News

Grippeimpfung: Wer, wann, womit?

Jedes Jahr ab dem Spätsommer stellt sich für Millionen Menschen in Deutschland die gleiche Frage: Soll ich mich gegen Grippe impfen lassen – und wenn ja, mit welchem Impfstoff, zu welchem Zeitpunkt? Die saisonale Influenza ist keine harmlose Erkältung, sondern eine echte Viruserkrankung, die jährlich Tausende Todesfälle und Zehntausende Krankenhaus­einweisungen in Deutschland verursacht. Die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut spricht jedes Jahr aktualisierte Empfehlungen aus – und in der Schwanen-Apotheke beantworten wir dazu täglich Fragen. Hier eine ausführliche Übersicht, was Sie für die kommende Saison wissen sollten.

Warum überhaupt impfen? Die Faktenlage

Die Influenza ist nicht der „grippale Infekt", den wir umgangssprachlich Grippe nennen. Sie wird durch Influenza-Viren der Typen A und B verursacht, beginnt typischerweise schlagartig mit hohem Fieber (oft > 39 °C), starken Gliederschmerzen, Husten und einem ausgeprägten Krankheits­gefühl, das Erwachsene mehrere Tage flach legt. In schweren Saisons sterben in Deutschland 20.000 Menschen oder mehr an der Influenza und ihren Komplikationen – insbesondere an einer sekundären Lungen­entzündung. Die Impfung kann diese schweren Verläufe deutlich reduzieren, auch wenn sie eine Ansteckung nicht in jedem Fall verhindert. Bei guter Antigen-Übereinstimmung mit den zirkulierenden Stämmen liegt die Schutz­wirkung gegen einen symptomatischen Verlauf bei rund 40 bis 70 Prozent, bei jüngeren Erwachsenen meist höher als bei älteren. Wichtiger noch: Die Impfung schützt überdurchschnittlich gut vor schweren, hospitalisierungs­pflichtigen Verläufen, und sie reduziert auch das Risiko schwerer Folge­erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall in den Wochen nach der Infektion.

Wer sollte sich impfen lassen? Die STIKO-Zielgruppen

Die STIKO empfiehlt die Grippe­impfung ausdrücklich für alle Personen mit erhöhtem Risiko für einen schweren Krankheits­verlauf sowie für Menschen, die andere anstecken könnten. Konkret gehören dazu:

  • Alle Personen ab 60 Jahren – in dieser Altersgruppe steigt das Komplikations­risiko deutlich an, weil das Immunsystem nicht mehr ganz so kräftig reagiert wie in jungen Jahren.
  • Schwangere ab dem zweiten Trimenon (bei besonderem Risiko, z. B. Asthma oder Diabetes, bereits ab dem ersten Trimenon). Die Impfung schützt nachweislich auch das Neugeborene in den ersten Lebens­monaten über die mütterlichen Antikörper.
  • Kinder, Jugendliche und Erwachsene mit chronischen Grundleiden – dazu zählen Diabetes mellitus, koronare Herz­krankheit, COPD, Asthma, chronische Nieren- und Leber­erkrankungen, Immun­defekte, HIV-Infektion und neuro­logische Erkrankungen wie Multiple Sklerose.
  • Bewohner:innen von Alten- und Pflege­heimen – sie haben ein besonders hohes Risiko für schwere Verläufe.
  • Medizinisches Personal und Personen mit umfangreichem Publikums­verkehr – ärztliches und pflegerisches Personal, Erzieher:innen, Lehrer:innen, Kassen­personal – einerseits zum Eigenschutz, vor allem aber zum Schutz vulnerabler Kontakt­personen.
  • Haushalts­angehörige von Risiko­personen – weil das beste Mittel, eine geschwächte Großmutter zu schützen, eine geimpfte Familie ist.

Darüber hinaus kann sich grundsätzlich jeder gesunde Erwachsene impfen lassen, der eine influenza­bedingte Erkrankung vermeiden möchte. Die STIKO spricht in diesen Fällen zwar keine Regel­empfehlung aus, viele gesetzliche Kranken­kassen übernehmen die Kosten aber inzwischen auch ohne formale Indikation als freiwillige Satzungs­leistung. Fragen Sie kurz bei Ihrer Kasse nach – oder erkundigen Sie sich bei uns in der Schwanen-Apotheke, wir kennen die Regelungen der gängigen Kassen vor Ort.

