Reiseapotheke 2024: Was muss wirklich rein?
Sommer, Sonne, Fernweh – und im Hinterkopf die nagende Frage: Habe ich auch wirklich an alles gedacht? Eine sinnvoll bestückte Reiseapotheke gehört zu den wichtigsten Vorbereitungen jeder Reise. Sie passt in einen kleinen wasserdichten Beutel, wiegt selten mehr als 500 Gramm und kann im Notfall den Unterschied machen zwischen einer kurzen Episode und einem ruinierten Urlaub. Wir in der Schwanen-Apotheke in Duisburg beraten Sie gerne persönlich zur individuellen Zusammenstellung – dieser Artikel gibt Ihnen die Grundlagen mit auf den Weg.
Die Basis-Reiseapotheke – das sollte immer dabei sein
Unabhängig vom Reiseziel gibt es einen Grundstock an Medikamenten und Verbandmaterial, der in jede Reisetasche gehört. Die folgende Checkliste deckt die häufigsten Beschwerden ab, mit denen Reisende konfrontiert werden:
- Schmerz- und Fiebermittel – Ibuprofen 400 mg oder Paracetamol 500 mg helfen bei Kopf-, Zahn-, Gelenkschmerzen und fiebrigen Infekten. Eine Packung à 20 Tabletten reicht für die meisten zweiwöchigen Reisen.
- Wund- und Brandsalbe – ein Antiseptikum (z. B. Octenisept®) und eine Brandsalbe (z. B. Bepanthen®) gehören in jeden Erste-Hilfe-Beutel.
- Verbandmaterial – sterile Kompressen, eine elastische Binde, Pflaster verschiedener Größen, Heftpflaster auf Rolle, Schere und Pinzette.
- Blasenpflaster – speziell bei Aktivurlauben mit viel Laufen oder Wandern unverzichtbar. Compeed® und ähnliche Hydrokolloid-Pflaster lindern den Schmerz sofort und beschleunigen die Heilung.
- Allergiemittel – ein nicht-sedierendes Antihistaminikum wie Cetirizin oder Loratadin (10 mg-Tabletten) deckt Pollenflug, Insektenstiche und leichte Nahrungsmittelreaktionen ab. Bei bekannter schwerer Allergie zusätzlich ein Notfall-Set mit Adrenalin-Pen.
- Sonnenschutz – Lichtschutzfaktor 30 für mitteleuropäische Hauttypen, mindestens LSF 50+ für Kinder, sehr helle Hauttypen und Bergregionen. Wasserfest und mit UVA- wie UVB-Schutz.
- After-Sun-Lotion – kühlt und beruhigt die strapazierte Haut nach Sonnenexposition; alternativ kann ein hochwertiges Aloe-Vera-Gel die Regeneration unterstützen.
- Insektenschutz – ein Repellent mit DEET (30–50 %) oder Icaridin (20 %) ist in den Tropen Pflicht, in Europa empfehlen wir 20–30 % Konzentration.
- Magen-Darm-Medikamente – Loperamid (Imodium®) für die akute Durchfallblockade auf Reisen, eine orale Rehydratationslösung (Elotrans® oder Oralpädon®) zum Flüssigkeits- und Elektrolytausgleich, dazu ein Mittel gegen Übelkeit (Vomex A® Dragees oder Suppositorien).
- Reisekrankheit – Dimenhydrinat-Kaugummis oder Pflaster mit Scopolamin (verschreibungspflichtig) helfen bei Schiffs-, Flug- oder Autokrankheit zuverlässig.
- Mittel gegen Sodbrennen – Säureblocker wie Pantoprazol 20 mg oder Antazida (Talcid®, Maaloxan®) bei ungewohnter, scharfer oder fettreicher Reiseküche.
- Augentropfen – künstliche Tränen helfen bei Klimaanlagen, Wüstenwind und trockener Flugzeugluft.
- Ohrentropfen – bei Tauchgängen und längeren Schwimmaufenthalten beugen sie der Schwimmerohrentzündung vor.
- Fieberthermometer – ein bruchsicheres Digitalthermometer wiegt 20 Gramm und schafft im Ernstfall Klarheit.
Persönliche Dauermedikation – nicht vergessen!
Wenn Sie chronisch erkrankt sind – etwa Bluthochdruck, Diabetes, eine Schilddrüsenerkrankung, Asthma oder eine Gerinnungsstörung –, ist Ihre persönliche Dauermedikation das wichtigste in der Reiseapotheke. Packen Sie immer eine Reservemenge für mindestens eine Woche zusätzlich zur planmäßigen Reisedauer ein, falls die Rückreise sich verzögert. Verteilen Sie die Tabletten auf zwei Gepäckstücke: einen Teil ins Handgepäck (für den Fall, dass der Koffer verloren geht), den anderen in den aufgegebenen Koffer. Sehr empfehlenswert ist eine Medikamentenliste mit den Wirkstoffnamen (nicht nur den Handelsnamen!), den Dosierungen und einer kurzen englischen Übersetzung der Diagnose. So kann ein ausländischer Arzt im Notfall passend behandeln.
