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Schlafstörungen im Alter – was wirklich hilft

Mit zunehmendem Lebensalter verändert sich der Schlaf. Wer mit Mitte zwanzig noch acht durchgehende Stunden schlummerte, wacht jetzt mehrfach pro Nacht auf, liegt morgens um vier hellwach im Bett und schläft tagsüber im Sessel ein. Viele Senior:innen sind beunruhigt – ist das noch normal oder schon krank? Die Antwort liegt dazwischen. Schlaf wird mit dem Alter oberflächlicher und fragmentierter, das ist eine biologische Realität und keine Erkrankung. Wenn aber die nächtliche Wachzeit, das morgendliche Erschöpfungs­gefühl oder die Tagessekundenschlaf-Episoden den Alltag belasten, sollten Sie aktiv werden.

Warum schläft man im Alter anders?

Mehrere Faktoren spielen zusammen: die Melatonin-Produktion der Zirbeldrüse nimmt ab dem 60. Lebensjahr deutlich ab, der Tiefschlafanteil sinkt, und der Schlaf-Wach-Rhythmus verschiebt sich oft nach vorn – man wird abends früher müde und morgens früher wach. Hinzu kommen typische Alters­begleiter wie nächtlicher Harndrang (Nykturie), Schmerzen durch Arthrose, Atemstörungen wie das Schlafapnoe-Syndrom und psychosoziale Belastungen (Einsamkeit, Trauer, Sorgen). Auch viele Medikamente, die ältere Menschen regelmäßig einnehmen – Betablocker, Diuretika, Kortison, manche Antidepressiva –, können den Schlaf stören.

Schlafhygiene: die wichtigsten Säulen

Bevor Sie zu Tabletten greifen, lohnt es sich, an der so genannten Schlafhygiene zu arbeiten. Sie umfasst eine Reihe einfacher Regeln, die wissenschaftlich gut belegt sind:

  • Feste Bett- und Aufstehzeiten – auch am Wochenende. Der Körper liebt Verlässlichkeit.
  • Tagsüber wach bleiben – kurze Mittagspausen (max. 20 min, vor 15 Uhr) sind okay; längere Schläfchen rauben Ihnen die Müdigkeit für den Abend.
  • Licht am Tag – gehen Sie mindestens 30 Minuten am Vormittag ins Tageslicht. Es stabilisiert die innere Uhr.
  • Schlafzimmer kühl und dunkel – ideal sind 17–19 °C und absolute Dunkelheit.
  • Bildschirme aus ab etwa zwei Stunden vor dem Zubettgehen; das blaue Licht von Smartphone und Tablet bremst die Melatonin-Ausschüttung.
  • Abendritual – immer dasselbe (warme Dusche, Buch, Tee), damit der Körper lernt: jetzt kommt Schlaf.
  • Bett ist Schlafzone – kein Fernsehen, kein Essen, kein Grübeln. Wenn Sie nicht einschlafen, stehen Sie wieder auf und kommen erst zurück, wenn Sie wirklich müde sind.

Sanfte pflanzliche Hilfen

Wenn die Schlafhygiene allein nicht reicht, kommen pflanzliche Mittel infrage. Baldrian ist hier der Klassiker; er wirkt nicht wie ein chemisches Schlafmittel sofort, sondern nach etwa zwei bis vier Wochen regelmäßiger Einnahme als sanfte Beruhigung. In Kombinations­präparaten wird er gerne mit Hopfen, Melisse und Passionsblume kombiniert. Lavendelöl-Kapseln (z. B. Lasea®) sind gut untersucht und werden besonders bei innerer Unruhe mit Schlafstörungen eingesetzt. Wichtig: Auch pflanzliche Mittel haben Wechsel­wirkungen – insbesondere mit Blutverdünnern und Schlaftabletten. Wir prüfen das in der Schwanen-Apotheke gerne für Sie.

Wann ein Arztbesuch sinnvoll ist

Wenn Sie länger als vier Wochen unter ein- oder durchschlaf­störungen leiden, sollten Sie Ihren Hausarzt aufsuchen. Wichtig ist, hinter der Insomnie nicht eine andere, behandelbare Erkrankung zu übersehen: eine unerkannte Schlafapnoe (lautes Schnarchen mit Atempausen, morgendliche Kopfschmerzen, Tages­müdigkeit), eine Schilddrüsen­überfunktion, ein Restless-Legs-Syndrom, eine depressive Erkrankung oder eine Demenz im frühen Stadium. Häufig hilft schon eine Anpassung der Medikation – zum Beispiel das Verlegen eines Diuretikums vom Abend auf den Vormittag, damit der nächtliche Harndrang nachlässt.

Klassische Schlafmittel: Vorsicht im Alter

Verschreibungs­pflichtige Schlafmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine (z. B. Lorazepam, Diazepam) und der Z-Substanzen (Zolpidem, Zopiclon) sind im Alter besonders kritisch zu sehen. Sie wirken zwar schnell und zuverlässig – sie erhöhen aber das Sturzrisiko (durch nächtliche Verwirrtheit), das Risiko einer kognitiven Verschlechterung und führen rasch in eine Abhängigkeit. Die deutsche PRISCUS-Liste, die alters­ungeeignete Medikamente zusammenfasst, listet diese Substanzen ausdrücklich als problematisch. Wenn überhaupt, sollten sie nur kurzzeitig (maximal 2–4 Wochen), in niedriger Dosis und unter ärztlicher Begleitung eingesetzt werden. Eine sinnvollere Option für viele Senior:innen sind niedrig dosierte sedierende Antidepressiva wie Trazodon oder Mirtazapin – aber auch hier gilt: nur nach ärztlicher Abklärung.

Verhaltenstherapie statt Tabletten

Wissenschaftlich am besten belegt ist heute die kognitive Verhaltens­therapie für Insomnie (KVT-I), die in 6–8 Sitzungen Schlaf­restriktion, Stimulus­kontrolle und Umgang mit Grübel­schleifen vermittelt. Sie wirkt nachweislich besser als Schlaftabletten – und vor allem länger. In Duisburg und Umgebung bieten mehrere Psycho­therapeut:innen und schlaf­medizinische Zentren KVT-I als Einzel- oder Gruppen­therapie an; auch digitale Varianten als App-basierte Programme sind inzwischen verfügbar (z. B. somnio, ZNS-zertifiziert). Wir geben Ihnen gerne entsprechende Anlauf­stellen.

Beratung in der Schwanen-Apotheke

Schlafprobleme im Alter sind ein häufiger Beratungs­anlass bei uns. Wir nehmen uns Zeit, gehen mit Ihnen Ihre Medikation durch, schauen auf Ihren Tagesablauf und prüfen, was sich an Schlafhygiene und Lebensführung verbessern lässt. Wenn pflanzliche Mittel sinnvoll sind, beraten wir Sie zu Dosierung und Dauer; wenn ein Arztbesuch nötig ist, motivieren wir Sie dazu. Eines tun wir nicht: Schlaftabletten ohne Notwendigkeit empfehlen.

| Von: Redaktion Schwanen-Apotheke Duisburg, Quellen: DGSM, BfArM, PRISCUS-Liste