Welcher Impfstoff für wen? Quadrivalent, Hochdosis, adjuvantiert

Seit der Saison 2018/2019 werden in Deutschland ausschließlich quadrivalente Influenza-Impfstoffe verwendet, das heißt Vakzinen, die gegen vier Virus­stämme schützen: zwei Influenza-A-Stämme (typischerweise H1N1 und H3N2) und zwei Influenza-B-Linien (Victoria und Yamagata). Dies ist der so genannte Standard-Impfstoff für Erwachsene unter 60 und für die meisten Indikations­gruppen. Für besondere Personen­kreise gibt es jedoch Sonder­formate, die nachweislich eine bessere Immun­antwort hervorrufen:

  • Hochdosis-Impfstoff (Efluelda®) – enthält die vierfache Antigen­menge eines Standard­impfstoffs und ist seit 2021 von der STIKO ausdrücklich für alle Personen ab 60 Jahren empfohlen. Studien zeigen eine deutlich höhere Schutzwirkung gegen Influenza­erkrankungen und vor allem gegen schwere, krankenhaus­pflichtige Verläufe bei Senior:innen im Vergleich zum konventionellen Impfstoff.
  • Adjuvantierter Impfstoff (Fluad Tetra®) – enthält das Wirk­verstärker-System MF59, das die Immun­antwort gerade bei älteren Menschen mit schwächerem Immun­system optimiert. Wird ebenfalls bei Senior:innen verwendet, wenn Efluelda nicht verfügbar ist.
  • Zellkultur-Impfstoff (Flucelvax Tetra®) – wird nicht in bebrüteten Hühner­eiern, sondern in Zellkulturen produziert. Geeignet für Personen mit nachgewiesener schwerer Hühnerei­weiß-Allergie. Eine leichte Eiweiß-Allergie ist keine Kontra­indikation gegen die konventionellen Impfstoffe.
  • Nasenspray-Impfstoff (Fluenz Tetra®) – ein abgeschwächter Lebend­impfstoff, der für Kinder von 2 bis 17 Jahren zugelassen ist. Praktisch, weil keine Spritze nötig ist; gut wirksam und besonders kinderfreundlich. Nicht geeignet bei Immun­defekten oder schwerem Asthma.

Für Kinder unter neun Jahren, die zum ersten Mal gegen Grippe geimpft werden, ist eine zweite Dosis im Abstand von mindestens vier Wochen empfohlen, um eine vollständige Grund­immunisierung aufzubauen. Ab dem zweiten Lebens­jahr genügt anschließend wie bei Erwachsenen eine jährliche Auffrisch­impfung.

Wann ist der beste Zeitpunkt?

Die ideale Impfzeit liegt in Deutschland zwischen Anfang Oktober und Mitte November. Hintergrund: Die Grippe­welle beginnt erfahrungs­gemäß zwischen Dezember und Februar und erreicht im Januar/Februar ihren Höhepunkt. Bis ein voller Impfschutz aufgebaut ist, vergehen etwa zwei Wochen. Wer im Oktober oder November impft, ist also rechtzeitig geschützt – und der Impfschutz hält die kritische Phase über. Auch eine Impfung im Dezember oder sogar im Januar ist noch sinnvoll, wenn die Welle noch nicht durch ist; in solchen Fällen sprechen wir gerne mit Ihrem Hausarzt oder Ihrer Hausärztin ab, ob Sie unbedingt noch dieses Jahr immunisiert werden sollten. Was Sie hingegen vermeiden sollten: eine zu frühe Impfung bereits im August oder September. Bei Senior:innen lässt der Impfschutz nach etwa sechs Monaten nach, sodass eine sehr frühe Impfung gegen Ende der Saison schon abklingen könnte.

Mythos „Grippeimpfung verursacht Grippe”

Diesen Einwand hören wir in der Apotheke jedes Jahr mehrfach. Die Antwort ist klar: Nein, die Grippe­impfung verursacht keine Grippe. Die in Deutschland verwendeten Impfstoffe für Erwachsene sind so genannte Totimpfstoffe; sie enthalten ausschließlich abgetötete Virus­bestandteile, die keinerlei Vermehrungs­fähigkeit besitzen. Daraus kann sich keine Influenza entwickeln. Was nach einer Impfung durchaus vorkommen kann, sind milde Impf­reaktionen: Schmerzen und Rötung an der Einstich­stelle, vorüber­gehende Müdigkeit, leichte Kopf- oder Glieder­schmerzen, manchmal sogar etwas erhöhte Temperatur. Diese Symptome dauern selten länger als ein bis zwei Tage und sind ein Zeichen, dass das Immunsystem mit dem Impfstoff arbeitet – nicht etwa eine echte Grippe. Wer im November oder Dezember nach der Impfung erkältet wird, hat sich höchst­wahrscheinlich an einem der vielen anderen Erkältungs­viren angesteckt, die in der kalten Jahreszeit zirkulieren und gegen die kein Impfstoff schützt.

Realistische Schutzwirkung – was die Studien zeigen

Die jährliche Wirksamkeit der Grippe­impfung schwankt – und das ist auch kein Geheimnis. Sie hängt vor allem davon ab, wie gut die im Impfstoff enthaltenen Stämme zu den in der jeweiligen Saison tatsächlich zirkulierenden Viren passen. Die Weltgesundheits­organisation (WHO) trifft im Februar eines jeden Jahres die Vorhersage, welche Stämme in der nächsten Nordhalbkugel-Saison am häufigsten zirkulieren werden, und auf dieser Basis produzieren die Hersteller den Impfstoff. In Jahren mit gutem Matching beträgt die Schutzwirkung gegen einen symptomatischen Verlauf etwa 50–70 Prozent, in Jahren mit schlechterem Matching nur etwa 30 Prozent. Selbst in einer schlechten Saison sinkt aber das Risiko für schwere, hospitalisierungs­pflichtige Verläufe deutlich. Bei Personen mit Vorerkrankungen oder im hohen Alter ist gerade dieser Effekt entscheidend.

Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) und das Robert Koch-Institut (RKI) werten in jeder Saison die Wirksamkeit aus und veröffentlichen sie im Frühjahr nach Saisonende. Für die Saison 2023/2024 lag die Schutz­wirkung gegen ambulant behandelte Influenza­erkrankungen bei rund 50 Prozent – ein guter Wert, der die Impfempfehlung klar untermauert.

Kombination mit der COVID-19-Auffrischung

Eine häufige Frage in der Schwanen-Apotheke: „Kann ich mich am selben Tag gegen Grippe und gegen Corona impfen lassen?" Die Antwort lautet eindeutig Ja. Die STIKO empfiehlt die simultane Verabreichung beider Impfstoffe ausdrücklich, und zwar in zwei verschiedene Oberarme. Studien haben gezeigt, dass die gleichzeitige Gabe die Wirksamkeit weder der einen noch der anderen Impfung beeinträchtigt – allenfalls sind die unmittelbaren Impfreaktionen (lokaler Schmerz, Müdigkeit) etwas stärker. Praktisch ist dies vor allem für Risiko­gruppen: Anstelle von zwei Arzt- bzw. Apotheken­besuchen reicht ein einziger. Wer einen empfindlichen Magen hat oder zu Kreislauf­reaktionen neigt, kann die beiden Impfungen aber auch mit einem Abstand von 7 bis 14 Tagen vornehmen lassen – das ist medizinisch gleichwertig.

Wo kann ich mich impfen lassen?

In Deutschland dürfen seit 2022 auch Apotheken nach entsprechender Schulung des Personals Grippe­impfungen an Erwachsenen durchführen. Klassischer Anlaufpunkt bleibt natürlich die hausärztliche Praxis – sie kennt Ihre Vorerkrankungen am besten und kann die Impfung in den Gesamtkontext einbetten. Bei Berufstätigen, die in der Sprechstunde nur schwer Zeit finden, sind Apotheken­impfungen eine willkommene Alternative; in vielen Pharmazien (auch in Duisburg) wird die Grippe­impfung als zeitnahe Walk-in-Leistung angeboten. Die Schwanen-Apotheke arbeitet eng mit den ortsansässigen Hausarzt­praxen und Pflegediensten zusammen; sprechen Sie uns einfach an, wir vermitteln Ihnen einen schnellen Termin oder – falls verfügbar – impfen direkt vor Ort.

Kontraindikationen und mögliche Nebenwirkungen

Eine echte Kontra­indikation gegen die Grippe­impfung ist selten. Sie liegt vor bei einer schweren allergischen Reaktion auf eine frühere Influenza­impfung oder auf einen der Impfstoff­bestandteile, bei einer schweren Hühnerei­weiß-Allergie (in diesem Fall: zell­kultur­basierter Impfstoff) und bei einer akuten, fieberhaften Erkrankung – dann verschiebt man die Impfung um wenige Tage. Eine bloße Erkältung ohne Fieber ist kein Hinderungs­grund. Häufige milde Nebenwirkungen sind lokale Rötung und Schmerz, vorübergehende Müdigkeit, leichtes Fieber und Glieder­schmerzen. Schwere Reaktionen wie das Guillain-Barré-Syndrom sind extrem selten (Schätzung: 1 zusätzlicher Fall pro 1 Million Impfungen) – und das Risiko einer GBS durch die Influenza-Infektion selbst ist um ein Mehrfaches höher.

Beratung in der Schwanen-Apotheke Duisburg

Wir wissen: Die Entscheidung für oder gegen eine Impfung ist persönlich, und sie wirft Fragen auf. Welcher Impfstoff passt zu meiner Vorerkrankung? Übernimmt meine Kasse die Kosten? Kann ich nach der Impfung noch zur Arbeit? In der Schwanen-Apotheke nehmen wir uns Zeit für Ihre Fragen, besprechen Vor- und Nachteile, prüfen Wechsel­wirkungen mit Ihrer Dauer­medikation und beraten Sie zur richtigen Vorgehensweise. Auch wenn Sie unsicher sind, ob Sie zur Risiko­gruppe gehören – wir helfen Ihnen, eine fundierte Entscheidung zu treffen. Kommen Sie einfach vorbei oder rufen Sie uns an; wir freuen uns auf das Gespräch.

| Von: Redaktion Schwanen-Apotheke Duisburg, Quellen: STIKO/RKI Empfehlungen 2024/2025, Paul-Ehrlich-Institut (PEI), Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA)