiger Ernährung vorkommen und äußert sich in Nachtblindheit und trockenen Schleimhäuten. Eine Überdosierung – vor allem aus Lebertran und Nahrungs­ergänzungs­mitteln – ist in der Schwangerschaft gefährlich und kann beim ungeborenen Kind Fehlbildungen auslösen.

Vitamin-C-Mangel in seiner Vollform (Skorbut) ist heute eine Seltenheit, kann aber bei sehr einseitiger Ernährung (zum Beispiel bei isoliert lebenden älteren Menschen, bei Suchterkrankungen oder bei extrem restriktiven Diäten) auftreten. Erste Zeichen sind Müdigkeit, Zahnfleisch­bluten, Haut­einblutungen und schlechte Wundheilung. Die Behandlung ist einfach: etwa 100 mg Vitamin C täglich über einige Wochen, idealerweise aus frischem Obst und Gemüse.

Diagnostik – was Ihr Arzt untersucht

Eine sorgfältige Diagnose beginnt immer mit dem Gespräch und der körperlichen Untersuchung. Im Labor werden je nach Verdacht das Lipidprofil (Gesamt­cholesterin, LDL, HDL, Triglyzeride, gegebenen­falls Lipoprotein (a)), die Harnsäure, ein Elektrolyt­status (Natrium, Kalium, Calcium, Magnesium, Chlorid), das Blutbild mit Differenzial, Ferritin und Transferrin­sättigung, Vitamin B12, Folsäure, 25-OH-Vitamin D, das TSH zur Schilddrüsen­abklärung sowie Nieren- und Leberwerte bestimmt. Bei Verdacht auf eine genetische Erkrankung wie die familiäre Hyper­cholesterin­ämie folgt eine spezialisierte molekular­genetische Diagnostik. Bei wiederkehrenden Gicht­anfällen wird gegebenen­falls eine Gelenk­punktion mit mikroskopischem Kristall­nachweis durchgeführt. Modernste Verfahren wie die Doppel­energie-CT machen Harnsäure­kristalle in Gelenken auch ohne Punktion sichtbar.

Therapieprinzipien und Lebensstil

Die Therapie der hier besprochenen Stoffwechsel­erkrankungen ruht auf drei Säulen: erstens der Lebensstil­modifikation (Ernährung, Bewegung, Gewichtsregulation, Verzicht auf Nikotin und übermäßigen Alkohol), zweitens der gezielten medikamentösen Behandlung der Stoff­wechsel­abweichung selbst (Lipidsenker, Urikostatika, Substitution von Vitaminen und Mineralien, diätetische Behandlung bei angeborenen Defekten) und drittens der Behandlung der Folgen und Begleit­erkrankungen (Bluthoch­druck, Diabetes, Adipositas). Wir möchten Sie ermutigen, der Lebensstil­komponente eine besonders hohe Aufmerksamkeit zu schenken – nirgendwo sonst können Sie mit eigenen Mitteln so viel für Ihre langfristige Gesundheit tun.

Wichtige Punkte sind eine an der mediterranen Tradition orientierte Kost mit viel Gemüse, Obst, Vollkorn, Hülsenfrüchten, Olivenöl, Nüssen und zwei Portionen fetten Seefisch pro Woche; mindestens 150 Minuten moderate Ausdauer­belastung pro Woche, ergänzt durch zweimal wöchentlich Kraft- und Beweglich­keits­training; ein gesundes Körper­gewicht (BMI 20 bis 25), ausreichend Schlaf, Stress­management und der Verzicht auf Tabak. Wenn Sie Medikamente einnehmen, sprechen Sie regelmäßig mit Ihrem Arzt oder Ihrer Ärztin und mit uns – gerade Lipid­senker, Diuretika, Protonen­pumpen­hemmer und Allopurinol haben langfristige Auswirkungen, die wir gerne mit Ihnen besprechen.

Wir beraten Sie persönlich

Stoffwechsel­erkrankungen sind ein weites Feld, und kein Beitrag im Internet ersetzt die persönliche Beratung. In der Schwanen-Apotheke in 47051 Duisburg nehmen wir uns Zeit für Sie: Wir besprechen mit Ihnen, wie Sie Ihre Statine am besten einnehmen, wie Sie Magenbeschwerden unter Eisen­präparaten lindern, ob ein Magnesium­präparat in Ihrer Situation sinnvoll ist und wie Sie sich bei einem akuten Gicht­anfall verhalten sollen. Wir prüfen Ihre Medikation auf Wechsel­wirkungen, helfen bei der Auswahl geeigneter Nahrungs­ergänzungs­mittel und unterstützen Sie bei der Umstellung auf eine cholesterin­ärmere oder purin­arme Ernährung. Auch bei Fragen rund um die Substitution von Vitamin D, B12 oder Folsäure und bei der Begleitung von Schwangeren mit besonderen Nährstoff­bedürfnissen sind wir gerne für Sie da. Sprechen Sie uns einfach im Geschäft an oder vereinbaren Sie über das Kontakt­formular einen ruhigen Beratungs­termin. Eine fundierte Apotheker­beratung kostet Sie nichts – sie ist Teil unseres Selbst­verständnisses als wohnortnahe Apotheke.

Ihr Team der Schwanen-Apotheke Duisburg Quellen und weiterführende Informationen: Deutsche Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (DGFF/Lipid-Liga e.V.), Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR), Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF-Leitlinien).