Für insulinpflichtige Diabetiker:innen, Asthmatiker mit Spray, Personen mit schwerer Allergie (Epi-Pen) oder Schmerzpatient:innen mit Opioiden benötigen wir oft eine ärztliche Bescheinigung in englischer Sprache, die das Mitführen der Medikamente und Hilfsmittel (Spritzen, Pens) am Zoll begründet. Wir erstellen Ihnen in der Schwanen-Apotheke gerne ein Muster, das Sie Ihrem Hausarzt vorlegen können.
Für Hochrisikoländer: steriles Spritzen- und Kanülenset
Bei Reisen in Länder mit unsicherer medizinischer Versorgung – weite Teile Afrikas, Asiens und Lateinamerikas – empfehlen wir ein steriles Einmal-Set mit Kanülen, Spritzen, Infusionsbesteck und Nahtmaterial. Sollte vor Ort eine Injektion oder Naht nötig werden, können Sie damit das Risiko einer Übertragung von HIV oder Hepatitis B/C deutlich reduzieren. Diese Sets gibt es bei uns mit zusätzlicher mehrsprachiger Zollbescheinigung.
Impfungen: standard und reisespezifisch
Mindestens sechs bis acht Wochen vor Reiseantritt sollten Sie Ihren Impfpass prüfen lassen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut empfiehlt jedem Erwachsenen alle zehn Jahre eine Auffrischung von Tetanus, Diphtherie, Pertussis sowie – für Geborene nach 1970 – mindestens eine MMR-Impfung. Bei Auslandsreisen kommen je nach Ziel weitere Impfungen hinzu:
- Hepatitis A – weltweit empfohlen außerhalb Europas, Nordamerikas, Australiens und Japans. Eine erste Impfung schützt schon nach 14 Tagen; zwei Dosen ergeben einen mindestens 25-jährigen Schutz.
- Hepatitis B – für Langzeitaufenthalte, medizinische Tätigkeit, sexuelle Risiken und alle, die sich ein Tattoo oder Piercing im Ausland vorstellen können.
- Typhus – bei Reisen in den indischen Subkontinent, Teile Afrikas und Lateinamerikas, besonders bei einfachen Reisebedingungen.
- Gelbfieber – Pflicht für die Einreise in viele afrikanische und südamerikanische Länder. Achtung: die Impfung darf nur in zugelassenen Gelbfieberimpfstellen verabreicht werden; in Duisburg unter anderem am Gesundheitsamt und an spezialisierten reisemedizinischen Zentren.
- Tollwut (Rabies) – für Backpacker, Radreisende, Tierarbeitende und alle, die länger als vier Wochen in Risikoregionen unterwegs sind. Drei Impfungen vor Reise (Tag 0, 7 und 21 oder 28) verkürzen das Notfallschema nach einem Tierbiss erheblich.
- Japanische Enzephalitis (JE) – relevant bei Reisen in ländliche Regionen Süd- und Südostasiens während der Monsunzeit; zwei Impfungen im Abstand von 28 Tagen.
- FSME (Frühsommer-Meningoenzephalitis) – nicht nur in Süddeutschland, Österreich und Tschechien relevant, sondern auch im Baltikum, in Skandinavien und in Russland. Zecken übertragen das Virus – und die Impfung schützt zuverlässig.
- Cholera – nur für Reisen in Cholera-Ausbruchsgebiete und für Helfer:innen in Flüchtlingslagern empfehlenswert.
- Meningokokken ACWY – Pflicht für die Mekka-Pilgerfahrt (Hadsch), empfohlen für Aufenthalte im „Meningitisgürtel“ Afrikas zwischen November und Juni.
Aktuelle Empfehlungen je Reiseland finden Sie beim Auswärtigen Amt (auswaertiges-amt.de – Rubrik „Reise- und Sicherheitshinweise“), bei der Deutschen Gesellschaft für Tropenmedizin (DTG) sowie auf den Seiten des Centrums für Reisemedizin (CRM). Bringen Sie Ihren Impfpass am besten direkt zur Beratung mit; wir werfen einen Blick darauf und sagen Ihnen ehrlich, was sinnvoll ist und was nicht.
Malaria-Prophylaxe: Tabletten oder Notfalltablette?
In vielen tropischen Reiseländern besteht ein Risiko für Malaria tropica – eine durch die Anopheles-Mücke übertragene und unbehandelt potenziell tödliche Erkrankung. Je nach Region und Reisestil unterscheidet man zwischen einer Standby-Therapie (mitgeführte Notfalltabletten, die im Verdachtsfall eingenommen werden) und einer medikamentösen Prophylaxe (durchgehende Einnahme während der gesamten Reise).
- Atovaquon-Proguanil (Malarone®) – das modernste und am besten verträgliche Mittel; Einnahme einmal täglich, beginnt 1–2 Tage vor Einreise, durchgehend bis 7 Tage nach Verlassen des Gebiets. Wirkt sowohl prophylaktisch als auch therapeutisch. Häufig bei Hochrisikoregionen wie Westafrika empfohlen.
- Doxycyclin – preisgünstige Alternative; Einnahme einmal täglich, beginnt 1–2 Tage vor Einreise und wird vier Wochen nach Verlassen fortgesetzt. Achtung: Lichtempfindlichkeit der Haut (verstärkter Sonnenbrand), kann die Wirkung der Pille beeinträchtigen und ist in Schwangerschaft und bei Kindern unter 8 Jahren kontraindiziert.
- Mefloquin (Lariam®) – nur noch in Ausnahmefällen verordnet, weil neuropsychiatrische Nebenwirkungen (Schlafstörungen, lebhafte Träume, depressive Episoden, in seltenen Fällen Psychosen) das Mittel bei vielen Reisenden disqualifizieren.
Ob Prophylaxe oder Standby für Sie infrage kommt, hängt von Reiseziel, Reisedauer, persönlicher Risikoeinschätzung, Vorerkrankungen und einer eventuellen Schwangerschaft ab. Diese Entscheidung sollten Sie nicht alleine treffen – lassen Sie sich von einem Reisemediziner oder von uns in der Schwanen-Apotheke beraten. Wichtig: Keine Tablette ersetzt den konsequenten Mückenschutz (Repellent, lange helle Kleidung, Moskitonetz, klimatisierter Schlafraum).
Reisen mit Flüssigkeiten und Spritzen – Hinweise zum Handgepäck
Im Handgepäck gilt für Flüssigkeiten die 100-ml-Regel; einzelne Behälter dürfen jeweils maximal 100 Milliliter fassen und müssen in einem durchsichtigen 1-Liter-Beutel verstaut sein. Medizinische Ausnahmen sind möglich: Insulinpens, Inhalationssprays, Augentropfen, Notfallmedikamente und sterile Spritzen dürfen mit einer ärztlichen Bescheinigung auch in größerer Menge mitgeführt werden. Bei Betäubungsmitteln (z. B. starken Schmerzmitteln, ADHS-Präparaten, einigen Schlafmitteln) benötigen Sie für Schengen-Länder eine Bescheinigung nach Artikel 75 des Schengener Durchführungsübereinkommens, für andere Staaten eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) gegengezeichnete Bescheinigung. Wir helfen Ihnen, diese rechtzeitig auszustellen.
Denken Sie auch an die Temperaturempfindlichkeit bestimmter Arzneien. Insulin, manche Augentropfen, biologische Antikörperpräparate (z. B. bei Rheuma oder Multipler Sklerose) müssen gekühlt transportiert werden – spezielle Kühltaschen mit Akkus oder Coolpacks sind im Fachhandel und bei uns in der Apotheke erhältlich.
Besonderheiten für Kinder und Schwangere
Kinder vertragen viele Erwachsenenmedikamente nicht oder anders, deshalb gehören in eine Familien-Reiseapotheke kindgerechte Präparate: ein Fiebersaft (Paracetamol oder Ibuprofen je nach Körpergewicht), Nasentropfen in Kinderdosierung, eine Wund- und Heilsalbe sowie Pflaster mit kindgerechten Motiven (motivationsfördernd!). Bei Säuglingen besonders wichtig: ein digitales Stirn- oder Ohrthermometer und Mittel gegen Blähungen (Sab simplex® oder Lefax®). Sonnenschutz für Kinder darf nicht weniger als LSF 50+ haben; Säuglinge unter sechs Monaten gehören grundsätzlich nicht in die direkte Sonne.
Schwangere sollten vor Reiseantritt mit Frauenärztin und Reisemedizin Rücksprache halten. Viele Lebendimpfstoffe (Gelbfieber, MMR, Varizellen) sind in der Schwangerschaft kontraindiziert, einige Malariamittel ebenfalls. Die Wahl des Reiseziels und der Reisedauer sollte unter Berücksichtigung des Schwangerschaftsmonats und individueller Risiken erfolgen.
Beratung in der Schwanen-Apotheke
Eine Reiseapotheke ist nichts, was Sie sich im Stress zwei Tage vor Abflug noch zusammensuchen sollten. Planen Sie rechtzeitig – idealerweise vier bis sechs Wochen vor Reisebeginn. So bleibt genug Zeit für Impfungen, für die Beschaffung verschreibungspflichtiger Medikamente und für eine ehrliche Beratung. In der Schwanen-Apotheke in 47051 Duisburg nehmen wir uns Zeit für Sie: Wir gehen mit Ihnen Ihre Dauermedikation durch, prüfen auf mögliche Wechselwirkungen mit Reisemedikamenten, stellen eine individuelle Reiseapotheke zusammen und beraten Sie zu Impfungen, Mückenschutz und Malariaprophylaxe. Bringen Sie Ihren Impfpass, Ihren Medikamentenplan und Ihre Reiseroute mit – je mehr wir wissen, desto genauer können wir beraten.
Schöne Reise, gute Erholung und kommen Sie gesund zurück – Ihr Team der Schwanen-Apotheke.