Sonnenschutz richtig anwenden – auch im Schatten
Die deutsche Krebsgesellschaft meldet seit Jahren steigende Zahlen beim Hautkrebs: jedes Jahr erkranken in Deutschland rund 270.000 Menschen am hellen Hautkrebs (Basaliome, Spinaliome) und etwa 25.000 am gefährlicheren schwarzen Hautkrebs (malignes Melanom). Die mit Abstand wichtigste vermeidbare Ursache ist die kumulative UV-Belastung – aufaddiert über das ganze Leben, mit besonderer Bedeutung in der Kindheit und Jugend. Gute Nachricht: konsequenter Sonnenschutz lässt sich im Alltag einfach umsetzen, wenn man ein paar Grundregeln kennt.
Lichtschutzfaktor – was bedeutet er wirklich?
Der Lichtschutzfaktor (LSF), international SPF, gibt an, um wie viele Faktoren sich die Eigenschutzzeit der Haut verlängert. Wer im ungeschützten Zustand 15 Minuten Sonne ohne Rötung verträgt, kommt mit LSF 30 rein rechnerisch auf 30 × 15 = 450 Minuten, also etwa 7,5 Stunden. In der Praxis sollte man diese Maximalzeit aber nicht ausreizen, sondern bei höchstens 60 % bleiben. Empfohlen werden für Erwachsene mindestens LSF 30, für Kinder und Babys LSF 50+. Auch der UVA-Schutz muss vorhanden sein – erkennbar am Kreissymbol „UVA“ auf der Packung, das einen Mindestschutz von einem Drittel des LSF gegen UVA bestätigt.
Wie viel Creme ist genug?
Der wohl häufigste Fehler ist die Unterdosierung. Studien zeigen, dass viele Anwender:innen nur ein Viertel bis ein Drittel der nötigen Menge auftragen – und damit faktisch nur ein Drittel des deklarierten LSF erreichen. Faustregel: für den ganzen Körper eines Erwachsenen sind etwa 30–40 ml (drei bis vier Esslöffel) nötig, für das Gesicht inklusive Hals und Ohren ca. einen Teelöffel. Das mag großzügig wirken – ist aber die Voraussetzung dafür, dass der Schutz funktioniert. Nach dem Schwimmen, starkem Schwitzen oder dem Abtrocknen mit dem Handtuch immer nachcremen.
Auch im Schatten und unter Wolken
Ein verbreiteter Irrtum ist die Annahme, im Schatten oder bei bewölktem Himmel sei kein Sonnenschutz nötig. Im Schatten kommen je nach Umgebung noch etwa 30–50 % der UV-Strahlung an – reflektiert von Sand, Wasser, Schnee oder hellen Hauswänden. Wolken filtern UV-Licht nur unzureichend; an leicht bewölkten Tagen werden Sonnenbrände besonders häufig unterschätzt, weil das Wärmeempfinden fehlt, die UV-Strahlung aber kaum gemindert ist. Auch in der Stadt, beim Mittagessen auf der Restaurantterrasse, beim Spaziergang am Innenhafen oder beim Fahrradfahren ins Büro lohnt sich Schutz – nicht nur am Strand.
Schatten, Kleidung, Creme – die richtige Reihenfolge
Experten empfehlen das so genannte ABC-Schema des Sonnenschutzes:
- A – Avoidance: Sonne meiden, vor allem zwischen 11 und 15 Uhr. Schatten suchen, Mittagspause drinnen verbringen.
- B – Bekleidung: lange, dichtgewebte Sachen, Hut mit Krempe, Sonnenbrille mit UV-400-Filter. UV-Schutzkleidung (UPF 50+) gibt es speziell für Schwimmen und Sport.
- C – Creme: das Letzte in der Hierarchie, nicht das Erste. Sie ersetzt die anderen beiden nicht.
Kinderhaut braucht besonderen Schutz
Babys unter 12 Monaten gehören grundsätzlich nicht in die direkte Sonne – ihre Haut hat noch keinen Eigenschutz, und die in Erwachsenencremes verwendeten Filter sind für Säuglinge ungeeignet. Kleinkinder ab dem zweiten Lebensjahr dürfen kurz in die Sonne, sollten aber mit LSF 50+, langer Kleidung und Sonnenhut geschützt werden. Vorsicht bei Sonnenbränden im Kindesalter: jede schwere Verbrennung verdoppelt rechnerisch das spätere Melanom-Risiko. Wir führen in der Schwanen-Apotheke ein eigenes Sortiment für die ganze Familie – auch mineralische Filter (Zinkoxid, Titandioxid) für sehr empfindliche Haut.
Medikamente und Sonne – eine oft unterschätzte Kombination
Bestimmte Medikamente machen die Haut lichtempfindlicher. Dazu gehören einige Antibiotika (Doxycyclin, Ciprofloxacin), Diuretika (Hydrochlorothiazid), Diabetes-Medikamente (Glibenclamid), Schmerzmittel (Ibuprofen, ASS in seltenen Fällen), bestimmte Antidepressiva und nicht zuletzt Hormonpräparate. Wenn Sie ein verschreibungspflichtiges Mittel einnehmen und in den Süden reisen, fragen Sie uns nach möglichen Photosensibilität – ein Blick in den Beipackzettel lohnt sich, und wir helfen beim Einordnen. Auch pflanzliche Mittel sind nicht harmlos: Johanniskraut zum Beispiel ist ein bekannter Phototoxizität-Verursacher.
Nach der Sonne: Hautberuhigung
Ist die Haut trotz allem leicht gerötet, helfen kühle Umschläge, ein After-Sun-Gel mit Aloe vera oder Hyaluron, eine Tasse stilles Wasser nach der andere und in den ersten Tagen leichte, lockere Baumwollkleidung. Bei stärkeren Sonnenbränden mit Blasenbildung, ausgedehnten Rötungen oder Fieber gehört die Behandlung in ärztliche Hände – insbesondere bei Kindern.
Wir beraten Sie
Welche Sonnencreme zu Ihrem Hauttyp und Ihrem Urlaubsziel passt, was Sie für die Kinder einpacken sollten und wie Sie Apotheken-After-Sun von Drogerie-Ware unterscheiden – das alles besprechen wir gerne mit Ihnen in der Schwanen-Apotheke. Außerdem haben wir eine kleine Reiseapotheke vorrätig, die nicht nur UV-Schutz, sondern auch Insektenrepellent, Magen-Darm-Mittel und Wundverband umfasst. Damit der Urlaub bleibt, was er sein soll – Erholung.